Swiss Skills 2014

Junge Berufsleute geben Vollgas

Sie lieben alle ihren Beruf, schätzen ihn wegen seiner Vielseitigkeit. Nun werden sie an den Swiss Skills Bern 2014 um den Schweizer-Meister-Titel kämpfen. Vier Berner Jugendliche geben Einblick in ihre Passion.

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Bald schon werden sie mit der Wasserwaage die Position der Steine prüfen, mit der Pinzette Augenbrauen zupfen, mit dem Fleischmesser Schinken tranchieren oder für eine fiktive Firma eine Marktanalyse durchführen: 1000 junge Berufsleute werden zwischen dem 18. und dem 21. September in rund 70 Berufen um die Schweizer-Meister-­Titel kämpfen – und hoffen, vor Publikum zur persönlichen Höchstform aufzulaufen. Alleine aus dem Kanton Bern treten 150 Jungtalente an. Der «Bund» hat vier von ihnen im Vorfeld getroffen.

«Laueren» ist nicht sein Ding

Wenn er Natursteine aneinanderreihen kann, blüht er auf: der 21-jährige Florian Schüpbach aus Kirchdorf. Nun steht er in Konolfingen auf einer Baustelle, links von ihm gelbe Wohnbauten, rechts von ihm orange Blöcke. Was noch fehlt, ist das Grüne dazwischen – und eben die gepflasterten Zugangswege zu den Hauseingängen.

Schüpbach weist auf den Boden unter seinen Arbeiterstiefeln und erklärt: «Wenn der Weg ein Muster aufweisen soll, dann muss ich den Kopf ganz schön beieinanderhaben.» Überhaupt, so fällt bald auf, besteht die Arbeit eines Landschaftsgärtners aus mehr, als Pflanzen zu setzen und Rasen zu mähen: Als Gärtner müsse man Winkel ausmessen, Regenwasser-Rohre verlegen und Randsteine einpassen – und dies auf wenige Milli­meter genau.

Die Natursteinmauer dürfe an den Schweizer Meisterschaften nur zwei Milli­meter abweichen, erklärt der junge Mann mit den braun gebrannten, kräftigen Armen und dem wiegenden, energischen Schritt. Und genau hier liegt Schüpbachs Stärke: «Ich schaue lieber zweimal hin, bevor ich zur Schaufel greife.» Dank dem Hang zur Präzision erreichte der Landschaftsgärtner gute Praxisnoten, wurde zum Auswahlverfahren eingeladen und schliesslich als Anwärter auf den Schweizer-Meister-Titel nominiert.

Er freue sich sehr, es so weit gebracht zu haben, sagt Schüpbach strahlend, der, wie er sagt, aus einer Familie mit lauter «Büroleuten» kommt. Er entdeckte schon früh, dass sein Platz draussen in der Natur ist. Als er mit der Schule einen Bach renaturieren durfte, sei für ihn klar gewesen, dass er Gärtner werden wolle. Am meisten freut Schüpbach an seiner Arbeit, dass er am Abend sieht, was er seit dem Morgen gemacht hat. Nun wird er während vier Tagen vor Publikum sein Können unter Beweis stellen: Auf einer Fläche von etwa 16 Quadratmeter wird Schüpbach mit ­einem Teamkollegen ein kleines Gartenparadies mit Teich, Holzbrücke und Natur­steinmauer anlegen – und damit hoffentlich nicht nur sich selbst, sondern auch die Zuschauer erfreuen.

Der Trend ist ihr Geschäft

Carla Calderari zu besuchen, ist wie das Eintauchen in eine andere Welt: Die 20-jährige Bernerin steht in einem gros­sen Raum mit dunklem Holzboden, pas­tellfarbenen Vorhängen, glänzenden Steinen und Buddha-Statuen. Ein blumig-würziger Duft entführt die Sinne in eine Wellness-Oase, und genau da fühlt sich die junge Frau mit den warmen Reh­augen zu Hause: «Als Kosmetikerin schenkt man den Kunden Momente der Entspannung und des Wohlbefindens.» Ihr Beruf sei mehr als «Nägeli streichen und schminken», sagt sie.

