Politstar mit beschränktem Einfluss

Senkrechtstarterin Christa Markwalder will den Ständeratssitz für die Berner FDP zurückerobern. Ein Porträt.

«Ich nehme lieber ein Scheitern meiner Kandidatur in Kauf, als meine Überzeugungen zu verleugnen», sagt die EU-Beitritt-Befürworterin Christa Markwalder. (Valérie Chételat)

«Ich nehme lieber ein Scheitern meiner Kandidatur in Kauf, als meine Überzeugungen zu verleugnen», sagt die EU-Beitritt-Befürworterin Christa Markwalder. (Valérie Chételat)

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Mit «routiniert» oder vielleicht auch «souverän» lässt sich Christa Markwalders Auftreten am besten beschreiben. Ob sie nun vor versammelter Bundeshaus-Presse über den Beitrag der Schweiz zur Rettung des Euro referiert, im Säli des Hotels Emmental in Langnau die Angriffe des SVP-Kontrahenten Adrian Amstutz kontert oder in Davos nach dem traditionellen Parlamentarier-Skirennen ihren Sieg bei den Damen kommentiert: Die Nationalrätin wirkt stets konzentriert, gibt zu jedem Thema druckreife Sätze von sich und schafft esdabei auch noch, gewinnend zu lächeln.

Dies mögen Äusserlichkeiten sein, für die politische Blitzkarriere der Emmentalerin waren sie aber nicht unerheblich. Innerhalb des Freisinns ist Markwalder die Gegenthese zu den ergrauten Wirtschafts- und Verbandsvertretern, die ihre Wähler immer weniger zu überzeugen vermögen. Der Partei dient die «Arena»-taugliche Jungpolitikerin als Aushängeschild für einen modernen Liberalismus. Diese Rolle spielt Markwalder durchaus glaubwürdig und überaus erfolgreich. Bei den letzten Nationalratswahlen holte sie gar mehr Stimmen als der heutige Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Wie nur wenige andere Parlamentsmitglieder punktet die 35-Jährige auch links und rechts ihrer eigenen Partei.

Politik als Lebensinhalt

Der Erfolg ist Christa Markwalder aber nicht in den Schoss gefallen. Vor elf Jahren hat sie ihre politische Karriere als jungfreisinnige Burgdorfer Stadträtin begonnen, später wurde sie auf Kosten ihres Vaters Hans-Rudolf in den Grossen Rat gewählt, und 2004 schaffte sie schliesslich als erst 29-Jährige den Sprung in den Nationalrat.

Markwalder ist eine blitzgescheite politische Schwerarbeiterin, die ihre Ziele hartnäckig verfolgt und auch mal auf Essen oder Schlaf verzichtet, um sich seriös auf eine Sitzung oder eine Rede vorzubereiten. Seitdem sie sich von ihrem Mann, dem 61-jährigen Chirurgen Walter Bär, getrennt hat, bestimmt die Politik einen noch grösseren Teil ihres Lebens. Markwalder ist Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission und als studierte Juristin ausserdem Mitglied der Rechts- sowie der Redaktionskommission. Formell arbeitet sie zwar noch zu 50 Prozent für die Zurich Financial Services in Zürich. Böse Zungen bezeichnen dies jedoch als puren «Lobbyposten» und als Fortsetzung ihrer parlamentarischen Arbeit.

Obschon Christa Markwalder überdurchschnittlich viel Zeit in ihr politisches Amt investiert und in der Öffentlichkeit sehr präsent ist, gehört sie (noch) nicht zu den Schwergewichten in Bundesbern. Anders als Mitbewerberin Ursula Wyss in der SP spielt die Freisinnige weder in der Fraktions- noch in der Parteileitung eine Hauptrolle. Sie sitzt zwar in beachtlichen drei Kommissionen, diese gehören aber allesamt nicht zu den ganz wichtigen Gremien. In der Libyen-Affäre erfuhr die Aussenpolitische Kommission Neuigkeiten beispielsweise oft erst aus den Medien. Als Panaschierkönigin wird Markwalder von ihrer Partei zwar gerne akzeptiert, in den inneren Zirkel der Macht hat sie es aber bisher nicht geschafft.

Parteiinterner Gegenwind

Ihre eigenwilligen Positionen kommen innerhalb der Partei nicht immer gut an. An vorderster Front hat Markwalder etwa für die Verkehrshalbierungsinitiative, die Cannabis-Legalisierung oder den EU-Beitritt gekämpft. Letzteres wurde ihr bei der parteiinternen Ausmarchung um die Ständeratskandidatur beinahe zum Verhängnis. In letzter Minute hatten EU-kritische Freisinnige Grossrätin Corinne Schmidhauser als Gegenkandidatin aufgebaut. An der entscheidenden Delegiertenversammlung scheiterte die Ex-Skirennfahrerin dann aber schliesslich.

Mit ihrem EU-Engagement steht die Präsidentin der Neuen Europäischen Bewegung Schweiz derzeit eher quer in der Landschaft – insbesondere nachdem die FDP Schweiz einen EU-Beitritt vergangenen Herbst aus ihrem Parteiprogramm gekippt hat. Doch Markwalder bleibt sich treu, auch wenn sie dem Mitbewerber von der SVP damit eine Steilvorlage liefert. «Ich nehme lieber ein Scheitern meiner Kandidatur in Kauf, als meine Überzeugungen zu verleugnen», sagt sie. Im laufenden Wahlkampf versucht sie aber doch, das Thema Europa im Hintergrund zu lassen – schliesslich spiele es derzeit im politischen Alltag auch keine Rolle. Der ehemalige Fraktionschef der Berner FDP, Adrian Haas, rechtfertigte Markwalders EU-Engagement kürzlich so: «Man darf ja schliesslich noch Visionen haben.»

Trotz ihrer EU-Sympathien oder ihres Einsatzes für erneuerbare Energien ist Markwalder zweifellos eine solide Bürgerliche. So kämpft sie für einen Ersatz des Atomkraftwerks Mühleberg, lehnt die Waffen-Initiative ab, setzt sich für eine Erhöhung des Rentenalters und gegen restriktive Rauchverbote ein. Nach einer Auswertung von 1150 Abstimmungen ordnen Politologen Markwalder im politischen Spektrum leicht rechts der Mitte ein. Innerhalb der FDP gehört sie zum linksliberalen Flügel. (Der Bund)

Erstellt: 17.01.2011, 10:09 Uhr

Porträts zur Ständeratswahl

Der «Bund» porträtiert die vier Ständeratskandidatinnen und -kandidaten. Bereits erschienen:
Ursula Wyss.

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