Polizei will Smileys auf Gummischrot prüfen

Polizei und Reitschule schieben sich nach wie vor die Schuld an der Gewalteskalation zu. Der Einsatz auf der Schützenmatte werde aber sowieso geprüft.

Bei den Zusammenstössen in der Nacht auf Sonntag wurden drei Polizisten und eine weitere Person verletzt.

Bei den Zusammenstössen in der Nacht auf Sonntag wurden drei Polizisten und eine weitere Person verletzt. Bild: zvg

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Die Mediengruppe der Reitschule hatte am Sonntag Fotos von Gummischrot-Munition publiziert, die mit einem Smiley versehen war. Sie wirft der Polizei vor, sie mache sich über die Leute lustig, auf die sie schiesse.

Das publizierte Bild

Polizeisprecherin Jolanda Egger hatte bereits am Sonntag betont, man könne sich nur schwer vorstellen, dass Polizisten das Smiley gemalt hätten. Das würde nicht toleriert, betonte Egger auch am Montag. Denn es widerspräche den Grundsätzen der Polizei wie etwa der respektvolle Umgang mit anderen Menschen.

Der Einsatz auf der Schützenmatte werde aber sowieso analysiert. Das sei ein normales Vorgehen bei jedem grösseren Einsatz. «Dabei werden auch immer Kritikpunkte von aussen einbezogen und geprüft.»

«Wir zielen nicht auf Köpfe»

Die Reitschule hatte auch den Vorwurf erhoben, dass ein Polizist sein Gummischrotgewehr auf Kopfhöhe gehalten und in Richtung Reitschule gefeuert habe. Das sei wegen der hohen Verletzungsgefahr bei Kopftreffern eigentlich verboten.

Ein von der Reitschule veröffentlichtes Video soll den Vorwurf belegen. Darauf ist allerdings nicht zu sehen, wohin genau der Polizist schiesst. «Wir zielen nicht auf Köpfe und nicht auf den Genitalbereich», sagte Polizeisprecherin Egger auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Bei den Zusammenstössen in der Nacht auf Sonntag waren mehrere Menschen verletzt worden, darunter drei Polizisten. Einer erlitt ein Hämatom, wie Egger am Montag sagte. Zwei weitere waren kurzzeitig im Spital; sie hatten über Gehörprobleme geklagt, nachdem in ihrer Nähe Feuerwerkskörper gezündet worden waren.

Bleibende Schäden möglich

Ob sie einen bleibenden Gehörschaden davon tragen, ist laut Polizei offen. Egger hielt fest, dass nur dank der Schutzausrüstung nicht noch mehr Polizisten verletzt worden seien. Die Einsatzkräfte seien mit Flaschen, Steinen, Eisenstangen und Feuerwerkskörpern attackiert worden.

Nach Angaben der Reitschule wurden nicht nur Polizisten verletzt. Eine Person sei ins Spital gebracht worden, nachdem sie von Gummischrot auf Höhe des Genitalbereichs getroffen worden sei. Polizei und Reitschule werfen sich gegenseitig vor, für die Gewalteskalation verantwortlich zu sein.

Die JUSO Stadt Bern forderte am Montag Massnahmen gegen Polizeigewalt. Es brauche endlich eine echte, unabhängige und demokratische Kontrolle über die Polizei. Eine Ombudsstelle solle das Verhalten der Polizei unter die Lupe nehmen können.

Nause: «Gezielte Attacke»

Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) betonte, die Polizei sei am Wochenende gezielt attackiert worden. Wer daran zweifle, könne Anzeige erstatten, erklärte Nause auf Anfrage. «Die Vorfälle werden dann von der Staatsanwaltschaft als unabhängige Instanz untersucht.»

Erst letzten Donnerstag hatte das Berner Stadtparlament gegen den Willen Nauses eine unabhängige Untersuchung eines anderen Polizei-Einsatzes verlangt. Dabei ging es um eine unbewilligte Afrin-Kundgebung, die im April von der Polizei aufgelöst worden war. (SDA)

Erstellt: 03.09.2018, 13:48 Uhr

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