Nach Rücktritt von Wyss droht SP Machtverlust

Der Rücktritt von Ursula Wyss stürzt die stärkste Stadtpartei in ein Dilemma: Bleibt die SP bei Rot-Grün-Mitte, könnte sie einen Sitz verlieren.

Das Machtgefüge im Gemeinderat könnte sich verändern – zu Ungusten der SP.

Das Machtgefüge im Gemeinderat könnte sich verändern – zu Ungusten der SP. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Nach dem Verzicht von Gemeinderätin Ursula Wyss auf eine Kandidatur bei den Stadtberner Wahlen 2020 steckt ihre Partei, die SP, in der Zwickmühle. Denn zurzeit deutet alles darauf hin, dass sich die Bürgerlichen – von den Grünliberalen bis zur SVP – zu einer gemeinsamen Liste namens Bürgerlich-Grün-Mitte (BGM) zusammenraufen. Tritt BGM zu den Gemeinderatswahlen an, wird das bürgerliche Lager in der fünfköpfigen Stadtregierung den 2016 verlorenen zweiten Sitz zurückerobern. Für das Mehrheitsbündnis von Rot-Grün-Mitte (RGM) bedeutet das den Verlust eines ihrer gegenwärtig vier Sitze. Da mit Ausnahme von Wyss alle Bisherigen bei RGM wieder antreten, wird wohl die neue SP-Kandidatin leer ausgehen. Oder aber SP-Gemeinderat Michael Aebersold muss über die Klinge springen.

Für die SP wäre es wahlarithmetisch besser, wenn sie nur mit dem GB eine Liste bilden würde – und damit die Grüne Freie Liste (GFL) samt Stadtpräsident Alec von Graffenried fallen liesse. Ein solches Bündnis wäre stark genug, drei Sitze in der Stadtregierung zu erobern, wie Berechnungen des «Bund» zeigen. SP-Co-Präsidentin Edith Siegenthaler hat vor kurzem im «Bund» aber ein Treuegelöbnis zu RGM abgelegt – was parteiintern auf Kritik stiess. Öffentlich sagt aber einzig Juso-Stadtrat Mohamed Abdirahim, dass er es schade finde, «wenn man jetzt schon alternativen Allianzen eine Absage erteilt».

SP-Chefin relativiert ihre Aussage

Siegenthaler weist auf Anfrage darauf hin, dass sich ihre Aussage zu RGM auf den «heutigen Zeitpunkt» bezogen habe. Was die nächsten Jahre bringen, wisse sie nicht. So zweifelt sie etwa am Zustandekommen von BGM und hält die Chancen zur Verteidigung des zweiten SP-Sitzes für intakt. «Bei RGM haben auch neue Kandidierende gute Wahlchancen», sagt sie unter Hinweis auf die Spitzenresultate der einstigen Newcomer Ursula Wyss und Alec von Graffenried. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.11.2018, 06:29 Uhr

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