Politik soll Bund «zwingen», Alpines Museum zu retten

Im Kampf um das Alpine Museum steht eine Anerkennung als Bundesmuseum im Vordergrund.

Modernisiertes Museum: Blick in die aktuelle Ausstellung «Wasser unser» im Alpinen Museum.

Modernisiertes Museum: Blick in die aktuelle Ausstellung «Wasser unser» im Alpinen Museum. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Der Stiftungsrat des Alpinen Museums nimmt die Eidgenossenschaft ins Visier. «Wir müssen den Bund als Mitstifter wieder in die Pflicht nehmen», sagt Präsident Paul Messerli. Die Eidgenossenschaft habe bei der Gründung des Museums im Jahre 1933 Statuten mit verabschiedet, welche die Führung eines landeskundlichen Museums über den Alpenraum mit einer Sammlung sowie einer entsprechenden Vermittlungstätigkeit beinhalten. Mit der vom Bund beabsichtigten Reduktion der finanziellen Mittel sei der Stiftungszweck kaum zu erfüllen, sagt Messerli.

Mitte Juli wurde publik, dass das Bundesamt für Kultur (BAK) die Beiträge an das Museum ab 2019 um 770'000 auf 250'000 Franken zusammenstreichen möchte. Für Messerli ist klar, dass unter diesen Voraussetzungen sogar eine Auflösung der Stiftung ins Auge gefasst werden müsste, da das Museum «strukturell unterfinanziert» sei. Der emeritierte Geografieprofessor und Alpenforscher lässt aber keinen Zweifel daran, dass es der Stiftungsrat nicht so weit kommen lassen möchte. «Der Bund ist der Auslöser der Krise. Nun muss er auch bei deren Lösung hinstehen», sagt Messerli.

Stiftungsrat hofft auf Parlament

Im Vordergrund steht für den Stiftungsrat der politische Weg, der mit einer Rettungskampagne angefeuert werden soll. Juristisch wäre zwar eine Beschwerde vor Verwaltungsgericht möglich, und der Stiftungsrat hat eine anfechtbare Verfügung vom Bundesamt für Kultur verlangt. Die Verfügung liege dem Stiftungsrat aber noch nicht vor. «Wir sind da eher zurückhaltend», sagt Messerli.

Politisch gehe es darum, den aktuell hohen Beachtungsgrad auszunutzen. «Wir standen noch nie derart stark in der Öffentlichkeit.» Damit sollte es gelingen, in den eidgenössischen Räten eine Mehrheit zu finden, die sich für den Erhalt des Museums einsetzen wird. Denn die Verantwortung für den Fortbestand des Museums liege letztlich beim Parlament. «Ich habe Vertrauen, dass es das Museum nicht schliessen will», sagt Messerli. Ob es dabei um ein Rückkommen auf den Kürzungsentscheid gehen wird oder um eine Anerkennung des Museums als Bundesmuseum, lässt Messerli offen.

Museum ist «identitätsstiftend»

Der Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler, Präsident des Patronatskomitees, scheint Letzteres zu favorisieren. Das Alpine Museum sei als «Ort des Dialogs» und der Auseinandersetzung mit Themen der Alpen «identitätsstiftend», sagt Engler. Wenn das BAK beziehungsweise das Innendepartement von Bundesrat Alain Berset (SP) nicht von sich aus tätig werden, «zwingen sie die Politik, den Weg über das Budget und die Gesetzgebung zu nehmen, um den besonderen Status des Museums herauszustreichen». Konkret spielt Engler hier auf eine Aufnahme des Alpinen Museums in die Kulturbotschaft 2021–2024 an, wodurch es den Status eines «Schweizerischen Nationalmuseums» erhielte. Hierfür müsste aber auch das Bundesgesetz über die Museen und Sammlungen abgeändert werden.

Ob das Museum die Voraussetzungen für den Status eines Nationalmuseums erfüllt, mochte man am Dienstag beim Bundesamt für Kultur nicht sagen. «Das ist nicht eine verwaltungstechnische, sondern eine politische Frage», sagte BAK-Sprecher Daniel Menna. (Der Bund)

Erstellt: 16.08.2017, 07:40 Uhr

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