«Helvetic Airways verdient 
mit Flügen ab Bern gutes Geld»

Helvetic-Besitzer Martin Ebner über Expansionspläne, die Probleme von Skywork und den Höhenflug von YB.

Stets auf Achse: Financier und Helvetic-Besitzer Martin Ebner bei der Präsentation seines neuen Flugzeugs.

Stets auf Achse: Financier und Helvetic-Besitzer Martin Ebner bei der Präsentation seines neuen Flugzeugs.

(Bild: Reto Oeschiger)

Adrian Müller@mueller_adrian

Herr Ebner, seit drei Jahren fliegt Helvetic Airways ab Bern. Wie läuft das Geschäft?
Wir sind rundum zufrieden, fliegen ab Bern profitabel und verdienen gutes Geld. Nicht von ungefähr: An Wochenenden beträgt die Sitzauslastung in unseren Flugzeugen beinahe 100 Prozent. Nicht zuletzt deshalb bauen wir das Angebot weiter aus. Die Buchungen für das Jahr 2015 sehen bereits sehr erfreulich aus.

Die Berner Gesellschaft Skywork hat oft Mühe, die 31-plätzigen Propellermaschinen auszulasten. Wie füllen Sie den 138-plätzigen Airbus-Jet?
Skywork verfolgt ein völlig anderes Geschäftsmodell: Als Linienfluggesellschaft bietet sie über das ganze Jahr vor allem Städteflüge an. Wir hingegen sind ein saisonaler Ferienflieger, der Touristen und nicht Geschäftsleute befördert. In unserem Marktsegment ist die grosse Kunst, die richtigen Destinationen anzubieten, die Nische zu finden. Das ist nicht einfach. Die Flugzeuge füllen uns dann die Reisebüros mit ihren Kunden.

Die Flughafenbetreiber wünschen sich, dass Helvetic auch im Winterhalbjahr vom Belpmoos aus fliegt. Wann heben Sie zum Erstflug nach Ägypten ab?
Unsere neuen Embraer-Flugzeuge haben eine grössere Reichweite und könnten so problemlos ab Bern direkt auf die Kanaren oder nach Ägypten fliegen. Wir werden diese Option sicher prüfen, aber derzeit gibt es keine konkreten Pläne.

2006 sind Sie als Financier bei Helvetic eingestiegen und haben die Fluggesellschaft vor der Pleite bewahrt. Seither befindet sich die Airline im kontrollierten Steigflug. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Der Start war nicht einfach: Als neuer Eigentümer brauchte ich fast zwei Jahre, um eine fähige Führungscrew zusammenzustellen. Doch das war entscheidend. Der weitere Erfolg ist dem Management und nicht mir zuzuschreiben.

Wie viele Millionen haben Sie bislang für Helvetic aufgewendet?
Ich habe nach der Übernahme rund 50 Millionen Franken investiert. Mit diesem Geld habe ich sechs Fokker-Flugzeuge gekauft. In den ersten zwei Jahren brauchte die Fluggesellschaft noch finanzielle Unterstützung. Seither fliegt die Airline profitabel.

Skywork hat in Bern während der schier grenzenlosen, inzwischen gescheiterten Expansionsstrategie Dutzende Millionen Franken von Investor Daniel Borer verbrannt. Wie haben Sie diese Entwicklung aus der Ferne erlebt?
Es hat mir wehgetan zu sehen, was bei Skywork passiert ist. Ich glaube, Herr Borer war etwas naiv und hat das Management an einer zu langen Leine gelassen. Bei dieser Unternehmensgrösse muss sich der Eigentümer stärker einbringen, das hat er wohl zu wenig getan.

Helvetic und Skywork fliegen 
ab Bern teilweise die gleichen 
Destinationen an. Hat es Platz 
für beide?
Wie gesagt, wir verfolgen ein anderes Geschäftsmodell. Für uns ist Skywork kein Konkurrent mehr. Man darf nicht vergessen: Die Fluggesellschaft leistet einen wichtigen Beitrag, dass der Flughafen Bern überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat. Wir schätzen es sehr, wenn andere Airlines ab Bern fliegen. Davon profitieren alle.

In den nächsten Monaten verdoppeln Sie mit sieben neuen Embraer-Flugzeugen die Helvetic-Flotte. Ist das nicht eine zu riskante Expansion im unberechenbaren Fluggeschäft?
Allein mit acht Maschinen wickeln wir künftig Flüge im Auftrag der Swiss ab. Das gibt uns ein stabiles Grundgerüst. Zudem haben wir unser Eigenkapital erhöht. Das Risiko ist also kleiner, als es auf den ersten Blick scheint.

Die alten Fokker 100 sind Donnervögel. Was bringen die neuen Embraer-Flugzeuge der Berner Bevölkerung?
Die Maschine ist deutlich leiser und umweltfreundlicher als die bisher eingesetzten Fokker. Die Embraer 190 ist auf Effizienz getrimmt. Daher ist aber auch der Sitzabstand für die Passagiere nicht mehr ganz so luxuriös wie bei den Fokker-Maschinen.

Inwiefern profitieren Sie vom europäischen Höhenflug der Berner Young Boys?
Als Spezialist für Sonderflüge fliegen wir die Mannschaft zu allen Auswärtsspielen in der Europa League. Hoffentlich bis in den Final.

Das Airlinegeschäft ist ein äusserst schnelllebiges Business. Was könnte Sie zum Rückzug aus Bern bewegen?
Es kommt ganz auf die Konkurrenzsituation an: Wenn jemand unsere Verbindungen billiger anbietet, werden wir verdrängt. Aber danach sieht es im Moment nicht aus. Wir fliegen ein gewaltiges Angebot ab Bern, speziell zu den griechischen Inseln. Die Auswahl ist fast so gross wie ab Zürich.

Was ist derzeit die grösste Herausforderung für Helvetic?
Das grosse Wachstum zu verdauen. Unsere Mitarbeiterzahl erhöht sich innert kurzer Zeit von 230 auf 370 Personen. Die Zeiten, wo ich jeden Angestellten mit Vornamen ansprechen kann, sind wohl vorbei.

Was verbindet Sie mit Bern?
Jedes Mal wenn ich über das Bundeshaus nach Bern-Belp fliege, packt es mich von neuem. Es ist schon ein spezielles Gefühl, als praktisch einzige «richtige» Schweizer Fluggesellschaft von der Bundesstadt aus zu fliegen.

Der Bund

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