Lichterlöschen bei der Bern-Show

Seit 16 Jahren präsentiert sich die Stadt im Tramdepot für die Touristen mit einem Kurzfilm. Damit ist nun Schluss. Bern Tourismus fehlt das Geld.

Kein Publikumsmagnet mehr, sondern ein Auslaufmodell: Die Bern-Show für Touristinnen und Touristen im Tramdepot beim Bärengraben.

Kein Publikumsmagnet mehr, sondern ein Auslaufmodell: Die Bern-Show für Touristinnen und Touristen im Tramdepot beim Bärengraben.

(Bild: Manu Friederich)

Die Bern-Show beim Tramdepot war einst Touristenmagnet. Das Mini-Kino beim Bärengraben zeigt den Touristen in einem 20-minütigen Kurzfilm die schönsten Seiten der Stadt Bern – und soll Lust auf mehr machen. Die Show war lange wichtiger Ausgangspunkt für die Bundesstadttouristen, die carweise beim Bärenpark ankommen. Vor acht Jahren hat der Verein Bern Tourismus (BET) dank finanzieller Unterstützung der Burgergemeinde die veraltete Dia-Show auf DVD-Technik umgerüstet. Mit Erfolg: Nach der Erneuerung zählte Bern Tourismus 43 000 Besucherinnen und Besucher – also rund jeder zwanzigste die Stadt besuchende Tourist.

Veraltete Inhalte

In den letzten Jahren serbelte das Angebot zunehmend dahin. 2013 besuchten es nur noch jeder hundertste Tourist, knapp 9000 Personen. Grund für den Rückgang dürfte unter anderem die im Jahr 2009 erfolgte Einführung eines Eintrittspreises von drei Franken sein. Nun stellt Bern Tourismus die Show auf Mitte 2015 ab, wie Michael Keller, Vizedirektor von Bern Tourismus, auf Anfrage bestätigt, dies nach 16 Jahren. «Leider fehlt für eine Erneuerung das Geld», sagt Keller. Zu machen gäbe es einiges. Die Präsentationstechnik ist in die Jahre gekommen und deshalb aufwendig im Unterhalt. Auch der Inhalt des Kurzfilmes müsste überholt werden. Der Sprecher, mit dem seinerzeit die Texte aufgenommen wurden, ist inzwischen verstorben. Hinzu kommt laut Keller, dass sich die Gäste heute kaum mehr 20 Minuten Zeit nähmen, um einen Film anzuschauen.

Mäusemuseum als Attraktion?

Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) sagt, der Entscheid, die Bern-Show aufzugeben, sei richtig. «Die DVD-Präsentation ist im Zeitalter von Highspeed-Internet nicht mehr zeitgemäss.» Im Gemeinderat sei der Filmstopp am Rande Thema gewesen. Es habe keine Einwände dagegen gegeben.

Das Alte Tramdepot gehört der Stadt Bern. Deshalb stelle sich jetzt die Frage, wie der dort frei werdenden Raum anderweitig genutzt werden könnte, sagt Tschäppät. Er verstehe, dass das Restaurant den Raum gerne für die Ausweitung der Kühlräume und WC-Anlagen beanspruchen wolle. Aber im Unterschied zu BET-Vizepräsident Keller möchte Tschäppät zumindest einen Teil der Innenräume weiter für touristische Einrichtungen nutzen. «Gerade im Winter, wenn die Bären schlafen, muss man den Touristen eine Alternative bieten.» Eine witzige Idee fände Tschäppät, die ehemalige Mäuseausstellung des Naturhistorischen Museums im Tramdepot zu zeigen.

Oder ein Winterwunderland?

Wenig angetan von der Idee einer Mäuseausstellung ist FDP-Stadtrat Mario Imhof. Zwar möchte auch er den Wintertouristen etwas mehr bieten als einen leeren Bärenpark. Nur weil das Geld fehle, könne man nicht einfach gar nichts machen. «Warum nicht gebrauchte Multimedia-Terminals irgendwo günstig auftreiben und im überhöhten Budget der neuen Webseite der Stadt aufnehmen?», fragt Imhof. Für den Initiator der Kunsteisbahn auf dem Bundesplatz ist die Situation ein Sinnbild dafür, wie es in Bern um den Tourismus steht. Es brauche mehr Mut und grössere Visionen statt des kleinkarierten Denkens bei der Stadt- und Raumplanung. Dort sehe man immer zuerst die Probleme. Stattdessen sollte man aus der Stadt ein Winterzauberland gestalten.

«Die Begegnungszonen sollen durch reine Fussgängerzonen ersetzt werden und der öffentliche Verkehr aus den Altstadtgassen verbannt und durch eine unterirdische Schnellbahn ersetzt werden», sagt Imhof. In der Stadt fehle es an provokativen Ideen und Visionen.

Tschäppät sagt, dass sich die Stadt für Touristen bereits attraktiv präsentiere. Damit sei schon sehr viel getan. «Bern will keinen Massentourismus und Billighotels mit niedriger Wertschöpfung.» Bern solle sich von anderen Städten abheben. Die steigenden Übernachtungszahlen zeigten, dass man damit Erfolg habe. 2013 gab es gemäss Bern Tourismus rund 710 000 Übernachtungen, ein neuer Rekord. Im Vergleich mit anderen Schweizer Städten liegt Bern mit diesem Wert auf den hinteren Rängen.

Der Bund

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