Iraner wollen Tennisclub nicht verdrängen

Die iranische Botschaft verzichtet darauf, an der Kirchenfeldstrasse 70 zu bauen. Der Tennis Sporting Club kann damit gerettet werden – zumindest für ein Jahr.

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Gholamali Khoshroo ist in seiner Freizeit ein begeisterter Tennisspieler. Der neue iranische Botschafter in Bern hat daher Verständnis für die Beschwerden gegen das Gesuch für ein Botschaftsgebäude auf dem Areal des Tennis Sporting Club («Der Bund» berichtete). Die iranische Botschaft leide zwar unter einer akuten Platznot, und das geplante Gebäude wäre unweit der Residenz ideal gelegen, sagt Khoshroo. Die Botschaft sei aber auch sehr interessiert an einem guten Einvernehmen mit dem Quartier und habe schon gar nicht die Absicht, einen Tennisclub in seiner Existenz zu ­gefährden. «Wir haben uns daher entschlossen, das Baugesuch zurückzuziehen», sagt der Botschafter.

Burger werfen sich in die Bresche

Für knapp zehn Millionen Franken wollten die Iraner an der Kirchenfeldstrasse 70 ein Mehrfamilienhaus mit Einstellhalle bauen. Für den Tennis Sporting Club hätte dies das Aus bedeutet. Zwar hätten die Spieler noch auf fünf der acht Tennisplätze weiterspielen können, weil sie diese von der Burgergemeinde im Baurecht gemietet haben. Ohne Garderoben und Clubraum wäre dies aber auf Dauer unmöglich gewesen. Gegen das Bauvorhaben der Iraner wurden schliesslich vier Einsprachen und eine Rechtsverwahrung eingereicht. Unter den Einsprechern ist nebst privaten ­Anwohnern auch der Kirchenfeld-­Brunnadern-Elfenau-Leist.

Die Rechtsverwahrung stammt von der Burgergemeinde Bern als Eigentümerin des benachbarten Dählhölzli­waldes. Sie wollte sich damit rechtliche Schritte vorbehalten, falls die Iraner nicht auf den Bau unterirdischer Büros in einem waldnahen Streifen der Liegenschaft verzichten. Aus Sicht des Tennis­clubs war das Rechtsbegehren der Burgergemeinde zentral. «Dieses Vorgehen ist in unserem Sinn», sagte Vizepräsident Andreas Maurer einst gegenüber dem «Bund». Der breite Widerstand hat die iranische Botschaft offenbar überrascht. «Wir gingen nicht davon aus, dass es Opposition gegen das Projekt geben könnte. Wir hatten nie die Absicht, den Tennisclub zu verdrängen», sagt Botschafter Khoshroo.

Von der Rettung zur Bedrohung

Eigentümer des Grundstücks ist der Unternehmer Roberto Oprandi. Der Vater der Profi-Tennisspielerin Romina Oprandi hatte die Liegenschaft vor dreizehn Jahren für 1,5 Millionen Franken gekauft und wollte sie nun für 6,5 Millionen Franken an die iranische Botschaft verkaufen. Zwar hatte er mit dem Kauf den damals hoch verschuldeten Traditionsclub im Kirchenfeld vor der Liquidation gerettet. Bereits einige Jahre später aber gab Club-Vorstandsmitglied Oprandi den Clubmitgliedern an der Generalversammlung bekannt, dass er auf dem Gelände Eigentumswohnungen bauen möchte. Dabei hatte er beim Kauf der Liegenschaft den Willen seiner ­«tennisbegeisterten Familie» bekräftigt, «den ältesten und einen der schönsten Clubs der Stadt Bern am Leben zu erhalten.» Im ersten Projekt Oprandis hätte es allerdings noch etwas Platz für Garderobe und Clubräume des Tennisclubs gegeben. Das Vorhaben ist aber vor zwei Jahren an Einsprachen gescheitert. Letzten Juni schliesslich folgte dann das Baugesuch der iranischen Botschaft.

«Habe noch weitere Interessenten»

Beim Tennis Sporting Club wusste gestern noch niemand vom Rückzug der iranischen Botschaft. Vizepräsident Andreas Maurer zeigte sich auf Anfrage erfreut. Angesichts der Einsprachen habe man aber damit gerechnet, dass das Interesse der Iraner erlahmen könnte. Mit einem raschen Ende der Unsicherheit rechnet Maurer indes nicht. Oprandi hat den Club-Verantwortlichen jüngst mündlich zugesichert, dass er den Ende September auslaufenden Mietvertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern gedenke. «Wir haben nun Zeit gewonnen. Wie es ab der Saison 2016 weitergeht, ist jedoch offen», sagt Maurer.

Oprandi selber wollte sich angesichts des Rückziehers der Iraner nicht auf eine längere «Gnadenfrist» für den Tennisclub festlegen lassen. «Ich habe noch weitere Interessenten», hielt er auf Anfrage des «Bund» lediglich fest. Gegenüber den Club-Verantwortlichen habe der Unternehmer angetönt, dass er noch nicht entschieden habe, ob er das Grundstück verkaufe oder erneut ein eigenes Bauprojekt ausarbeiten lasse, sagt Maurer. Treffe Letzteres ein, «hoffen wir auf einen längerfristigen Mietvertrag». Durch die Verlängerungen von Jahr zu Jahr sei die Planungssicherheit gefährdet, was wiederum Mitglieder vergraule. «Mit kurzfristigen Verlängerungen ist uns auf Dauer sicher nicht gedient», sagt Maurer.

Iraner sind weiter auf der Suche

Für die iranische Botschaft geht derweil die Suche nach geeigneten Büroräumlichkeiten weiter. Sie sollten nach Möglichkeit unweit der Residenz an der Kirchenfeldstrasse liegen. Aufgrund der nun gemachten Erfahrungen möchten die Iraner aber nicht mehr als Bauherren auftreten. «Wir würden gerne ein Gebäude in der Nähe kaufen», sagt ­Botschafter Khoshroo. (Der Bund)

Erstellt: 06.09.2014, 10:11 Uhr

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