Heinzer triumphiert am Heimturnier

Der Innerschweizer Max Heinzer gewann den Grand Prix de Berne. Die Berner Brüder Fabian und Michael Kauter scheiterten in der ersten Hauptrunde.

Daumen hoch: Max Heinzer freut sich über den Finalsieg gegen den Ungaren Geza Imre am Grand Prix de Berne. <br>(Keystone)

Daumen hoch: Max Heinzer freut sich über den Finalsieg gegen den Ungaren Geza Imre am Grand Prix de Berne.
(Keystone)

Immer wieder fasste er sich an die Stirn, als könnte er selber am wenigsten glauben, was er gerade geschafft hatte. Mit 15:11 hatte Max Heinzer den ungarischen Spitzenfechter Geza Imre geschlagen, den ersten Grand Prix seiner Karriere gewonnen, als erst Dritter Schweizer nach Jean-Blaise Evéquoz (1978) und Marcel Fischer (2005) den GP de Berne. Er hatte kaum Zeit, zu begreifen, was mit ihm geschah. Da waren die Schweizer Teamkollegen, die ihn in die Luft warfen, der Trainer, der ihn fest an sich drückte, die Kinder, die ein Autogramm von ihrem Idol wollten.

Das wohl grösste Kompliment erhielt Heinzer von Marcel Fischer: «Ich habe noch selten einen Fechter so souverän gewinnen sehen», meinte der Olympiasieger von Athen 2004, der bereits die Siegergeschenke übergeben hatte. Noch am Morgen habe nichts auf einen Exploit hingedeutet, erzählte Heinzer später. «Ich hatte niemanden zum Aufwärmen, weil alle anderen Schweizer schon im Einsatz waren. Also fragte ich, etwas schüchtern, Geza Imre. Dort war er mir noch haushoch überlegen.» Der um zwölf Jahre ältere Ungar gewann 1996 an den Olympischen Spielen in Atlanta die Bronzemedaille – da war Heinzer erst neun Jahre alt. Die bisherigen vier Duelle hatte Imre allesamt für sich entschieden. «Ich sagte mir, irgendwann einmal muss ich ihn schlagen», so Heinzer. «Das Publikum hat mich zum Sieg getragen.»

Zwei Berner Spezialisten

Nur dank Sponsoren und der 50-Prozent-Anstellung als Sportsoldat ist es dem 23-Jährigen möglich, seit dem Abschluss des Bachelor-Studiums in Sportwissenschaften im vergangenen Sommer als Fechtprofi zu leben. «Vorher hat vor allem der Schlaf unter der Doppelbelastung gelitten», sagt der Innerschweizer, der Mitglied im Fechtclub Basel ist. Jetzt habe er mehr Zeit für die Regeneration, aber auch mehr Zeit zum Trainieren. Dazu hat er zwei Berner Spezialisten hinzugezogen: Im Athletikbereich wird er seit einem Jahr von Andreas Lanz gefördert, bereits seit längerem arbeitet er mit dem Sportpsychologen Jörg Wetzel zusammen.

Die Resultate sprechen für sich: Zwar stand Heinzer bereits im letzten Jahr im Weltcup zwei Mal auf dem Podest (Sieger in Lissabon, Dritter in Puerto Rico), doch an Grands Prix, der höchsten Stufe im Weltcup, war er vor dieser Saison noch nie in den Top 8 klassiert, nun toppte er in Bern den 6. Rang von Stockholm vor drei Wochen. «Der Sieg von Fabian Kauter dort hat mir gezeigt, dass es auch als Schweizer möglich ist, alle zu schlagen.» Heinzer wird Kauter nun in der Weltrangliste wieder überholen.

Kauters verpassen die «Welle»

Der Berner Fabian Kauter, der nach seinem überraschenden Sieg am Grand Prix von Stockholm als bestklassierter Schweizer angetreten war, scheiterte ebenso in der ersten Hauptrunde der besten 64 wie sein Bruder Michael und der Basler Benjamin Steffen.

Michael Kauter hatte am Samstag mit einer makellosen Vorrundenbilanz direkt den Sprung in die erste Hauptrunde vom Sonntag geschafft. «Ich hatte Selbstvertrauen getankt und mich sehr wohlgefühlt.» Doch den guten Start gegen den Chinesen Guotao Gong konnte er nicht in einen Sieg ummünzen. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele wird für den 32-Jährigen immer schwieriger. Michael Kauter will trotzdem «dranbleiben» und so gleichzeitig seinen jüngeren Bruder Fabian unterstützen.

Auf diesem hatten neben Heinzer die grössten Hoffnungen gelegen. Der 25-Jährige war nach dem frühen Ausscheiden entsprechend enttäuscht. «Ich hätte mich gerne von der Welle mittragen lassen, wäre gerne mit den Leuten hier gesurft.» Besonders schmerzte die Niederlage gegen den Koreaner Seung Hwa Jung, weil der Sieger des GP von Stockholm 2010 die wohl grösste Hürde in Fabian Kauters Tableau darstellte. «Nun müssen es halt die Basler richten», meinte der Berner. Er sollte – zumindest was die Klubzugehörigkeit angeht – recht behalten.

Wohl auch 2012 ein Grand Prix

Für den neuen OK-Präsidenten Markus Burkhalter nahm der Finaltag, der mit dem schnellen Ausscheiden dreier Schweizer enttäuschend begonnen hatte, dank Heinzer doch noch ein mehr als nur versöhnliches Ende. Der Publikumsaufmarsch war zwar wegen des Termins kurz nach Auffahrt nicht riesig, aber punkto Organisation war die Veranstaltung tadellos. Und so ist der GP de Berne im provisorischen Programm des Internationalen Verbandes auch für das nächste Jahr wieder als Grand Prix aufgelistet.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...