Ihr gehe es ­darum, die natürliche Schönheit der Kundinnen und Kunden zu unterstreichen. Kunden? «Ja», bestätigt Calderari. Die Herrenkosmetik liege im Trend; sie mache einen immer grösseren Teil ihrer Arbeit aus. Männer kämen, um die Hände zu pflegen, die Augenbrauen zu zupfen und die Haare zu entfernen. Ihr Beruf sei aber vielseitiger, und genau deshalb liebe sie ihn so: «Von Massagen über Bera­tungen, Hautbeurteilungen und dem Verkauf von Produkten bis zur Zusammenarbeit mit Dermatologen machen wir alles.» An den Berufsmeisterschaften werden elf Kosmetikerinnen während zweier Tage fünf Aufgaben zu bewältigen haben. Höhepunkt wird ein Fantasie-Make-up sein, welches unter dem Motto «Ächt Schwiz» läuft.

Kann man es mit Schminken eigentlich auch übertreiben? «Klar», sagt Calderari. «Manche Frauen experimentieren vor dem Spiegel und verlieren das Mass.» Auf die junge Frau, dezent geschminkt und zurückhaltend gekleidet, trifft dies sichtbar nicht zu. So geht diese denn auch, wenn sie im Familienbetrieb in Bremgarten den Pinsel und die Puderdose aus der Hand legt, raus in die Natur – zu ihren zwei Pferden. Auch diese werden sich über die liebevolle Zuwendung Calderaris freuen.

Vernetzt-Sein ist sein Beruf

Lukas Bieri hatte das Glück, sein Hobby zum Beruf machen zu können. Sein Hob­­by ist zwar aussergewöhnlich – er pröbelt in seiner Freizeit am eigens zusammengebauten 3-D-Drucker –, in der Arbeits­welt jedoch hat sein Beruf ­Zukunft: Bieri absolviert die Ausbildung zum Mediamatiker. Es ist ein relativ junger Beruf; Fachleute dieser Branche sind für die medienübergreifende Informa­tions­aufbereitung zuständig, arbeiten mit neuen Medien und koordinieren und vermarkten Projekte. An den Swiss Skills werden 15 Berufsleute unter anderem eine Analyse für ein fiktives Unternehmen durchführen und eine Website gestalten.

Nun zeigt der 18-jährige Berner in seinem Büro stolz auf das Gerät, das ihn so fasziniert: einen 3-D-Drucker, welcher für Medizinstudenten zur Veranschaulichung Gehörgänge und Nasenbeine in die Welt setzt. Als Mediamatiker modelliere man beispielsweise deren Form, erklärt der schlaksige Mann mit der drahtigen Brille. Die Brille ist das Einzige, was an Bieri streng wirkt: Ansonsten überwiegt der Eindruck, dass der Jugendliche motiviert und voller Elan an die Arbeit geht. Bieri, der – trotz guter Noten, wie er sagt – das Gymnasium abgebrochen hat, weil er dort «nur Wissen reingeschichtet» hat, fand am Institut für Medizinische Lehre der Uni Bern nun seinen Platz: «Hier kann ich endlich anpacken, mein Wissen mit praktischen Tätigkeiten vereinen.»

Ein Grossteil seiner Arbeit verbringt der angehende Mediamatiker vor dem Computer. «Fehlt da nicht manchmal der Zugang zur Aussenwelt?», fragt man den Jugendlichen, der aus einer ­Familie mit zwei Heilpädagogen stammt. Bieri schmunzelt: «Nein.» Erstens sei man per Skype, Mail und Foren dauernd mit Menschen vernetzt. Zudem verlagere sich das Zwischenmenschliche eben auf die Freizeit. Nebst dem Herumtüfteln am 3-D-Drucker spielt Bieri auch Saxofon.

