Der Biber hat das Marzili in Beschlag genommen

Die Stadt versucht mit Drahtzäunen, die Biber von den Bäumen im Berner Marzili fernzuhalten. Denn der Hunger der Nager wächst.

Im Marzili schützen neu Drahtzäune Bäume vor gefrässigen Bibern.

Im Marzili schützen neu Drahtzäune Bäume vor gefrässigen Bibern.

(Bild: Adrian Moser)

Adrian Müller@mueller_adrian

Aufmerksamen Spaziergängern sticht es sofort ins Auge: Seit einigen Tagen sind praktisch alle Bäume auf der Liegewiese des Marzilibads eingezäunt. An jeweils vier Posten ist ein 1,20 Meter hoher Maschendrahtzaun montiert. «Wir versuchen mit dieser neuen Methode, die Bäume vor den hungrigen Bibern zu schützen», sagt Christoph Schärer, Leiter Stadtgrün Bern, auf Anfrage.

Denn die Anzahl der Nager im Gebiet des Marzilibads steigt weiter an – zumindest temporär: Heuer ist die Biber-Familie im Marzili um zwei Jungtiere angewachsen.

Im Video sieht man sie beim Balgen:

«Es müssen inzwischen fünf Mäuler gestopft werden», sagt Christof Angst, Leiter der Schweizer Biberfachstelle.

Marzili unter Druck

Im Winterhalbjahr machen die Tiere weniger grosse Ausflüge, um Nahrung zu suchen – dementsprechend steigt der Druck auf die Bäume in der näheren Umgebung des Biberbaus im verlandeten Männerbad. Das bekommen die Bäume buchstäblich zu spüren. Am Dienstag musste die Feuerwehr eine Erle entfernen, die durch Sturmwinde und kräftigen Biberfrass stark geschwächt war.

«Die Tiere bewegen sich bis 150 Meter von der Aare weg, um Nahrung zu suchen», erklärt Schärer. Daher seien nicht nur die Bäume am unmittelbaren Aareufer beim Marzili eingezäunt worden. In den vergangen Jahren seien die Bäume mit direkt an der Baumrinde montierten Draht vor den Nagern geschützt worden. Das Geflecht müsse so aber regelmässig kontrolliert werden, damit es nicht einwachse. Mit Argusaugen beobachtet auch Beat Wüthrich die tierischen Bewohner im Marzili. «Für uns ist einfach wichtig, dass die Schatten spendenden Bäume stehen blieben und nicht im Frühling plötzlich alles platt ist», sagt der Anlagenchef des Marzilibads.

Nager suchen sich neue Reviere

Die Biber haben sich in den letzten Jahren am Berner Aareufer ausgebreitet. 2008 lebte noch kein einziger von ihnen dauerhaft in Bern – heute zählt die Biberfachstelle rund 30 Nager in Biberburgen in den Gebieten Marzili, Zehendermätteli, Halenbrücke, Hasli, Eymatt und Gäbelbach. «Alle Reviere sind besetzt», sagt Angst. Die Zahl der Biber werde insgesamt nicht weiter ansteigen. Das erste Jungtier im Marzili werde sich demnächst ein neues Plätzchen suchen müssen. «Entweder geht es von selbst, oder es wird von den Eltern verjagt.» Ein Biberrevier umfasst eine Uferlänge von zwei bis drei Kilometern. Die Tiere dulden keine Eindringlinge. «Wollen sich andere Biber dort einnisten, bringen sich die Biber um. So kontrolliert sich die Population von selbst», sagt Angst.

Die Nager müssen sich ausserhalb des Stadtbodens nach neuen Revieren umsehen. Biber haben sich daher etwa im Krebsbach in Zollikofen oder im Gäbelbachtal niedergelassen. «Dort können junge Biber ihre eigene Familie gründen», sagt Schärer von Stadtgrün Bern.

Biberboom dank Hochwasser

Die Ausbreitung der Biber in Bern ist auf zwei Ereignisse zurückzuführen: Einst wegen des dichten Fells und des Fleisches ausgerottet, wurden ab den 1950er-Jahren wieder Biber in der Schweiz ausgesetzt, die sich auch im Kanton Bern niederliessen. Zu ihnen gesellte sich 1999 ein Biberpaar, das während eines Hochwassers aus dem Tierpark Dählhölzli ausgebrochen war. 2005 tat es ein Weibchen den beiden Ausreissern gleich.

Der Biber vor beeindruckender Kulisse:

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt