«Mit Kreationismus hat das alles nichts zu tun»

An der Universität wird am Mittwoch eine kleine Bibliothek eingeweiht – für Leute, die gern auf der Grenze zwischen Wissenschaft und Religion surfen.

Hallo, gibt es da draussen sonst noch irgendwo Lebewesen? Diese Frage interessiert auch die Theologen.

Hallo, gibt es da draussen sonst noch irgendwo Lebewesen? Diese Frage interessiert auch die Theologen. Bild: Keystone

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Da und dort dürften die Alarmlämpchen zu glimmen beginnen. «Evolution als Schöpfung»: So ist der Festvortrag überschrieben, mit dem am Mittwoch an der Universität Bern die «Science & Religion Bibliothek» eingeweiht wird. Festredner ist der Schweizer Biologie-Nobelpreisträger Werner Arber, Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Hinter der Veranstaltung stehen das Zentrum für Weltraumforschung und Habitabilität (CSH) der Universität Bern und die theologische Fakultät. Der Begriff Habitabilität steht im Zusammenhang mit der Suche nach fremden Planeten, auf denen Leben möglich ist.

Evolution und Schöpfung: Das ist das Spannungsfeld, in dem sich Kreationisten bewegen, also Leute, die Mühe haben mit der Idee, dass die Entwicklung der Welt ohne Plan erfolgt sein soll, also ohne göttliches Zutun. CSH-Direktorin Kathrin Altwegg, die Physikprofessorin, die letztes Jahr im Zusammenhang mit der Kometenmission Rosetta mehrere Auftritte in der Öffentlichkeit hatte und heute ebenfalls eine kurze Ansprache hält, bringt die Alarmlämpchen rasch zum Erlöschen: «Nein, nein», sagt sie, «mit Kreationismus hat das alles nichts zu tun.» Professor Arber sei ein «Hardcore-Wissenschaftler».

Naturwissenschaftler und Theologen kümmerten sich um verschiedene Dinge, die einen um das «Wie», die anderen um das «Warum». Der Wissenschaft werde es nie gelingen, die Existenz Gottes zu beweisen, und auch nicht, sie zu widerlegen. Deshalb wehre sie sich dagegen, «dass man uns Wissenschaftler in eine Ecke zu stellen versucht».

Ausserirdisches Leben, und dann?

Doch warum dieses Zusammengehen? «Am CSH beschäftigen wir uns letztlich mit der Suche nach ausserirdischem Leben», sagt Altwegg. Sollte sich dereinst herausstellen, «dass wir nicht allein sind im Weltraum», hätte dies Auswirkungen auf das Selbstverständnis des Menschen. Ethische oder religiöse Fragen erhielten eine neue Dimension. Deshalb arbeite das CSH bereits seit einiger Zeit mit Wissenschaftlern aus anderen Fachgebieten zusammen.

Zum Beispiel mit dem evangelischen Theologen Andreas Losch; er ist der theologischen Fakultät angegliedert, seine Stelle ist aber CSH-finanziert. Anfang Jahr bereits hatte er eine fachübergreifende Tagung organisiert mit dem Titel «What Is Life?». Losch spielt auch bei der neuen Bibliothek eine wichtige Rolle. Bei der Beschaffung der rund 250 Bücher habe man sich zu einem grossen Teil an den Empfehlungen der International Society for Science and Religion (ISSR) orientiert, sagt er. Dies sei eine Gesellschaft von renommierten Theologen und theologisch interessierten Wissenschaftlern, «die sich eindeutig gegen den Kreationismus positioniert hat». Gestiftet wurde die Bibliothek, die Fachliteratur im Wert von mehreren Tausend Franken enthält, von der Berner Theologieprofessorin Magdalene Frettlöh. Sie hat das Geld aus Berufungsmitteln zur Verfügung gestellt.

Evolution und Schöpfung nicht im Widerspruch

Es sei «keine Frage, dass die Evolution eine Tatsache ist», sagt Andreas Losch. Oft höre man, Evolution und göttliche Schöpfung seien Alternativen und man könne nur das eine oder das andere annehmen. «Beide Vorstellungen lassen sich aber auch zusammendenken», sagt Losch, «ohne dabei den Evolutionsbiologen auf kreationistische Weise ins Handwerk zu reden.» Dies entspreche auch der «eindeutigen Mehrheitsposition in der europäischen Öffentlichkeit.» Wenn das Leben und das ganze Universum den Gesetzen der Evolution folge, «muss die Theologie das akzeptieren und gegebenenfalls zu deuten versuchen», sagt er. Genau diese Vereinbarkeit von naturwissenschaftlicher Evolutionstheorie und einer theologischen Deutung derselben sei das Thema des Vortrags von Werner Arber. (Der Bund)

Erstellt: 09.12.2015, 07:11 Uhr

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