Polizei verteidigt sich - Reitschule sammelt Beweise

Der umstrittene Polizeieinsatz vom Wochenende wird Thema beim Berner Regierungsrat. Die Reitschule «dokumentiert» weitere Fälle von Kopfverletzungen.

Bei den Zusammenstössen in der Nacht auf Sonntag wurden drei Polizisten und eine weitere Person verletzt.

Bei den Zusammenstössen in der Nacht auf Sonntag wurden drei Polizisten und eine weitere Person verletzt. Bild: zvg

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Einen Tag nach den Ausschreitungen auf der Schützenmatte nimmt die Polizei Stellung zu den Vorwürfen an ihre Adresse. In der Nacht von Samstag auf Sonntag griffen Jugendliche auf dem Vorplatz eine Fusspatrouille der Polizei mit Wasserballonen an. Die Situation eskalierte im Lauf der Nacht.

Angriffe trotz Rückzug

Die Polizei habe versucht, die Fusspatrouillen über das Kontakttelefon zur Reitschule anzukündigen, schildert Sprecherin Jolanda Egger die Ereignisse. Der Anruf sei aber nicht beantwortet worden. Als die Polizisten mit Wasserballons beworfen worden seien, hätten sie sich auf dem Gelände zurückgezogen, um Distanz zu schaffen. Als die Patrouillen trotz Rückzug mit harten Wurfgegenständen wie Flaschen und Steinen angegriffen worden seien, hätten sie Verstärkung angefordert.

Kritiker werfen der Polizei vor, sie habe Unbeteiligte nicht via Megafon vom Gummischroteinsatz gewarnt. Egger entgegnet dem Vorwurf, die Polizei sei vom Dach der Reitschule aus attackiert worden und habe zur eigenen Sicherheit rasch handeln müssen. Der Einsatz werde nun intern analysiert. Dabei werde auch die externe Kritik wie zum Beispiel das Auftauchen von Gummigeschossen mit aufgemalten Smileys berücksichtigt. Zwei beim Einsatz verletzte Polizisten konnten das Spital unterdessen wieder verlassen.

GLP-Grossrat stellt Fragen

Die Vorfälle auf der Schützenmatte in der Nacht von Samstag auf Sonntag werden auch im Kanton zu reden geben. Der GLP-Grossrat Thomas Brönnimann hat eine Anfrage an den Regierungsrat gestellt. Darin will er aufgrund der Berichterstattung im «Bund» wissen, ob der Regierungsrat den Einsatz als verhältnismässig erachtet und welche Ziele die Kantonspolizei damit verfolgte.

Er wolle keine Partei ergreifen, sagt Brönnimann auf Anfrage. Doch als Mitglied der Sicherheitskommission sei es seine Aufgabe, kritische Fragen zu stellen. «Ich mache mir Sorgen, wenn ich weiss, dass dort gedealt wird, wo meine Kinder verkehren», sagt er. Er mache sich aber auch Sorgen, wenn die Polizei ohne offensichtlichen Anlass wie eine Demonstration mit einem Grossaufgebot auftauche und Gummischrot schiesse. «Als neutraler Beobachter beschleicht mich das Gefühl, dass hier etwas eskaliert und aus dem Ruder läuft», sagt er.

Reitschule dokumentiert Gewalt

Die Juso der Stadt Bern verurteilten den Polizeieinsatz via Medienmitteilung. Sie sprachen dabei von «Machtdemonstration», «Provokation» und «Willkür» seitens der Polizei.

Auch die Reitschule meldete sich in der Nacht auf Dienstag noch einmal zu den Vorfällen und zeigt sich «immer noch entsetzt», dass die Polizei eigenes Fehlverhalten kategorisch ausschliesse. Die Kulturbertreiberin verweist auf ihr zugesandtes Video- und Bildmarterial, das verletzte Menschen zeigt - darunter auch solche, die am Kopf getroffen worden sind, etwa direkt ins Auge. Eine andere Person sei im Genitalbereich von einem Gummigeschoss getroffen worden. Die Reitschule spricht von 14 bisher bekannte Verletzungen und Übergriffe von der Nacht auf Sonntag durch die Polizei, die sie «dokumentiert» habe.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.09.2018, 18:30 Uhr

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