Platznot in Schulen: Ziehen Klassen in Bibliothek ein?

Der Stadtrat fordert eine sorgfältigere Schulraumplanung. Dabei kamen unkonventionelle Ideen auf.

Weil zu wenig Platz im Stadtteil Mattenhof-Weissenbühlvorhanden war, erstellte die Stadt kurzfristig Schulraumprovisorien in Form von zwei Modulbauten.<p class='credit'>(Bild: Valérie Chételat (Symbolbild))</p>

Weil zu wenig Platz im Stadtteil Mattenhof-Weissenbühlvorhanden war, erstellte die Stadt kurzfristig Schulraumprovisorien in Form von zwei Modulbauten.

(Bild: Valérie Chételat (Symbolbild))

Adrian Müller@mueller_adrian

«Wir müssen Tempo zulegen bei der Schaffung von Schulraum»: Gemeinderätin Franziska Teuscher (Grüne) zeigte sich in der gestrigen Stadtratsdebatte zu einem dringlichen Vorstoss über Platznot im Schulkreis Mattenhof-Weissenbühl selbstkritisch. Bereits im «Bund» vom Dienstag hatte sie angekündigt, dass sich für den Schulkreis Kirchenfeld-­Schosshalde der nächste Engpass bei Kindergärten und somit auch Schulen abzeichne. Besonders prekär ist die Lage laut einer Motion von SP-Stadträtin Bettina Stüssi im Laubeggschulhaus. «Dort wird gar geprüft, die Kornhaus-­Bibliothek zu verlegen, um mehr Platz für Schüler zu schaffen.» Stüssi fordert nun, den wegen der knappen Finanzen zurückgestellten Bau der Tagesschule Wyssloch unverzüglich wieder voranzutreiben. Die SP reichte zusätzlich einen Vorstoss ein, der die Schaffung einer Fachstelle für Schulraumplanung ­verlangt.

Wenig Platz wegen Schulmodellen

Für den SVP-Fraktionschef Roland Jakob ist der Platzmangel an den Berner Schulen hausgemacht: Im Pestalozzi-Schulhaus habe es zu wenig Platz, weil das dortige Schulmodell «Mosaik» fast doppelt so viel Raum für den Unterricht benötige. Im Mosaik-Modell besuchen Schüler etwa zur Hälfte alters- und niveau­durchmischte Klassen. «So darf es nicht weitergehen. Die Modellvielfalt in den Schulen muss wieder in geordnete Bahnen geleitet werden», forderte ­Jakob. Die Stadt müsse sich nun «an der Nase nehmen» und zuerst den Schulraum organisieren, bevor neue Schulmodelle eingeführt würden.

Schulen als Standortnachteil

Christoph Zimmerli (FDP) sprach gar von «unhaltbaren Zuständen», die in den Berner Schulen herrschten. «Die Kinder müssen teilweise auf den Gängen lernen.» Das sei für Lehrer wie Schüler nicht zumutbar. Das Beispiel Marzili sei exemplarisch für die ganze Stadt. Die Zustände würden länger denn je zu ­einem Standortnachteil für Bern. So sei es nicht erstaunlich, dass immer mehr vermögende Eltern ihre Schützlinge auf Privatschulen schickten. «Wir müssen Sorge tragen, damit Bern genügend Ressourcen in die Bildung investiert», sagte denn auch Gemeinderätin Teuscher.

Mit ihrem Vorstoss hatte Gisela ­Vollmer (SP) die erneute Debatte über den Schulraummangel angeregt. Bereits vor den Sommerferien kam es im Stadtrat zu einer «Chropfleerete», als das Parlament fast 10 Millionen an Krediten für zusätzlichen Schulraum sprach.

Der Bund

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