Kino-Gigant zieht sich aus Berner Innenstadt zurück

Kinobetreiber kritisieren, die Stadt habe sich für die Kinos zu wenig engagiert.

Soll geschlossen werden: Das Kino Gotthard am Bubenbergplatz. (Archiv)

Soll geschlossen werden: Das Kino Gotthard am Bubenbergplatz. (Archiv) Bild: Martin Guggisberg

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Bis in zwei Jahren gibt es in der Berner Innenstadt keine Kinos mehr der schweizerischen Kinokette Kitag. Noch dieses Jahre sollen die Kinos Gotthard und Jura geschlossen werden, wie Kitag-Chef Philippe Täschler gestern dem «Bund» ankündigte. Ein Jahr später wird auch das Kino Splendid schliessen. Das Ende von Alhambra und Capitol wurde bereits letztes Jahr angekündigt.

Damit wird die lebendige und breit gefächerte Berner Kinolandschaft stark ausgedünnt. Der Betrieb lohnt sich für die Kinounternehmen in den Städten immer weniger, unter anderem wegen hoher Mieten und veränderten Konsumverhaltens bei den Filmliebhabern. Deshalb zieht es die Kitag nach Muri, wo sie zurzeit ein Multiplexkino mit Restaurants, Bars und anderen Angeboten baut. Für den Kinoexperten René Gerber vom Verband Pro Cinema kommt die Entwicklung nicht überraschend: «Gerade beim Mainstream-Publikum sind solche Angebote sehr beliebt.» Das Multiplexkino von Pathé im Westside sei eines der erfolgreichsten in der Schweiz.

Verbleiben werden in Bern die fünf Kinos der alternativen Kinokette Quinnie sowie Spartenkinos wie etwa das Rex. Hier werden vor allem Arthouse-Filme gezeigt. Für Quinnie-Betreiberin Edna Epelbaum ist für das Kinosterben auch die Berner Politik verantwortlich. «Sie tut zu wenig, damit die Innenstadt dynamisch bleibt», sagt Epelbaum.

Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) sieht das anders: Erst der Erfolg und die Attraktivität der Innenstadt habe zu den hohen Mieten geführt, die für die Kinobetreiber ein Problem sind. Deshalb glaubt von Graffenried, dass die Innenstadt nicht an Lebendigkeit verliert, wenn die Kinos wegziehen. Zudem hofft er, dass andere Betreiber die leer werdenden Säle übernehmen werden. «Die Stadt hat aber ein grosses Interesse daran, dass die Rahmenbedingungen für die verbleibenden Kinos stimmen», sagt er. Darum wolle er nun mit Epelbaum Kontakt aufnehmen.

Zusätzlich das ausführliche Interview mit Kitag-CEO, Philippe Täschler:

Herr Täschler, weshalb baut die Kitag in der Berner Innenstadt die Kinos ab und in der Peripherie gleichzeitig aus?
Das hat vor allem mit den Personal- und Mietkosten zu tun. In der Innenstadt kann man heute mit ein- oder zwei Saalkinos nicht überleben. Das Westside hingegen läuft sehr gut. Dass Kinos aus der Innenstadt wegziehen, passiert aber in allen Städten. In der Schweiz dauert es einfach ein wenig länger.

Sie schliessen in den kommenden zwei Jahren alle ihre Kinos in der Berner Innenstadt. Schmerzt Sie das?
Wenn Sie alle die Stadt-Kinos renoviert und aufgebaut haben, schmerzt das tierisch. Aber was will man tun, wenn das Publikum wegbleibt? Reines Kino zu machen, ist heute wohl zu wenig.

Werden Angestellte entlassen?
Nein, wir haben eine normale Fluktuation und den Rest können wir übernehmen.

Ist das Schweizer Kino in der Krise?
Man muss sich umorientieren und neue Angebote schaffen. Aber nicht zuletzt braucht es gute Filme mit guten Geschichten. Das können wir nicht steuern.

Was werden Sie im neuen Cinedrome in Muri für Filme zeigen?
Hauptsächlich gehobene Mainstreamfilme. Später auch Live-Übertragungen von Musicals oder Opern, wie heute schon in den Innenstadt-Kinos. Wir setzen auf ein breites Angebot.

Wie beeinflusst die Digitalisierung den Kinobetrieb?
Heute können Sie Filme mit einer Playlist praktisch vollautomatisch abspielen. Das spart natürlich Personalkosten. Anderseits geht die Aufrüstung ins Geld. Dann gibt es heute viel mehr Kopien. Das führt dazu, dass ein Film in mehr Kinos gleichzeitig gespielt wird und entsprechend schneller auch von allen gesehen wird. Exklusivität gibt es heute nicht mehr.

Dank Social Media und Smartphone-Apps kennen Kinobetreiber heute ihre Kunden besser als je zuvor. Wissen Sie im Voraus, welche Filme gut laufen werden und welche weniger?
Man weiss tatsächlich viel über den Kunden. Aber trotzdem ist man immer wieder erstaunt, wie gewisse Filme laufen und andere nicht.

Welche Filme laufen in der Schweiz gut, welche weniger?
Wir waren schon immer ein Top-Land für Bondfilme. Star Wars läuft bei uns weniger gut als in anderen Ländern und wurde bei uns von Heidi klar übertroffen. Das ist doch eigentlich eine schöne Entwicklung. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2018, 11:38 Uhr

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