Was andere ekelt, liebt sie

Sie übt einen Beruf aus, von dem kaum jemand mehr etwas wissen will. Dennoch sind viele froh darum, dass es ihn gibt: Lena Schmid ist gelernte Fleischfachfrau, ist also dafür verantwortlich, dass das Fleisch überhaupt auf den Teller kommen kann. Der Vorgang, bei dem das Fleisch vom Knochen gelöst wird, nennt sich Ausbeinen, und er bereitet Schmid Freude: «Von der Anatomie her ist diese Tätigkeit sehr spannend.»

Wenn sie nicht gerade sorgfältig mit dem Messer das Muskel­gewebe aus Kalbsschultern schneidet, wendet sie sich der Veredelung der Fleischware zu: Sie mariniert Plätzli, steckt Cordons bleus zusammen und rollt Fleischvögel. «Fleisch ist ein schönes Material zum Arbeiten», sagt die 19-Jährige aus Meikirch, die selber – wen wundert es – eine Fleischliebhaberin ist.

Trotz Vorliebe zur tierischen Speise: Schmid plante nie, Fleischfachfrau zu werden. Doch dem Metzgerberuf fehlt der Nachwuchs, weshalb die junge Frau in ihrem Heimatdorf von einem Bekannten eine Lehrstelle angeboten bekam. Auch nach der Lehre wurden ihr mehrere Stellen offeriert. Nun steht sie im Mittelland hinter der Theke eines Familienbetriebs der vierten Generation und erklärt, weshalb ihre Metzgerei den Grossisten standhalten kann: «Wir schlachten Tiere aus der Region.

Die Leute schätzen es, zu wissen, woher das Fleisch kommt.» Müssen die Tiere einen langen Transport über sich ergehen lassen, ergebe das «gestresstes Fleisch»: Dieses sei zäher und verliere in der Pfanne viel mehr Wasser. Denkt die Tochter eines Landwirts auch an die Tiere, wenn ihr das rosige Fleisch durch die Finger gleitet? Schmid zuckt die Schultern: «Nein. Jemand muss diesen Beruf ja machen – und ich mache ihn eben so gerne.» (Der Bund)

Erstellt: 08.09.2014, 11:02 Uhr

Wettkämpfe um Meistertitel

Zum ersten Mal überhaupt finden die Schweizerischen Berufsmeisterschaften an einem einzigen Standort statt: Vom 17. bis zum 21. September werden die Swiss Skills im Bernexpo-Gelände durchgeführt. Hierbei werden in 74 Berufen die Schweizer Meister und Schweizer Meisterinnen erkoren. 1000 Berufs­talente kämpfen um einen Podestplatz. Die Bestplatzierten werden an den Euro Skills in Frankreich oder den World Skills in Brasilien teilnehmen können.

Die Swiss Skills sind laut dem OK-Präsident und Direktor der Berner KMU, Christoph Erb, die weltweit grösste Leistungsschau der Berufsbildung. Der Grossanlass hat nebst den Berufswett­bewerben noch ein weiteres Ziel: Er soll für angehende Lehrlinge, aber auch für die Öffentlichkeit ein Schaufenster für die Berufsbildung sein. Zusätzlich zu den Wettkämpfen finden deshalb in 60 weiteren Berufen Demonstrationen statt. Ferner geben Berufsverbände Einblick in die verschiedenen Berufsgattungen, und Leistungsshows sollen die ­Besucher unterhalten. Insgesamt werden 200'000 Gäste erwartet.

Der Anlass ist laut den Organisatoren auch «schönster Beweis dafür, dass das duale Berufsbildungssystem der Schweiz Spitzenklasse» ist. Dank der Kombination von Berufslehre und Schule habe die Schweiz eine der niedrigsten Arbeits­losenquoten weltweit.

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