Lorrainequartier will weiter gegen «Luxuswohnungen» kämpfen

Der Regierungsstatthalter bewilligt das umstrittene Bauprojekt am Berner Centralweg. Die Gegner geben sich aber noch nicht geschlagen.

Quartierbewohner vom Nachbarschaftskomitee Lorraine wehren sich gegen die ueberteuerten Wohnungen, die am Centralweg erstellt werden sollen.

Quartierbewohner vom Nachbarschaftskomitee Lorraine wehren sich gegen die ueberteuerten Wohnungen, die am Centralweg erstellt werden sollen. Bild: Valérie Chételat

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Ein weiterer Schritt in Richtung Gentrifizierung? Sicherlich ist die Realisierung des umstrittenen Bauprojekts am Centralweg im Berner Lorrainequartier nähergerückt. Das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland hat mitgeteilt, dass die Stadt Bern die geplanten Wohnungen realisieren darf.

Das stösst nicht nur auf Gegenliebe im Quartier. Denn das städtische Bauprojekt weckt seit Jahren Widerstand. Quartiervereine und linke Politiker kritisieren die geplanten «Luxuswohnungen». Sogar eine Demonstrationen hat es bereits gegeben. Für Verzögerung hat auch gesorgt, dass das ursprüngliche Projekt nicht bewilligungsfähig war. Der Gemeinderat hat aber nicht das Bauprojekt, sondern kurzerhand das Baureglement angepasst (der «Bund» berichtete). Diese Änderungen wie auch das Projekt beurteilte das Regierungsstatthalteramt nun als gesetzeskonform.

«Die Anpassung durch den Gemeinderat war zulässig», sagt Statthalter Christoph Lerch. Das Argument der Beschwerdeführer, der Entscheid hätte dem Volk überlassen werden sollen, sei nicht stichhaltig gewesen. Auch Forderungen nach bezahlbaren Wohnungen seien rechtlich irrelevant: «Es steht nirgends im Baugesetz, dass man dort günstigen Wohnraum erstellen muss.»

Trotzdem schien die Stadtregierung auf den Widerstand zu reagieren. Im September entschied der Gemeinderat, mit einer «Kostenoptimierung» die Baukosten und dadurch auch die Mietpreise wenn möglich zu senken. Für Stadtrat Luzius Theiler (GAP), langjähriger Gegner des Projekts, steht dieser Beschluss zur neuen Baubewilligung im Widerspruch: «In jetziger Form kann das Haus wohl gar nicht realisiert werden.»

Denn die zur Kostensenkung nötigen Änderungen müssten nochmals dem Stadtrat vorgelegt werden, meint er. Dann bestehe die Möglichkeit, die überteuerten Wohnungen politisch zu bekämpfen. Dass das nötig ist, steht für Theiler ausser Frage: «Günstige Wohnungen verschwinden immer mehr.» Mit den steigenden Mieten einher gehe der Einzug einer Bevölkerung, die sich in geringem Ausmass im Quartier engagiere. «So wird ein vielfältiges Quartier immer wie langweiliger.»

Läbigi Lorraine prüft Beschwerde

Auch Catherine Weber vom Verein Läbigi Lorraine betrachtet die erteilte Baubewilligung nicht als endgültige Niederlage. Ihr Verein überlege, die dreissigtägige Beschwerdefrist zu nutzen. «Wir hatten gehofft, dass Lerch nach der Zangengeburt des Projekts die Stadt stärker rügt.» Hoffnung setzt sie zudem ins Stadtparlament. Dieses wird einen Vorstoss behandeln, der eine dichtere Gesamtüberbauung der Parzelle oder deren Übergabe an einen gemeinnützigen Bauträger fordert. «Nimmt der Stadtrat die Motion an, gibt es eine Pattsituation.» Dann könne man das Projekt überdenken.

Weber zieht für die letzten Jahre eine schlechte Bilanz: «Leider Gottes ist in Sachen Gentrifizierung in der Lorraine viel passiert.» An der Lorrainestrasse und am Pappelweg seien etwa die Mietpreise in die Höhe geschossen. «Wenn ausgerechnet die Stadt baut, dann sollten die Wohnungen erschwinglich sein.»

Ob die Stadt dieser Forderung gerecht werden kann, bleibt abzuwarten. Der städtische Liegenschaftsverwalter Fernand Raval hat den Auftrag, die Mietpreise des Mehrfamilienhauses zu senken. Es sei gut möglich, dass nach der Kostenoptimierung etwas eingespart werden könne. Gemäss Raval habe der Gemeinderat die Mietsenkung «auch mit Hinblick auf die Diskussion in der Stadt» angeordnet. (Der Bund)

Erstellt: 28.12.2017, 10:39 Uhr

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