Heitere Musik und heiteres Kulturlobbying

Die Musikschule Köniz bespielt am Sonntag die Heitere Fahne in Wabern. Und die Heitere Fahne wirbt derweil heiter um Kulturgelder.

Die Heitere Fahne in Wabern wird am kommenden Sonntag von der Musikschule Köniz bespielt.

Die Heitere Fahne in Wabern wird am kommenden Sonntag von der Musikschule Köniz bespielt. Bild: Adrian Moser

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Dem der Musik zugeneigten Publikum bietet sich am kommenden Sonntag ein besonderes Sinneserlebnis. Rund 100 Schülerinnen und Schüler der Musikschule Köniz bespielen nämlich die Heitere Fahne in Wabern: Verschiedenste musizierende Formationen verwandeln die Stätte in ein klingendes Haus, das mal nach Hackbrett und mal nach Eric Clapton, Deep Purple oder nach der fabelhaften Welt von Amélie klingt – und deutlich nach Grillgut riechen wird.

Das Fête de la Musique in der Heiteren Fahne will somit offenbar ein gründlicher Gegenentwurf zur strengen Vortragsübung sein. Nick Graf, der pädagogische Co-Schulleiter der Musikschule Köniz, sagt es so: Man biete «ein gesamtheitliches Erlebnis, eine Rundumsicht». Die Schule, die mit 1400 Lernenden zu den grössten der Region zählt, wolle damit den Kindern und erwachsenen Besucherinnen und Besuchern Augenblicke voller «ungewöhnlicher Orchestrierungen und neuer Einblicke» offerieren – und sich selbst als Schule präsentieren, die «innovativ sein will, bewegt, gestaltet und keineswegs nur verwaltet», sagt Graf.

Ein Ort, der sich bewegt

Das Fest der vielfältigen Sinneseindrücke findet in der Heiteren Fahne statt: Ein Zufall? Graf verneint. Die Waberer Kulturstätte sei ein «nicht völlig etablierter Ort und ein fruchtbarer Boden» und passe somit bestens zu den Absichten und Ausdrucksformen des Fête de la Musique: «Sie ist ein Kulturbetrieb, der aussen am Plattentellerrand ist, sich also bewegt.» Das passe bestens zur «Horizonterweiterung», die man den Schülerinnen und Schülern – und dem Publikum – gönnen wolle. Einzige offene Frage dürfte bleiben, ob die juvenilen Musikerinnen und Musiker das gewählte Bild verstehen respektive überhaupt noch wissen, was ein Plattenspieler ist.

Ort der «kulturellen Teilhabe»

Für die Heitere Fahne wiederum ist es eine glückliche Koinzidenz, dass sie am Sonntag zur Wirkungsstätte des jungen Könizer Musikschaffens wird. Der seit fünf Jahren bestehende Kulturort sucht nämlich seinerseits Gehör – vor allem seitens der Politik. Sie hat am Mittwoch eine Kampagne lanciert, mit der sie auf ihre prekäre finanzielle Situation hinweisen und sich letztlich als gute Adresse für öffentliche Kulturgelder empfehlen will. Laut Rahel Bucher von der Heiteren Fahne wolle man sich konkret ins Spiel um die Verteilung der Kulturgelder in der Stadt Bern und der Gemeinde Köniz bringen. Der Ort habe Pionierarbeit «im Bereich der kulturellen Teilhabe» geleistet, und nun sei man der Meinung, die Stadt Bern und die Gemeinde Köniz «sollten sich die Heitere Fahne leisten und mit uns nach einer kreativen Lösung der Mitfinanzierung suchen».

Erhöhtes Kulturbudget

Hintergrund der Kampagne ist auch, dass die Stadt Bern ihr Kulturbudget für die Jahre 2020–2023 um rund 2,3 Millionen Franken erhöhen will. Die Gemeinde Köniz ihrerseits verfügt für 2019 über ein Kulturbudget von 1,5 Millionen Franken. Die Kopfrechnung der Waberer Kulturstättenbetreiberinnen ist keck, lautet ihre Forderung doch: «Die Heitere Fahne hat Lust auf je fünf heitere Kulturprozent davon.» Dass es genau so kommen muss, ist für die Crew gewiss: «Eine Kulturstadt, die sich kulturelle Teilhabe und Vielfalt auf die Fahne geschrieben hat, kommt nicht an der Heiteren Fahne vorbei!»

Fête de la Musique, Sonntag, 24. Juni, Heitere Fahne, Dorfstrasse 22/24, Wabern. Brunch auf der Terrasse ab 9 Uhr, musikalische Auftritte von 10 Uhr bis 16 Uhr. dieheiterefahne.ch (Der Bund)

Erstellt: 21.06.2018, 06:41 Uhr

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