Plan zur Rettung der Welt

«Poller»-Kolumnist Martin Erdmann hatte beim Abwaschen wundersame Gedanken.

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Mit guten Ideen ist das immer so eine Sache. Woher soll ich wissen, ob das tatsächlich eine gute Idee ist, die ich habe? Es könnte auch einfach ein unausgegorener Gedanke oder eine überhastete Überlegung sein. Da muss man schon aufpassen, damit das nicht verwechselt wird. Leider gibt es keine international anerkannten Leitfäden, die darüber Auskunft geben würden, was einem im Kopf herumschwirrt. So kann es immer wieder vorkommen, dass qualitativ minderwertige Gedanken für gute Ideen gehalten und in die Realität umgesetzt werden. Missinterpretationen von historischer Bedeutung: Napoleons Russlandfeldzug, die Inbetriebnahme des Kernreaktors Tschernobyl, Vokuhilas.

Über all das musste ich nachdenken, als ich neulich am Spülbecken stand. Denn die Rädchen in meinem Kopf ratterten einem Gedankengang entlang, an dessen Ende ich eine gute Idee vermutete. Ins Rollen gebracht wurde dieser Prozess von einem intensiven Duft. In ihm schwebte die Essenz der Frische, er versprühte die Leichtigkeit des Lebens, entfaltete ein Aroma anstehender Abenteuer – ohne Zweifel eine olfaktorische Epiphanie. Etwas verdattert stellte ich fest, dass der Urheber dieses Gedichts an den Geruchssinn das Spülmittel war. Nicht jenes, das ich sonst verwende. Nicht dieses schmierige Zeug, das sich bei genügend langer Einwirkung wohl auch durch die Böden gusseiserner Pfannen fressen würde und die Haut meiner Hände durch grobes Schleifpapier ersetzt hat.

Nein, es war ein neues Spülmittel. Es schimmerte mir in einer schummrigen Ecke eines Grossverteilers entgegen, als wäre die Plastikflasche mit flüssigem Samt gefüllt. Als würde seine Zusammensetzung auf einer magischen Formel beruhen, verwandelte das Mittel die Beschaffenheit meiner Schleifpapier-Hände in ihren natürlich angedachten Zustand zurück. Spätestens da hievte sich das, was als unausgegorener Gedanke in meinem Gehirn wucherte, über die hohe Hürde, hinter der das Land der guten Ideen liegt: Ich beschloss, mein Duschgel durch dieses Spülmittel zu ersetzen. Nichts sprach dagegen. Das Spülmittel duftet besser und hat meine Hände vor dem baldigen Absterben gerettet. Dazu kommt der ökonomische Aspekt. Weil das Spülmittel 55 Rappen billiger ist und 500 Milliliter mehr fasst, würde ich bei täglichem Gebrauch bis zu meiner Pensionierung 1026 Franken einsparen.

Nun kommt aber das Problem, das gute, wenn nicht sogar grosse Ideen mit sich bringen. Die Menschheit ist für sie oft noch nicht bereit. Denken wir bloss an Van Gogh: in Armut gestorben, weil seine Lebensdauer zu kurz war, um die Menschheit von seinem Ideenreichtum überzeugen zu können. Ich kann seinen Leidensweg nachvollziehen. Denn mir erging es ähnlich, als ich mein Umfeld damit konfrontierte, mich nur noch mit Spülmittel zu duschen. Das Verdikt: Wer für seine Hygiene Seife verwendet, die für Teller vorgesehen ist, kann wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Doch wer so konservativ denkt, dem fehlt die Weitsicht: Durch meine Idee wird eine Bewegung losgetreten, die den Abwasch und die Körperreinigung in einem Vorgang zusammenfasst. So wird Wasser gespart, wodurch die globale Lebensqualität steigt. Vielleicht wird mir postum doch noch die Ehre zugeteilt, die Welt gerettet zu haben.

Martin Erdmann ist «Bund»-Redaktor und plant, demnächst seinen Geschirrspüler als Sauna zu benutzen. (Der Bund)

Erstellt: 09.05.2018, 06:50 Uhr

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