Kitag macht Kino Royal noch dieses Jahr dicht

Das Kinosterben in Bern geht weiter: Ende 2016 schliesst das Mainstream-Kino im City-West. Dem Besitzer schwebt vor, aus dem Lokal eine Markthalle zu machen.

Die Tage des Kino Royals sind gezählt.

Die Tage des Kino Royals sind gezählt. Bild: Franziska Rothenbühler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach 57 Jahren gehen im Kino Royal an der Laupenstrasse 4 die Lichter aus: Wie «Bund»-Recherchen zeigen, macht das Filmtheater der Kitag-Kette Ende 2016 seine Türen für immer zu. «Es tut weh, ein Kino zu schliessen», sagt Kitag-Chef Philippe Täschler dazu. Doch Entlassungen werde es nicht geben, die Mitarbeitenden würden in anderen Kinos beschäftigt.

1000 Sitzplätze fallen weg

Mit dem Royal verschwindet bereits das dritte Innenstadt-Kino der Kitag innert kurzer Zeit. Im Februar 2015 trat die Swisscom-Tochtergesellschaft das Kino Rex an der Schwanengasse ab, das nun als Kulturkino weiterläuft. Vor wenigen Monaten wurde bekannt, dass die Kitag das Capitol – und damit den grössten Kino­saal Berns – per Ende 2017 dichtmacht. Die Konkurrenz durch Multiplex-Kinos ist offensichtlich zu gross. Täschler hatte kürzlich angetönt, dass Ein- und Zweisaalkinos der Kitag in den Innenstädten «bald der Vergangenheit ­angehören».

In Bern fallen etwa das ­Alhambra, Splendid oder Gotthard in diese Kategorie. Sind demnächst weitere Schliessungen geplant? «Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen», so Täschler. Klar ist: Mit dem Capitol, dem Rex und dem Royal verschwinden alleine bei der Kitag 1000 Kinositzplätze in der Innenstadt. «Sehr bedauerlich» nennt darum Stadtpräsident Alexander Tschäppät die Schliessung des Royal. «Das Kinosterben in Bern ist langsam dramatisch», so Tschäppät. Diese Entwicklung sei aber kaum aufzuhalten. Dies schmerze nicht nur Kinogänger: Denn gingen Kinos zu, habe dies auch negative Folgen auf benachbarte Bars und Beizen. «Viele Leute gehen vor dem Kino in die Pizzeria oder etwas trinken. Das fällt plötzlich weg», so Tschäppät.

Der Sog des Multiplex

Für die Kitag sind die Schliessungen indes aber keine Katastrophe. Denn das Unternehmen expandiert selbst am Stadtrand: Die Kitag will 2018 neben der Autobahn in Muri ein Mehrsaalkino mit zehn Sälen, Restaurants und Bowlingbahn eröffnen – die Baubewilligung ist bereits erteilt. Die Kitag folgt damit einem Trend. Die Entwicklung von einzelnen Kinosälen in der Innenstadt hin zu grösseren Komplexen lasse sich im Ausland schon seit geraumer Zeit beobachten, sagt René Gerber von Pro­cinema, dem Dachverband der Schweizer Kinobetreiber und Filmverleiher. «Dort gibt es kaum mehr Einsaalkinos.»

Die Gründe dafür sind wirtschaftliche: Ein Kino mit einem einzigen grossen Saal ist, was die Betriebskosten angeht, etwa gleich teuer wie eines mit drei kleineren Sälen. Allerdings kann in der gleichen Zeit nur ein Film angeboten werden, ergo: Kleine Kinos haben ein Rentabilitätsproblem. Denn die Konkurrenz ist immens: Die Pathé-Gruppe betreibt seit 2008 im Shoppingcenter Westside ein Multiplexkino. Viele Kinogänger aus Bern und Umgebung ziehen es inzwischen vor, mit dem Auto in die Tiefgarage des Westside statt ins Stadtzentrum zu fahren.

Eine Markthalle im Kinosaal?

Was nun mit dem 246-plätzigen Saal des Kinos Royal passiert, ist noch offen. Die Immobilienfirma U. C. Buchschacher sucht noch einen Nachmieter. «Das Lokal eignet sich nach einem Umbau für einen Gastrobetrieb oder als Ladengeschäft», sagt Bruno Moser von der Buchschacher AG. Man habe zudem vor, das Merkur-Gässchen hinter dem Gebäude zu «attraktivieren».

Dieses grenzt unmittelbar an die Welle 7 beim Post-Parc, wo kommenden August zahlreiche Geschäfte und Gastrobetriebe aufmachen. «Das eröffnet auch den neuen Betreibern grosse Chancen», so Moser. Ihm schwebt vor, dass im Kino Royal eine Art Markthalle entstehen könnte. (Der Bund)

Erstellt: 04.06.2016, 12:26 Uhr

Artikel zum Thema

Der Sog des Multiplex

Mit dem Capitol schliesst in der Berner Innenstadt schon das zweite Kino der Betreiberin Kitag: ein Indiz, dass der Mainstream-Film definitiv an den Stadtrand wandert? Mehr...

Keine Zukunft für das Berner Altstadt-Kino

Die neue Hauseigentümerin der Kramgasse 72 sieht keine Möglichkeit, das Kino Capitol weiterhin gewinnbringend zu betreiben. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!

Die Welt in Bildern

Spielen im Schnee: Die zwei chinesischen Riesenpandas Chengjiu und Shuanghao geniessen das kalte Wetter im Zoo von Hangzhou (9. Dezember 2018).
Mehr...