Polizei rüstet sich für den Grosseinsatz

Die Abtreibungsgegner sollen am Samstag ungestört demonstrieren können. Unbewilligte Gegendemos sollen von der Polizei «unterbunden» werden.

Das Demo-Verbot für die Gegner des «Marsch fürs Läbe» dürfte am Wochenende für weitere Ausschreitungen in Bern sorgen.

Das Demo-Verbot für die Gegner des «Marsch fürs Läbe» dürfte am Wochenende für weitere Ausschreitungen in Bern sorgen. Bild: Franziska Rothenbuehler

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Um «die Sicherheit der Kundgebungsteilnehmenden sowie unbeteiligter Passantinnen und Passanten» gewährleisten zu können, seien keine weiteren Kundgebungen zugelassen, teilte die Stadtregierung am Donnerstag mit. Der Gemeinderat habe demzufolge die Kantonspolizei beauftragt, «Störungen der öffentlichen Sicherheit zu unterbinden».

Zur Kundgebung auf dem Bundesplatz werden mehrere tausend Menschen erwartet. Viele von ihnen sollen - wie schon 2016 - mit Cars aus diversen Schweizer Städten direkt vors Bundeshaus auf den abgeriegelten Bundesplatz gefahren werden und dort am Abend wieder abgeholt werden.

Gegendemo auch ohne Bewilligung geplant

Dass sich Gegendemonstranten vom Verbot der Stadt abhalten lassen, scheint unwahrscheinlich. Die Organisatoren «Bern stellt sich queer» schreiben auf ihrer Webseite, dass sie das Vorhaben der Abtreibungsgegner mit oder ohne Bewilligung stören würden.

Auch die Antifa ruft zur Gegendemo auf, wenn auch ohne sich aktiv an der Organisation beteiligen zu wollen, wie sie auf Anfrage schreibt. «Wir mobilisieren lediglich dafür, indem wir auf die Demo aufmerksam machen und Infos von den Leuten in der Schweiz teilen.» Die Schweiz habe ein sehr restriktives Demonstrationsrecht, was dazu führe, dass fast keine politischen Demonstrationen genehmigt würden, insbesondere Gegendemos nicht.

Polizei wird Personenkontrollen durchführen

Auch die Kantonspolizei Bern (Kapo) rechnet offenbar mit Gegendemonstrationen. Sie rüstet sich für einen Grosseinsatz. Um das benötigte Personal stellen zu können, werde die Mehrheit der Polizeiwachen im Kanton am Samstag geschlossen, wie die Kapo schreibt. Weiter müsse «rund um die Veranstaltung mit Personenkontrollen gerechnet werden».

Aus Sicherheitsgründen würden auch mehrere Strassen und der Bundesplatz vorübergehend gesperrt – sowohl für Fussgänger wie für den Verkehr. Von zirka 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr gesperrt werden demnach die Achse Bundesgasse-Kochergasse ab Höhe Gurtengasse, die Achse Amthausgasse-Schauplatzgasse ab Höhe Inselgasse bis Höhe Hotel Bären sowie der Bundesplatz und das Käfiggässchen.

Angespannte Stimmung in Bern

Beim letzten «Marsch fürs Läbe» 2016 sorgten hunderte Polizisten dafür, dass damals 1700 Menschen aus dem christlich-konservativen Milieu vor dem Bundeshaus gegen Abtreibungen und Sterbehilfe demonstrieren konnten. Hunderte Gegendemonstranten aus linksautonomen Kreisen taten ihren Unmut in der Innenstadt kund.

Die Stimmung in Bern ist angespannt, nachdem es anfangs September vor der Reitschule zu heftigen Zusammenstössen zwischen Vermummten und der Polizei gekommen war. Der kantonale Polizeidirektor Philippe Müller (FDP) forderte in der Folge die rotgrüne Stadtregierung zum Handeln auf.

Müller nahm insbesondere die Reitschule ins Visier, die seiner Ansicht nach zu wenig gegen Attacken auf Polizisten tue und als Rückzugsort für gewaltbereite Demonstranten diene. Die Reitschulbetreiber konterten ihrerseits mit dem Vorwurf, die Polizei habe bewusst die Eskalation gesucht. (msc/kls/sda)

Erstellt: 13.09.2018, 09:08 Uhr

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