Mäzen Wyss lässt dem Kunstmuseum Luft für Neuplanung

Milliardär Hansjörg Wyss will dem Kunstmuseum Bern Millionen schenken – neu ohne Bedingungen.

Unternehmer und Mäzen Hansjörg Wyss.

Unternehmer und Mäzen Hansjörg Wyss. Bild: Franziska Scheidegger

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Überraschende Wende im Erweiterungsprojekt des Berner Kunstmuseums: Der Kunstmäzen Hansjörg Wyss zeigt sich bereit, für einen Erweiterungsbau 20 Millionen zu bezahlen — ohne Forderungen zu stellen. Letztes Jahr hatte es noch anders getönt: «Ich bin bereit, der Stadt 20 Millionen Franken zur Verfügung zu stellen, falls das preisgekrönte Projekt aus dem Jahr 2006 wieder zum Leben erweckt wird», sagte der 82-Jährige zur «Berner Zeitung». Nun will er auf diese Vorgabe verzichten.

«In mehreren Gesprächen und einem Workshop mit Hansjörg Wyss, der Stadt Bern, einer Vertretung der Architekturverbände und dem Kunstmuseum haben wir gemeinsam entschieden, nochmals anzuschauen, was für Optionen für die Erweiterung des Kunstmuseums infrage kommen», sagt Erziehungsdirektor Bernhard Pulver. Wyss habe nicht überredet werden müssen, dass auch andere Möglichkeiten für eine Erweiterung des Kunsthauses infrage kommen könnten, sagt Pulver.

Gibt es einen Wettbewerb?

Darum soll jetzt von Bauleuten ein Konzept erarbeitet werden, welches verschiedene Varianten für eine Erweiterung abklärt. Dafür hat die Erziehungsdirektion bereits einen fünfstelligen Kredit in Aussicht gestellt, bestätigt Pulver. Es liege in seiner Kompetenz, diesen Betrag zu sprechen.

Die bisher noch nicht bestimmten Experten sollten sich mit Fragen nach Raumbedarf des Museums oder den Überarbeitungsmöglichkeiten des ehemaligen Siegerprojektes «an_gebaut» beschäftigen, sagt Pulver. Ganz vom Tisch ist das einstige Projekt also nicht. Erst wenn die Machbarkeitsstudie erarbeitet ist, soll über die nächsten Schritte entschieden werden, etwa ob wieder ein Wettbewerb ausgeschrieben werden soll. «Wir arbeiten in dieser Frage eng mit den Architektenverbänden zusammen», sagt Pulver. Die Architekturszene hatte gegen die Vergabe des 40-Millionen-Projekts zur Sanierung des Kunstmuseums ohne Ausschreibung protestiert, woraufhin das Museum zurückkrebste. Jetzt will man die Architekten mit im Boot haben und bezieht sie in die Gespräche mit ein.

Der Mäzen Hansjörg Wyss bestätigt auf Anfrage, dass er in den letzten Wochen in Bern war. Er gab sich aber äusserst zurückhaltend in Bezug auf sein Engagement für das Kunstmuseum – er sprach lieber über die Zahnbehandlung, die er an den Zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern genossen habe. Auch die anderen Gesprächsteilnehmer wollen sich nicht zur Sache äussern, zu delikat scheint die Angelegenheit. Weder der Stadtpräsident Alec von Graffenried noch das Kunstmuseum wollten zum Stand der Gespräche Auskunft geben.

Denkmalpflege stellte sich quer

«an_gebaut» heisst das einstige Siegerprojekt des Basler Architekten Cédric Bachelard. Dieses sah den Bau eines grosszügigen Betonkubus an der Rückseite des Kunstmuseums vor und hat damit im Jahr 2006 den Projektwettbewerb gewonnen.

Doch das Kunstmuseum liess das Projekt fallen, nachdem sich die Denkmalpflege gegen den Bau ausgesprochen hatte. Der damalige Denkmalpfleger störte sich daran, dass die Rückseite des Stettler-Baus verdeckt würde. Später zeigte Wyss sich bereit, das zweitrangierte Projekt «Scala» der Tessiner Architekten zu unterstützen. Bekanntlich wurde aber dieses Projekt nie realisiert. Die Museumsleitung bemerkte, dass das Projekt 25 Millionen Franken mehr als angenommen kosten würde. Mäzen Wyss zog sich daraufhin verärgert zurück. Die Vergrösserung der Ausstellungsfläche für Gegenwartskunst ist daher seit vielen Jahren auf Eis gelegt.

Hodlerstrasse aufwerten

Verwunderlich wäre es nun gewesen, wenn man jetzt das alte Projekt wieder aus der Schublade gezogen hätte. Warum hätte das Bauprojekt diesmal bei der Denkmalpflege durchkommen sollen? Ausserdem ist der Raumbedarf des Museums nicht mehr der gleiche, seit die Gurlitt- und die Hahnloser-Sammlung dazugekommen sind. Weiter sind auch das Kunsthistorische Institut der Universität Bern und das Kino Kunstmuseum aus den Räumen des Museums ausgezogen, weshalb heute andere Bedingungen vorliegen als 2006.

Zudem ist das Kunstmuseum in einer gemeinsamen Dachstiftung mit dem Zentrum Paul Klee vereint, weshalb immer wieder die Idee im Raum stand, den Südhügel des Zentrum Paul Klee als Ausstellungsraum umzunutzen. Doch diese Idee steht bei den jetzigen Gesprächen nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen könnte jetzt die ganze Hodlerstrasse vermehrt ins Auge der Planer rücken. Auch im Zuge der autofreien Schützenmatte wird die Aufwertung der Hodlerstrasse zu einem Boulevard immer wieder ins Spiel gebracht. Auch das Nutzungskonzept für den Raum Schützenmatte sieht vor, die Hodlerstrasse aufzuwerten. (Der Bund)

Erstellt: 29.01.2018, 06:45 Uhr

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