Märkis Lohn bleibt geheim

Der Intendant des grössten Kulturhauses des Kantons, Stephan Märki, bekommt trotz Rücktritt noch monatelang Lohn. Wie viel ist unbekannt - es gibt bloss Schätzungen.

Wieviel Lohn erhält Stephan Märki?

Wieviel Lohn erhält Stephan Märki? Bild: Adrian Moser

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Am Freitag ist der Intendant von Konzert Theater Bern (KTB), Stephan Märki, per sofort von seinem Posten zurückgetreten. Das Gleiche gilt für seine Freundin, die Kommunikationsleiterin Sophie-Thérèse Krempl.

Beide haben eine Aufhebungsvereinbarung unterschrieben, sind also nicht mehr für KTB in ihrer Position tätig. Während Märki aber noch bis Ende April 2019 Lohn ausbezahlt wird, erhält seine Freundin nur noch sechs Monate Gehalt.

Die Frage bleibt: Warum bekommt er länger Geld ausbezahlt, wenn der Grund für den Rücktritt ihre gemeinsame und lange verheimlichte Beziehung ist? Krempl habe eine sechsmonatige Kündigungsfrist, so lange erhalte sie auch noch ihren Lohn, heisst es beim Stiftungsrat auf Anfrage. Märki dagegen hatte einen Vertrag, der noch 36 Monate gültig war.

Es ist anzunehmen, dass er eine fristlose Kündigung gerichtlich angefochten hätte. «Das hätte kostenintensiv werden können», sagt Stiftungsrat Marcel Brülhart auf Anfrage. Deshalb habe man sich mit Märki auf die Fortzahlung von neun Monatslöhnen geeinigt.

Transparenz gefordert

Wie viel Geld Märki weiterhin erhält, ist unbekannt. Es war zwar der Stiftungsrat, der bei der Absetzung vom Intendanten forderte, dass es «mehr Transparenz» brauche. Damit meinte er aber nicht Lohntransparenz. Denn das Einkommen des Intendanten wird nicht offen gelegt - zum Unmut einiger Politiker.

Es gibt Stimmen, die behaupten, Märki verdiene mehr als der Stadtpräsident. Auf 300'000 Franken jährlich schätzen kulturnahe Kreise das Gehalt des Intendanten. Den GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer interessiert es persönlich wenig, wie viel der Intendant genau verdient. «Aber als Politiker und Steuerzahler will ich wissen, ob es bei KTB zu Lohnexzessen kommt.»

Deshalb haben Widmer und seine Fraktion 2016 im Stadtrat einen Vorstoss eingereicht, in dem unter anderem eine neue Transparenz-Regelung im Leistungsvertrag mit Konzert Theater Bern gefordert wird. Der Gemeinderat hat das Postulat für erheblich erklärt.

Auch CVP-Stadträtin Milena Daphinoff forderte bereits mehr Transparenz am Berner Theater, etwa am Podium «Bund im Gespräch». «Würde man den Lohn des Intendanten offenlegen, wäre das ein Zeichen gegen aussen», sagt sie.

Daphinoff stört sich aber daran, dass der Stiftungsrat womöglich einen Gerichtsentscheid umgehen wollte und Märki lieber neun Monate lang weiter bezahlt: «Es wirkt, als wollte der Stiftungsrat den Vorfall möglichst schnell ad acta legen.» Wenn Märki aber gegen die Geschäftsordnung des Stadttheaters verstossen habe, wie das gemutmasst werde, dann müsse eine fristlose Kündigung ausgesprochen werden, denn «es geht um viel Geld».

Auch in Zürich schweigt man

Während sonst bei staatsnahen Betrieben die Entschädigungen der Führungskräfte in den meisten Fällen publiziert werden müssen, bleiben sie in Kulturbetrieben oft geheim. Nur beim Zürcher Opernhaus-Direktor Alexander Pereira wurde vor einigen Jahren bekannt, dass er dank einem Bonussystem bei der Akquise von Sponsoringgeldern ein Jahreseinkommen von über einer Million Franken generierte. Doch auch der Lohnbetrag der aktuellen Schauspielhaus-Intendantin Barbara Frey ist der Öffentlichkeit unbekannt.

Noch im Wahlkampf schrieb Stadtpräsident Alec von Graffenried in einer Umfrage der Berner Kulturveranstalter, dass die Offenlegung der Kaderlöhne bei subventionierten Kultureinrichtungen eine Selbstverständlichkeit und nicht der Rede wert sei. Er war gestern für den «Bund» nicht erreichbar. (Der Bund)

Erstellt: 10.07.2018, 07:10 Uhr

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