«Kollywood» rettet Kino Alhambra

Das Berner Kino Alhambra hat einen neuen Betreiber. Ein Tamile aus Solothurn will dort schon ab nächster Woche Blockbuster und tamilische Filme zeigen.

Nächste Woche wird das Alhambra bereits wieder öffnen: Der Betreiber Kirithas Balasubramaniam.

Nächste Woche wird das Alhambra bereits wieder öffnen: Der Betreiber Kirithas Balasubramaniam. Bild: Franziska Rothenbühler

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Für Kinofreunde gibt es Hoffnung: Wohl können sie sich in der Berner Innenstadt auch in Zukunft Blockbuster-Filme anschauen. Das Kino Alhambra nahe dem Hirschengraben hat einen neuen Mieter, der bereits ab morgen in einer Woche die Tore wieder täglich öffnen will. Dies berichtet Radio Energy Bern. Die Kinobetreiberin Kitag hat das Alhambra erst vor kurzem geschlossen, weil ihre Kinos in der Innenstadt immer weniger Gewinn abwerfen. Bis Ende 2019 will sie sich komplett aus der Innenstadt zurückziehen. Dafür eröffnet sie in fünf Wochen an der Autobahn in Muri ein modernes Multiplex-Kino.

Wer ist der Mann, der alleine schaffen will, was die grosse Kinokette für unmöglich hält? Es ist Kirithas Balasubramaniam, 1983 geboren in Sri Lanka, seit fast 30 Jahren zu Hause in Grenchen. Er versucht sich dort bereits seit einigen Jahren als Kinobetreiber: Alle paar Wochen mietet er das Kino Rex oder das Kino Palace und zeigt einen tamilischen Film. Im Alhambra will er das nun im grösseren Stil weiterführen. Zugleich will er mit Blockbustern, Action- und Disneyfilmen auch das bisherige Alhambra-Publikum weiter ins zentral gelegene Kino locken.

Grosse Nachfrage erwartet

Balasubramaniam hofft, dem negativen Trend standhalten zu können. Junge Kinogänger fahren immer öfter mit dem Auto ins Pathé Westside, wo sie für weniger als einen Franken parkieren können. Der Berner Immobilienspezialist Alain Chaney äusserte kürzlich die Befürchtung, dass durch die Shoppingmalls und die Multiplexkinos am Stadtrand die Innenstädte «Geisterstädte» werden könnten.

Der neue Alhambra-Betreiber hat den Grossteil seines Lebens in der Schweiz verbracht, doch seine tamilischen Wurzeln prägen ihn bis heute. Während vier Jahren hat der gelernte Carosseriespengler in Grenchen einen tamilischen Lebensmittelladen geführt und mit einem Freund eine tamilische Cricket-Mannschaft gegründet.

Nun möchte er auch die innovative tamilische Filmindustrie einem grösseren Publikum in der Schweiz zugänglich machen. Entwickelt hat diese sich in der südindischen tamilsprachigen Stadt Chennai. In Anlehnung an Hollywood und das indische Bollywood wird die im Stadtviertel Kodambakkam entstandene Filmindustrie «Kollywood» genannt. Er habe in Grenchen eine grosse Nachfrage nach diesen Filmen gespürt, sagt Balasubramaniam. In einer grossen Stadt wie Bern werde diese noch viel grösser sein.

Tamilen unter sich

In den 1980er-Jahren sind Tausende Tamilien vor dem Bürgerkrieg in die Schweiz geflüchtet. Die tamilische Gemeinde in der Schweiz gehört zu den grössten hinter jenen in Kanada, Deutschland und Grossbritannien. Es gibt etwa 50 000 Schweizer mit tamilischer Herkunft in der Schweiz. Sie werden heute als gut angepasst eingestuft. Ihre Integration wurde gefördert, da sie sich einen Ruf als gute Arbeitskräfte erarbeitet haben.

Voll integriert sind sie aber nicht. Viele halten an ihren Traditionen fest, auch wenn sie keine Absicht haben, nach Sri Lanka zurückzukehren. Die meisten Eheschliessungen erfolgen unter Tamilen der gleichen sozialen Kaste. «Sogar für die, die seit 20 Jahren hier leben, gelten Alkoholkonsum, Scheidungen und Sex ausserhalb der Ehe als unmoralisch», wird die Ethnologin Damaris Lüthi in einem Artikel auf der Onlineplattform Swissinfo zitiert. Eheschliessungen zwischen tamilischen und schweizerischen Personen seien noch immer sehr selten. In Bern gibt es seit 1994 einen Verein für tamilische Religion und Kultur, den Verein Sivanerikoodam am Europaplatz.

«Eines der schönsten Kinos»

Balasubramaniam glaubt, dass er mit seinem Kinokonzept eine Chance hat, gerade weil momentan viele Kinos in der Innenstadt schliessen. «Das Alhambra ist mit 400 Sitzplätzen eines der grössten und schönsten Kinos in Bern.» Vor zwei Monaten habe er daher bei der Kinobesitzerin Hotel National einen Mietvertrag unterzeichnet. Beim National heisst es auf Anfrage, dass es noch weitere Interessenten für das Kino gegeben habe und man nicht lange einen Nachmieter habe suchen müssen. Die Miete bleibe gleich hoch wie bisher.

Mitarbeiter einstellen könne er zu Beginn nicht, sagt Balasubramaniam. Er werde den Betrieb fast alleine stemmen müssen: Tickets und Popcorn verkaufen, nach der Vorstellung den Saal reinigen. «Wenn es gut läuft, können wir in einem halben Jahr Mitarbeiter einstellen.» (Der Bund)

Erstellt: 27.02.2018, 20:54 Uhr

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