Mitten ins Festivalherz

Hier landet man nach Konzertende: in den Domes und Partyblöcken. Wo es keine Berührungsängste gibt und der Alkoholpegel einigermassen hoch ist.

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Eines muss man sagen: Die Aussicht auf das Gurtengelände ist formidabel. Dafür würde die umsichtige Zeitgenossin ihren Drink hier kaum unbeaufsichtigt herumstehen lassen. Denn der Bacardi Dome ist der Testosteronbunker des Festivalgeländes, die After-Party dauert hier den ganzen Tag an. Sobald die Musik auf der Hauptbühne ausgeht, darf der DJ hier die Musik richtig aufdrehen, und das kostet er aus auf seiner zwei Meter hohen Kanzel, unter sich die tanzbrünstige Menge.

Wer das Gleichgewicht halten kann, wiegt sich in der Halbhocke durch Chartheuler und Evergreens. Und als plötzlich «Staying Alive» der Bee Gees erklingt, kommt es zum freudigen Wiedersehen mit dem guten alten Discozeigefinger. Hier gibt es keine Berührungsängste, weder was Musikstile noch neue Freundschaften angeht. Die Poklapse gehen hier annähernd so locker von der Hand wie die spontanen Sympathiebezeugungen per High Five.

Wo sich die Dramen bündeln

Derweil erscheint die Situation im benachbarten Parisienne-Block nachgerade entspannt. Natürlich, der Alkoholpegel ist – wie überall auf dem Festivalgelände – einigermassen hoch. Geschenkt auch, dass sich hier all die Dramen des Festivals bündeln: Polterabende werden gefeiert, es wird aus dem Schuh getrunken, Tränen fliessen, die Rauchmaschine hüllt die Tanzenden ein. Der Mix der DJs bewegt hier mehr als so manches Soundsystem, das die regulären Bühnen bespielt.

Das Motto lautet im Vorabendprogramm des Zigarettentempels «Immer weiter»: weitertanzen, weitertrinken – und die Sonnenbrille immerzu weitertragen. Und selbstverständlich ist hier auch der präferierte Unterstand, wenn der Regen einsetzt. Die Schlange zum obligaten Bändelifassen wird länger, Drinks werden herumgereicht, geraucht wird natürlich auch – während die Aussicht auf die Pelerinenparty vor der Hauptbühne immer beeindruckender wird. Kurz, dieser oft geschmähte Rauchblock, der war beim Testbesuch «leider geil».

Irgendwann ist auch das grösste Halligalli zu Ende. Das erleben die Besucher des Bacardi Dome nur zu oft. Unter dem Murren der Meute dreht der DJ die Lautstärke herunter, schliesslich spielen Züri West zum «Blues» auf. Für ein Intermezzo verschiebt sich das Epizentrum des Festivals wieder auf die Hauptbühne.

Der Bund

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