Gratismentalität am Buskers

Das Strassenmusik-Festival hat mit perfektem Wetter 70'000 Besucher angelockt. Davon haben 40 Prozent ein Festivalbändeli gekauft – zu wenige für eine stabile Finanzierung.

Das diesjährige Buskers-Programm bot eine Auswahl an Musik, Theater, Akrobatik, Tanz, Comedy und Streetperformance.
Marina Stalder@MarinaStalder

Musik, Performances, Puppentheater, Kunstinstallationen, Tanzshows oder Artistikstücke: Die 15. Ausgabe des Buskers ist am Samstagabend zu Ende gegangen. An drei trockenen und warmen Tagen haben insgesamt 70'000 Personen das Festival mit 151 Künstlerinnen und Künstlern besucht. Die Festivalleitung unter Christine Wyss zieht nach dem Festival Bilanz.

Frau Wyss, von den 70'000 Besuchern haben nur 40 Prozent ein Festivalbändeli gekauft. Was bedeutet das für das Festival?
Die 40 Prozent sind eine beachtliche Quote, besonders im Vergleich mit ähnlichen Veranstaltungen im Ausland. Aber natürlich wäre es schön, wenn die Quote höher – sicher bei 50 Prozent – liegen würde. Wir können das Gelände aber nicht abschliessen und die Leute zwingen, ein Bändeli zu kaufen. Wir appellieren an das Bewusstsein und den Goodwill der Besucher, dass sie freiwillig ein Festivalbändeli kaufen und die Darbietungen, die sie sehen, mit Hutgeld als Gage für die Künstlerinnen und Künstler honorieren. Wir kommen den Besuchern schliesslich damit entgegen, dass wir unsere moderaten Preise in 15 Jahren nicht erhöht haben, obwohl alle anderen Dienstleistungen immer teurer werden.

Was könnte der Grund dafür sein?
Ein Grund für die niedrige Quote könnte die allgemeine Gratismentalität sein, die sich in der Gesellschaft immer weiter ausbreitet. Das ist für uns schon schwierig zu verstehen, gerade weil wir die Arbeit und die Energie sehen, die von so vielen in das Festival gesteckt wird.

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Wie hat sich die Bändeliträger-Quote in den letzten Jahren entwickelt?
Letztes Jahr hatten wir an zwei von drei Tagen sehr kaltes und schlechtes Wetter, dieses Jahr hingegen war das Wetter perfekt, und der Bändeliverkauf ist doch nur um 8 Prozent gestiegen. Das zeigt uns, dass trotz optimalen Bedingungen wohl bei etwa 40 Prozent ein Limit beim Bändeliverkauf erreicht ist.

Was tun Sie nun? Sollen nun die Steuerzahler in die Bresche springen?
Wir versuchen für das nächste Jahr andere Möglichkeiten zu finden, welche uns zu einer längerfristigeren, stabilen Finanzierung verhelfen. Dafür haben wir mit dem Kanton, der Stadt und der Regionalkonferenz, aber auch anderen Institutionen wie Bern Welcome Kontakt aufgenommen. Schliesslich bescheren wir der Stadt einen publikumswirksamen Anlass, daher wäre es auch angebracht, wenn diese Arbeit etwas mehr honoriert würde. Es ist für uns finanziell jedes Jahr ein Kampf, obwohl wir mit 70'000 Besuchern ein riesiges Festival sind. Da hinkt die Finanzierung der Professionalisierung und Etablierung deutlich hintennach, was sie eigentlich nicht sollte.

Zu reden gibt immer wieder der tiefe Anteil an Künstlerinnen. Sind Sie heuer mit der Anzahl Künstlerinnen zufrieden?
Ja, denn mit über 30 Prozent ist die Anzahl Künstlerinnen bei uns ausserordentlich hoch, das ist natürlich toll. Es ist aber nicht so, dass wir eine fixe Frauenquote haben. Es ist einfach eines von vielen Auswahlkriterien, wenn wir die Gruppen für das Buskers engagieren. Dass wir aber überhaupt so viele Frauengruppen zur Auswahl haben, liegt am World-Music- und Folk-Music-Genre. In anderen Genres ist es sicher schwieriger, so viele Frauengruppen zu finden.

Es gibt das Gerücht, dass Sie die Festivalleitung für das nächste Jahr abgeben wollen.
Das ist ein Gerücht. Ich werde auch nächstes Jahr die Festivalleitung übernehmen. Längerfristig wäre es sicher schön, die Leitung einer anderen Person oder einem Team übergeben zu können, aber momentan ist noch keine Nachfolge bestimmt. Ich denke, so bei der 20. Ausgabe möchte ich keine Eröffnungsrede mehr halten. Das heisst aber nicht unbedingt, dass ich nicht mehr dabei sein werde.

Der Bund

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