Plötzlich braucht es grössere Schulhäuser

In allen Berner Quartieren werden schon bald mehr Schüler erwartet.

Die offiziellen Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen in der Stadt Bern sprechen eine klare Sprache. Nicht nur die Quartiere Breitenrain und Lorraine werden von einem starken Anstieg der Schülerzahlen betroffen sein. Auch die Schulkreise Mattenhof-Weissenbühl und Länggasse-Felsenau rechnen bis zum Schuljahr 2021/22 mit deutlich mehr Schülern, so die Prognosen von Statistik Stadt Bern (siehe Grafik).

Während im Breitenrain und der Lorraine zusätzlich 298 Primar- und Sek-I-Schüler erwartet werden, soll der Schulkreis Mattenhof-Weissenbühl 399 Schüler mehr aufnehmen. Dies bedeutet für das im Süden gelegene Quartier eine Zunahme von 33 Prozent gegenüber dem Schülerbestand von 2013/14.

Zu kurze Prognosen

Doch steht der Stadt Bern womöglich ein noch stärkerer Anstieg bevor. Die Prognosen von Statistik Stadt Bern erstrecken sich nur über einen Zeitraum von acht Jahren. Dies ist womöglich zu kurz, um eine langfristige Schulraumplanung zu betreiben.

Denn am Donnerstag stoppte der Gemeinderat das bereits planungsfertige Bauprojekt zur Erweiterung der Schulanlage Spitalacker. Die Prognose der Schülerzahlen und eine Analyse des Schulraumbestands im Breitenrainquartier bis 2030, die ein Beratungsunternehmen erstellte, warnen vor einem drohenden Platzmangel. Nun prüft der Gemeinderat, ob Anpassungen – sprich Vergrösserungen – des Bauprojekts Spitalackerschule nötig werden.

Hat sich hier Statistik Stadt Bern bei den Prognosen verschätzt? Nein, sagt Thomas Holzer, Leiter von Statistik Stadt Bern. «Die Abweichung zur Studie des Beratungsunternehmens beträgt maximal fünf Prozent, obwohl unterschiedliche mathematische Modelle verwendet wurden, dies interpretieren wir als Bestätigung unserer Prognosen.» Zudem seien Prognosen «immer mit Unsicherheit behaftet. Sie bauen nämlich auf Regelmässigkeiten auf. Plötzliche grössere Veränderungen können nur schwer prognostiziert werden.»

Steigende Schülerzahlen bedeuten auch mehr Schulraum. Die Stadt Bern reagiert mit Neubauten, provisorischen Lösungen in Form von Modulbauten und dem befristeten Zumieten von Räumlichkeiten. Modulbauten haben für die Stadt den Vorteil, dass sie schneller realisiert werden können als Neubauprojekte oder Sanierungen. Auch in Zürich bevorzugt die Stadtregierung eine solche kurzfristige Lösung.

Die langfristige Prognose zur Entwicklung der Schülerzahlen bis 2030, die bislang nur für die Quartiere Breitenrain und Lorraine vorliegt, könnte auch in anderen Stadtteilen Nachbesserungsbedarf offenlegen. Es besteht also Handlungsbedarf. Der Gemeinderat hat diese Woche mit seinem überraschenden Notstopp in der Spitalackerschule bereits reagiert. Ob es auch für andere Bauprojekte einen sofortigen Marschhalt geben muss, bleibt vorerst ungewiss. Alle Mitarbeiter der Berner Schulraumplanung weilen derzeit in den Ferien.

Der Bund

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