Grossrat macht Aussenpolitik: «Ekeko gehört nach Bolivien»

Peter Eberhart, bekannt für exklusive Vorstösse, schaltet sich in die Debatte um die Kleinskulptur ein – das Historische Museum deutet ein Einlenken an.

BDP-Grossrat Peter Eberhart reagiert sensibel beim Thema Raubkunst.

BDP-Grossrat Peter Eberhart reagiert sensibel beim Thema Raubkunst.

Dölf Barben@DoelfBarben

Normalerweise ist der Blickwinkel der Simmentaler Grossräte aufs Simmental fokussiert. Umso erstaunlicher ist Peter Eberharts (BDP) gestern veröffentlichter Vorstoss: Der Erlenbacher Drogist – übers Tal hinaus bekannt geworden durch den unermüdlichen Kampf gegen Lebensmittelkontrolleure – stellt darin eine Forderung mit hoher aussenpolitischer Komponente auf: Er schaltet sich ultimativ in die Debatte um die 16 Zentimeter grosse Kultfigur Ekeko ein. Diese ist im Besitz des Bernischen Historischen Museums, wird aber von Bolivien eindringlich zurückgefordert. «Der Ekeko gehört nach Bolivien», lautet der Titel, den Eberhart über sein Postulat setzte.

In die Schweiz gebracht wurde Ekeko vor über 150 Jahren vom Glarner Forscher und Diplomaten Johann Jakob Tschudi. Er hatte die Skulptur einem Indianer erst «abkaufen» können, nachdem er diesen mit reichlich Alkohol «geschmeidig» gemacht hatte. Doch warum mischt Drogist Eberhart sich nun überhaupt ein?

Bern soll «Grosszügigkeit» demonstrieren

Mit deutschen Geschäftspartnern habe er sich schon «zig Mal» über Raubkunst unterhalten. Er sei für das Thema sensibilisiert, sagt er. Nach seiner Überzeugung gehörten Kulturgüter dorthin, «wo sie eine Bedeutung haben und hinpassen». Der Ekeko passe offensichtlich nicht hierher; es gebe keinen direkten Bezug zur Geschichte des Kantons Bern. Bei burgundischen Kulturgütern beispielsweise sei das ganz anders.

Der Grosse Rat dürfe sich durchaus zum Ekeko äussern und «eine Richtung vorgeben», sagt Eberhart, schliesslich unterstütze der Kanton die Museen mit beträchtlichen Summen. Ihm schwebt vor, die Rückgabe der Figur an ein «kulturpolitisches Event oder ein Austauschprojekt zu koppeln»; dies würde der Völkerverständigung dienen, und Bern könnte eine «gewisse Grosszügigkeit» demonstrieren. Peter Eberhart hat bereits Gespräche geführt mit den Verantwortlichen des Historischen Museums. Schliesslich habe er dabei aber den Eindruck gewonnen, sagt er, dass dort die Freude über eine Rückgabe «nicht besonders gross» wäre.

Rückgabe ist wahrscheinlich

Bei Restitutionsforderungen handle es sich stets um langwierige Prozesse, teilt Museumsdirektor Jakob Messerli auf Anfrage mit. Es seien verschiedene Aspekte zu berücksichtigen und diverse Ansprüche unter einen Hut zu bringen, «dass der Entscheid schliesslich von allen betroffenen Parteien getragen werden kann». Messerli bestätigt, dass «mit Bolivien» bisher zwei Gespräche stattgefunden hätten und dass diese Gespräche weitergeführt werden sollen.

Das Museum halte es «für wahrscheinlich, dass die Figur letztlich nach Südamerika zurückkehrt». Er wolle aber den Gesprächen nicht vorgreifen. Das Ziel sei eine von beiden Seiten getragene Entscheidung, über die dann gemeinsam informiert werden könne.

Der Bund

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