Kunden kritisieren Skywork-Service

Kunden sagen, Skywork agiere manchmal nicht sehr geschickt, wenn Flüge abgesagt oder verschoben werden müssten.

Die Berner Fluggesellschaft Skywork mutet ihren Kunden einiges zu, wenn Flüge verschoben oder abgesagt werden.

Die Berner Fluggesellschaft Skywork mutet ihren Kunden einiges zu, wenn Flüge verschoben oder abgesagt werden. Bild: Adrian Moser

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Andreas Herbst aus Bern wirkt leicht verstimmt: Neulich flog er mit der Berner Fluggesellschaft Skywork ab Belp nach Wien. Weil ihm mitgeteilt wurde, der Rückflug werde vier Stunden vorverschoben, musste er zwei Termine absagen.

Schliesslich aber hob das Flugzeug noch viel später ab als ursprünglich geplant. Herbst liess Skywork wissen, er sei unhöflich und falsch informiert worden. Aus dem E-Mail-Verkehr, der sich in der Folge entspann, geht hervor, dass verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt hatten: das Wetter, eine verspätete Maschine, fehlende Ersatzmaschinen und ein unplanmässiger technischer Check.

Es geht daraus auch hervor, dass Herbst die «2 Getränkegutscheine für einen zukünftigen Skywork-Airlines-Flug» als Entschädigung nicht als angemessen empfand, dass er die Rückerstattung des Flugpreises forderte, dass aber Skywork diesen Anspruch mit Verweis auf die Gepflogenheiten in der europäischen Zivilluftfahrt nicht erfüllen wollte.

«Aber wenn sie es nicht können . . .»

Eigentlich würde er als Berner sehr gern ab Bern fliegen, sagt Herbst dem «Bund» und kommt ins Schwärmen: «Zwanzig Minuten Transfer von meinem Haus zum Flugplatz, und dann anderthalb Stunden später Ankunft an der gewählten Destination» – dafür sei er ja auch bereit, mehr zu bezahlen.

«Aber wenn sie es nicht können . . .» Auch dem Berner Tourismus wäre eine bessere Dienstleistung dienlich, und schliesslich: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Fall ein Einzelfall ist.»

Damit hat er recht. Am vorletzten Samstagabend musste Skywork einen Flug nach Ibiza aufgrund von technischen Problemen streichen. Dafür hätte er an und für sich noch Verständnis aufgebracht, sagt Markus Ehinger, Redaktionsleiter des «Berner Bärs», der diesen Flug gebucht hatte.

Die Alternative, die Skywork anbot, überzeugte ihn aber nicht: Am Sonntag frühmorgendliche Busfahrt nach Genf, Flug nach Barcelona, sechseinhalb Stunden Aufenthalt, Weiterflug nach Ibiza. Über 13 Stunden Reisezeit waren ihm zu viel.

Zusammen mit anderen Passagieren buchte er für den Sonntagnachmittag selber einen Ersatzflug ab Zürich – und kam fast zur gleichen Zeit am Ziel an, wie wenn er die Alternative in Anspruch genommen hätte.

Das Geld ist ihm zurückerstattet worden. Auch Ehinger sagt, es wäre ja eigentlich «extrem schön», als Berner ab Belp fliegen zu können. Wenn man aber nie sicher sei, ob es dann auch klappe, sei das ein Wermutstropfen. Insbesondere Geschäftsleute müssten sich auf Flugpläne verlassen können.

Nachteile auf kleinen Flugplätzen

Skywork-Sprecherin Karin Münger sagt, sie habe volles Verständnis dafür, wenn Berner Kunden, die von kurzen Wegen profitieren möchten und dann nicht von Belp abfliegen könnten, unzufrieden seien. Vorfälle wie die geschilderten hielten sich zahlenmässig aber in engen Grenzen.

Im Grossen und Ganzen reagierten die Kunden mit Verständnis. «Ganz generell» müsse man im Fluggeschäft immer damit rechnen, dass ein Flugzeug verspätet sei oder gar nicht starten könne, sagt Münger.

Im Umgang mit Problemen seien Fluggesellschaften, die von grossen Drehkreuzen aus operierten, zudem im Vorteil.Für sie sei es einfacher, Alternativen zu finden und Kunden auf andere Flüge umzubuchen.

Wie viele Flugausfälle Skywork in den letzten Monaten zu verzeichnen hatte, gibt die Firma nicht bekannt. Weil solche Vorfälle unterschiedliche, mitunter von Skywork unbeeinflussbare Gründe hätten, würden keine Zahlen kommuniziert.

Münger räumt ein, dass es in den letzten Monaten «erheblich» einfacher gewesen wäre, auf solche Probleme zu reagieren, wenn die beiden Flugzeuge des Typs 2000 zur Verfügung gestanden hätten.

Diese Maschinen hätten Anfang Mai ausgeliefert werden sollen. Münger sagte, Ende Woche werde man mit grosser Wahrscheinlichkeit wissen, wann das erste der beiden Flugzeuge in Dienst genommen werde. Dann werde auch informiert.

Auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) führt keine Statistiken über Flugannullierungen oder die Pünktlichkeit von einzelnen Gesellschaften. Unzufriedene Passagiere, die sich von einer Fluggesellschaft ungerecht behandelt fühlen, können sich aber beim Bazl melden. Die Zahl solcher Meldungen sei im Zusammenhang mit Skywork nicht angestiegen, heisst es dort. (Der Bund)

Erstellt: 28.06.2016, 23:24 Uhr

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