Neuer Quartierteil im Wyler geplant

Auf dem Areal der ehemaligen Maschinenfabrik Wifag soll eine Wohnsiedlung entstehen. Die Grundeigentümerin verspricht ein ökologisch und sozial nachhaltiges Projekt.

Blick auf das ehemalige Gebäude der Wifag im Berner Nordquartier.

Blick auf das ehemalige Gebäude der Wifag im Berner Nordquartier. Bild: Raphael Moser

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Wo während über hundert Jahren Druckmaschinen hergestellt wurden, sollen künftig Menschen eine Heimat haben. Die Rede ist vom Stadtberner Wifag-Areal, welches 2010 nach einer schweren strukturellen Krise stillgelegt worden ist. Seitdem wird das Areal von Betrieben aller Art wie Clublokalen, Fitness- und Therapieeinrichtungen zwischengenutzt.

Zwischen der Scheibenstrasse und dem Wylergut soll nun neuer Wohnraum entstehen. Die Grundeigentümerin Mali International AG aus Bern beabsichtigt, das Wifag-Areal zu einem zukunftsorientierten Quartierteil zu entwickeln. Es handelt sich allerdings vorerst bloss um eine Vision der Grundeigentümerin. Ein Drittel der Wohnungen sollen klassische Mietwohnungen sein, ein Drittel Eigentumswohnungen und ein Drittel preisgünstige Wohnungen, erklärten die Eigentümer gestern vor den Medien. Im Erdgeschoss sollen ähnlich wie heute verschiedene Betriebe Platz finden. Man wolle sich an den Bedürfnissen der Wohnbevölkerung im Quartier orientieren.

Ambitioniertes Vorhaben

Das drei Hektar grosse Gelände im Breitenrainquartier beherbergt auch eine Leinenweberei. Ob das Fabrikgebäude abgerissen wird, steht noch nicht fest. Auch wenn es vom Zug aus gesehen keine Augenweide sei, «stiftet sie im Quartier Identität», sagt Ecoptima-Seniorpartner Richard Trachsel, der den Prozess begleitet. Daher möchte man prüfen, ob die Leinenweberei miteinbezogen werden könne. Die Einwohner seien eingeladen, im Juni an einem Werkstattgespräch mit der Stadt und mit Experten ihr Quartier mitzugestalten: «Jetzt besteht die Möglichkeit für die Bevölkerung, sich noch einzubringen.»

Das Projekt verfolgt ehrgeizige Ziele. So soll die Neuüberbauung gleichzeitig in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht nachhaltig sein. Ist dies realistisch? Rolf Bögli, Projektleiter der Mali-Gruppe, sagt: «Es ist ein Spagat.» Im Zentrum stehe eine langfristige Planung, das Wifag-Areal sei «kein Spekulationsobjekt». Zur Inspiration habe die beauftragte Ecoptima Referenzprojekte in anderen Grossstädten wie etwa das Areal Erlenmatt-Ost in Basel oder das Hunziker-Areal in Zürich-Leutschenbach besichtigt.

Ein Drittel günstige Wohnungen

Bögli von der Mali-Gruppe sagt, dass man zur Erreichung der sozialen Nachhaltigkeit einen Drittel der Wohnungen kostengünstig anbieten wolle. «Wir wollen aber noch weitergehen», sagt er. Die Vision umfasse Generationenwohnungen, studentisches Wohnen sowie Wohnungen für Menschen mit Handicap. Damit wolle man eine gute Durchmischung des Quartiers erreichen, so Bögli.

Mit dem bewilligten Bauprojekt kann frühestens im Frühjahr 2022 gerechnet werden. Bevor im Wylerquartier die Bagger auffahren können, muss allerdings das Berner Stimmvolk über die Umzonung des Wifag-Areals abstimmen. (Der Bund)

Erstellt: 20.03.2018, 16:25 Uhr

Stadtentwicklung

Der Name der 1904 gegründeten Aktiengesellschaft «Wifag» setzt sich zusammen aus den Gründernamen Winkler und Fallert sowie Aktiengesellschaft (AG). Die Wifag, welche zuerst mit Zeitungsdruckmaschinen handelte, stellte diese nach kurzer Zeit selber her und entwickelte sich zu einem der grössten Hersteller Europas. Anfang des 21. Jahrhunderts geriet die Druckmaschinenindustrie in eine schwere Krise. 2010 wurde die Fabrik an die Mali-Gruppe von Markus Liebherr veräussert. Als dieser noch im selben Jahr verstarb, wurde der Betrieb endgültig stillgelegt. Heute steht seine Tochter Katharina Liebherr hinter der Mali-Gruppe. Nun will die Grundeigentümerin auf der Parzelle Wohnungen erstellen. Diese liegt im Breitenrainquartier an der Eisenbahnlinie. Bei der SP Stadt Bern zeigt man sich erleichtert, dass sich bei der Quartierentwicklung etwas bewege: «Es war lange unklar, was passiert», sagt SP-Co-Präsident Stefan Jordi. Wichtig ist ihm «ein guter Nutzermix und kostengünstiger Wohnraum». Das sei im Nordquartier wichtig. Dass nun ein Drittel der Wohnungen preisgünstig sein soll, begrüsst er. (gef)

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