Junge planen Vorplatz-Alternative

Simon Löwe ist Vorstandsmitglied des neuen Vereins Nägeligasse. Die Jugendlichen wollen künftig Berns ersten Club ohne Konsumzwang in der Innenstadt betreiben.

Wo das Stadttheater Requisiten lagert, will Simon Löwe bald Feste feiern.

Wo das Stadttheater Requisiten lagert, will Simon Löwe bald Feste feiern. Bild: A. Moser

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«Wir wollen den Jugendlichen einen zentral gelegenen Club bieten, in dem kein Konsumzwang herrscht», sagt Simon Löwe. Der 21-Jährige ist Vorstandsmitglied des neu gegründeten Vereins Nägeligasse. Der Verein ist für den Jugendclub zuständig, der am ehemaligen Standort der Sanitätspolizei in der Berner Innenstadt entstehen soll. Was dieses neue Jugendzentrum von bestehenden Angeboten unterscheidet: Es soll von Jungen für Junge betrieben werden – mit nur so viel jugendamtlicher Unterstützung wie nötig.

«Wir sind eine bunt zusammengewürfelte Truppe», sagt Löwe. Die Vorstandsmitglieder, die zurzeit Vorabreiten für die Club-Eröffnung leisten, seien zwischen 20 und 25 Jahre alt. «Viele von uns haben sich bereits in einem Jugendtreff im Quartier engagiert.» Wer im Vorstand dabei sei, wisse daher, wie man einen Abend in einem Club organisiere.

Wie aufwändig wird der Innenausbau?

Doch einen Club zu eröffnen, ist um einiges komplizierter, als nur einzelne Partys zu planen. So haben die Jugendlichen bereits ein Hygienekonzept, ein Sicherheitskonzept und ein Betriebskonzept erarbeitet. Der nächste wichtige Schritt ist die Detailplanung der Renovation. Damit die Räumlichkeiten an der Nägeligasse 2 als Jugendzentrum genutzt werden können, wird die Liegenschaft für 1,5 Millionen Franken saniert. Noch ist nicht entschieden, wie viel zusätzliche Mittel für den Innenausbau einzurechnen sind. Löwe und seine Truppe wünschen sich eine Bar, eine Bühne sowie Ruhezonen.

Selbstverständlich brauche es auch Toiletten. Was tatsächlich umgesetzt werden kann, wird der Gemeinderat voraussichtlich im Januar entscheiden. Das Berner Stadtparlament hat derweil schon Unterstützung für den Jugendclub signalisiert. Vor einem Monat wurde ein entsprechender Vorstoss der FDP klar angenommen. Damit dürften auch die jährlichen Betriebskosten von ungefähr 250'000 Franken pro Jahr bereits abgesegnet sein. Darin enthalten sind die Betreuung der Jugendlichen und die Mietkosten für die Räumlichkeiten.

Laut Scarlett Niklaus vom Jugendamt ist dafür ungefähr eine 80-Prozent-Stelle vorgesehen. Ein solcher Club in der Innenstadt sei auch nötig, um den Jugendlichen eine Alternative zum Vorplatz der Reitschule anzubieten, argumentierte die FDP im Stadtrat. Doch wird die Nägeligasse für Jugendliche so attraktiv, dass diese zu regelmässigen Besuchern werden? «Wer unseren Club schliesslich frequentieren wird, lässt sich nicht vorhersagen», sagt Löwe. Man wolle aber bewusst Jugendliche ab 16 Jahren ansprechen.

Löwe weist zudem darauf hin, dass die Partys nicht von den Mitarbeitern des Jugendamtes überwacht würden. «Wir sind selbstständig.» Jugendliche, die sich einbringen wollen, können laut Löwe zudem selber mithelfen, die Partys zu organisieren. Der Clubbetrieb sei zudem nicht das einzige Angebot. So ist vorgesehen, am Mittag jeweils einen Picknick-Raum zur Verfügung zu stellen.

Bis an der Nägeligasse die Partylichter leuchten, dürfte es noch dauern. Wenn der Gemeinderat über das Bauprojekt beraten und der Stadtrat dem Kreditantrag zugestimmt hat, muss das Projekt noch öffentlich ausgeschrieben werden. Einsprachen von Anwohnern könnten die Eröffnung des Jugendclubs dann noch über Jahre verhindern.

Auf Durststrecken vorbereitet

Löwe glaubt, dass der Verein die nötige Motivation für allfällige Verzögerungen mitbringt. «Die Jugendlichen, die jetzt dabei sind, setzen sich bereits länger für einen Club in der Innenstadt ein.» Natürlich änderten sich die Lebensumstände in jugendlichen Jahren öfters als bei Erwachsenen. Doch der Verein sei flexibel: «Eine Jugendliche aus dem Vorstand bestreitet zurzeit ein Auslandjahr.» Während ihrer Abwesenheit nehme sie eine passive Rolle ein. «Sobald sie wieder da ist, will sie aber wieder voll mitmachen», sagt Löwe.

Allzu viele Einsprachen aus der Nachbarschaft soll es sowieso nicht geben. «Wir werden die Anwohner persönlich kontaktieren», sagt Löwe. Auch bei den Berner Politikern will man sich für möglichst viel Goodwill einsetzen: «Ein Besuch bei den verschiedenen Stadtratsfraktionen ist bereits in Planung.» (Der Bund)

Erstellt: 08.12.2016, 14:23 Uhr

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