Kita-Boom kommt Stadt teuer zu stehen

Die Stadt Bern muss für Betreuungsgutscheine fast eine Million Franken mehr zahlen als budgetiert. Das könnte auch dem Kanton blühen, wenn er die Gutscheine flächendeckend einführt.

Mehr Eltern als erwartet haben Kita-Gutscheine beantragt.

Mehr Eltern als erwartet haben Kita-Gutscheine beantragt. Bild: Franziska Scheidegger

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Die Betreuungsgutscheine in der Stadt Bern sind ein Erfolg. So sehr, dass dieser Erfolg die Stadt nun teuer zu stehen kommt. Der Gemeinderat musste einen Nachkredit von 860’000 Franken bewilligen, damit alle Kita-Gutscheine eingelöst werden können. Denn in diesem Jahr haben mehr Eltern einen Gutschein beantragt, als budgetiert war.

Insgesamt zahlt die Stadt in diesem Jahr 24,5 Millionen Franken für die Gutscheine. Im nächsten Jahr soll es nicht besser sein, wie der Leiter des städtischen Jugendamts, Alex Haller, sagt. «Auch für nächstes Jahr haben wir eine zu tiefe Prognose gemacht.» Zudem habe der Arbeitsaufwand des Jugendamts deutlich zugenommen, sagt er. Damit tönt er an, dass er mittelfristig überprüfen muss, wie viel Personal es braucht, um allen Berechtigten in der Stadt Bern ihre Gutscheine ausstellen zu können.

Fast eine Million höher sind die städtischen Ausgaben für Kinderbetreuung. Kann sich die Stadt das leisten? «Ja, das wollen wir», sagt die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) bestimmt. Es sei ein Beweis für die gute Qualität der Betreuungsangebote in der Stadt. Das wiederum sei aus pädagogischer und sozialer Sicht für die betreuten Kinder gut. Aber es zahle sich für die Stadt auch wirtschaftlich aus, wenn beide Elternteile erwerbstätig seien. Die Gutscheine sind bis auf wenige Ausnahmen an die Erwerbstätigkeit der Eltern gebunden. Nur wer arbeitet, hat einen Anspruch. Paare müssen gemeinsam zu mehr als 100 Prozent berufstätig sein. Genaue Zahlen zum Einfluss der Kita-Gutscheine auf das Steuersubstrat der Stadt Bern gibt es aber nicht.

Auch Grossrat Michael Köpfli (GLP) sieht den Erfolg der Kita-Gutscheine bestätigt. Als Stadtrat war er die treibende Kraft hinter dem Systemwechsel. Dass die Stadt nun tiefer in die Taschen greifen muss als budgetiert, stört ihn nicht. «Es ist eine wertvolle Investition in die Vereinbarkeit von Beruf und Familie», sagt er. Darum befürwortet er, dass auch der Kanton Bern schon bald flächendeckend Betreuungsgutscheine einführen soll. (Der Bund berichtete)

Und auch dieser muss mit steigenden Kosten für die Kinderbetreuung rechnen, wie Esther Christen von der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion sagt. Sie rechnet mit möglichen Mehrkosten von null bis 15 Millionen Franken. Doch geht sie davon aus, dass sich der Systemwechsel dank kostensenkenden Massnahmen zumindest am Anfang kostenneutral durchführen lässt.

Doch weshalb sind die Kosten für Betreuungsgutscheine derart gestiegen? Die Antwort ist einfach. Es gibt mehr Kita-Plätze in der Stadt Bern als vor zwei Jahren. Das Budget wurde schon damals gemacht. Die bestehenden Kitas haben ihr Angebot ausgebaut, und neue Kitas sind eröffnet worden. Seit Einführung der Gutscheine 2013 seien pro Jahr eine bis zwei neue Kitas eröffnet worden, mit steigender Tendenz. «Der Markt ist dynamischer, als kurz nach dem Systemwechsel», sagt Alex Haller vom städtischen Jugendamt.

Heute ist es nämlich einfacher, in der Stadt Bern eine Kita zu eröffnen, als vor dem Systemwechsel. Die Stadt kann den Unternehmen weniger Auflagen betreffend Qualität und anderen Kriterien machen. Zudem ist das finanzielle Risiko kleiner. «Es ist dank den Gutscheinen einfacher, mit einer Kita eine wirtschaftliche Perspektive zu erzielen», sagt Haller.

Die neu eröffneten Kitas befriedigen aber ganz offensichtlich auch eine bestehende Nachfrage. Die Plätze sind im Nu gefüllt. «Bern ist eine Familienstadt», erklärt Haller diese Entwicklung. Es gebe mehr Familien in der Stadt als vor ein paar Jahren. Das liege nicht nur am Megatrend der Reurbanisierung. Allgemein zieht es die Menschen in die Stadt zurück. Es liege auch an der städtischen Wohnbaupolitik der letzten Jahre, die gezielt auf familienfreundliche Wohnungen gesetzt hat. Zudem pflegten die Familien in der Stadt oft ein moderneres Rollenbild als Familien auf dem Land, sagt Haller. «Wenn mehr Mütter arbeiten, spüren wir das bei der Nachfrage nach Betreuungsmöglichkeiten.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2017, 15:08 Uhr

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