Nur Bümpliz stiess zur Stadt Bern

Vor gut 100 Jahren wurde die Gemeinde Bümpliz eingemeindet. Dabei blieb es. Nicht so in Zürich, wo 20 Gemeinden zur Stadt stiessen.

«Die Zuwanderer, die in der Stadt Bern Arbeit suchten, fanden vor allem in Bümpliz günstigen Wohnraum», sagt Emil Erne, Historiker und Berner Stadtarchivar von 1990 bis 2011.

«Die Zuwanderer, die in der Stadt Bern Arbeit suchten, fanden vor allem in Bümpliz günstigen Wohnraum», sagt Emil Erne, Historiker und Berner Stadtarchivar von 1990 bis 2011. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Schweiz kam es vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts zu Eingemeindungen. Bis dahin waren die Städte territorial und bevölkerungsmässig klein. Mit der Industrialisierung wuchsen sie aber stark an, Arbeitssuchende liessen sich zunehmend in den umliegenden Bauerngemeinden nieder. «Die Zuwanderer, die in der Stadt Bern Arbeit suchten, fanden vor allem in Bümpliz günstigen Wohnraum», sagt Emil Erne, Historiker und Berner Stadtarchivar von 1990 bis 2011. Bald konnte die Gemeinde die ­nötige Infrastruktur nicht mehr stellen. «Damals bezahlte man nicht am Wohnort, sondern am Arbeitsort Steuern. Das Geld ging an die Stadt Bern. Bümpliz verarmte», sagt Erne. Erst 1917 wurde die Regelung durch die heutige ersetzt.

Widerstand aus Muri und Köniz

Laut Erne habe der Kanton Bern Druck auf die Stadt ausgeübt. Diese wiederum stellte sich auf den Standpunkt, nur dann verarmte umliegende Gemeinden einzugemeinden, wenn auch reichere wie Muri und Teile der Gemeinde Köniz dazukämen. So sprachen sich etwa die verarmten Gemeinden Ostermundigen und Bolligen mehrmals für die Eingemeindung aus, diese scheiterte aber am Nein der Gemeinde Muri. Von dort kam erbitterter Widerstand. «Der Gemeinderat von Muri drohte gar den Gang vor Bundesgericht an.» Auch Köniz lehnte die Eingemeindung in «Gross-Bern» ab.

Einzig die Eingemeindung von Bümpliz gelang. Gemäss Historikerin Anne-Marie Dubler begannen die Verhandlungen zwischen der Stadt und Bümpliz bereits 1907. Die Eingemeindung, welcher die Stadt Bern deutlich und Bümpliz fast einhellig – aber gegen den Willen der Bauern – zustimmten, erfolgte 1919. «In der Abstimmungsbotschaft hiess es, Bümpliz sei die erste Etappe zur Arrondierung der Stadt Bern», sagt Erne.

Dass das Projekt weiterer Eingemeindungen letztlich nicht weiterverfolgt wurde, schreibt er einerseits den Folgen des ­Ersten Weltkriegs zu. «Andere Probleme standen plötzlich im Vordergrund», sagt er. Andererseits verbesserte sich die Situation der umliegenden Gemeinden dadurch, dass die Personen neu am Wohn- statt am Arbeitsort besteuert wurden. In den 1950er-Jahren kam schliesslich ein neues Konzept auf. Statt Eingemeindungen strebte man nun eine engere Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden an.

Zürich als Gegenbeispiel zu Bern

Als Gegenbeispiel zu Bern dient die Stadt Zürich. Dort kam es schon 1893 zu Eingemeindungen von elf umliegenden Gemeinden. Die Stadt wuchs weiter an, die Vorortsgemeinden litten unter finanziellen Problemen. 1929 wurde erneut ein Versuch unternommen, weitere Eingemeindungen durch eine kantonale Volksinitiative herbeizuführen. Auch dort wehrten sich die reichen Seegemeinden Kilchberg und Zollikon dagegen, die Landgemeinden fürchteten ein Erstarken des roten Zürich. Als Kompromiss wurde 1931 eine kleine Eingemeindung angenommen, die mit einem innerkantonalen Finanzausgleich gekoppelt war.

Das Thema Eingemeindung – jahrelang ein Tabu – ist laut Erne erst in den letzten Jahren wieder salonfähig geworden. (Der Bund)

Erstellt: 05.09.2014, 11:26 Uhr

Artikel zum Thema

Berns ungeahnte Grösse

Eine Gemeindefusion soll die Region Bern wettbewerbsfähiger machen. Eine Studie zeigt die Vorteile eines Zusammenschlusses auf. Eine Stadt mit 240'000 Einwohnern begeistert nicht alle. Mehr...

Fünf Gemeinden südlich von Bern klären Fusion ab

Fünf Gemeinden südlich von Bern klären in den nächsten Monaten ab, ob es sinnvoll wäre, sich zusammenzuschliessen. Mehr...

Grösste Gemeindefusion im Kanton Bern geglückt

Die Grossfusion von insgesamt acht Gemeinden rund um Fraubrunnen nördlich von Bern ist zustande gekommen Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Blog: Never Mind the Markets Die Heuchelei der G-20

Zum Runden Leder Impressive Ibrox

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Die Welt in Bildern

Spielen im Schnee: Die zwei chinesischen Riesenpandas Chengjiu und Shuanghao geniessen das kalte Wetter im Zoo von Hangzhou (9. Dezember 2018).
Mehr...