Gar nicht so steil

Sollte dereinst ein Tram ins Berner Länggassquartier rollen, müsste es zahlreiche Hürden nehmen. So auch die Steigung bei der Schanzenbrücke. Das sollte aber kein Problem sein.

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Rollt 2035 ein Tram in die Länggasse? Für den Kanton Bern zumindest stellt dieses Szenario die «Bestvariante» dar, um dem Pendleraufkommen im rasch wachsenden Uniquartier Herr zu werden (siehe «Bund» von gestern). Noch laufen lediglich Vorabklärungen. Trotzdem fassen die Behörden bereits mögliche Hindernisse und Probleme ins Auge. Nebst zahlreichen rechtlichen und politischen Aspekten gehört dazu auch eine grundsätzliche Frage: Könnte das Tram die Steigung vom Bubenbergplatz über die Schanzenbrücke überhaupt bewältigen? Die Antwort lautet Ja. Das bestätigt auch die kantonale Baudirektion auf Anfrage.

Hügliger im Westen

Auch wenn der Stutz vom Hirschengraben Richtung Länggasse für Velofahrer schweisstreibend sein mag – es geht dort gar nicht so arg bergauf. Und zwischen 1894 und 1959 existierte dort bereits eine Tramlinie. Wie steil der Streckenabschnitt Schanzenbrücke ist, war weder beim Kanton noch bei der Stadt Bern in Erfahrung zu bringen. Mit Karten-Tools lässt sich die Steigung aber immerhin schätzen. Die Berechnung ist reine Schulbuch-Mathematik: Die Höhendifferenz wird durch die horizontal zurückgelegte Distanz dividiert. Anders als bei der Strassenplanung wird bei der Gleisplanung die Steigung sodann in Promille angegeben. Steigt also eine Strecke von 100 Metern um 10 Meter an, beträgt die Steigung 100 Promille. Bei der Schanzenbrücke sind es etwas über 50 Promille.

Zum Vergleich: Die steilsten Tram-Hänge der Hauptstadt befinden sich vor der Endstation Bümpliz, Tramlinie 7, und auf der Brunnmattstrasse Richtung Fischermätteli, Tramlinie 6. Die Steigung beträgt bei beiden Strecken über 60 Promille. Das ist gerade noch legal: Das Bundesamt für Verkehr bewilligt Tramprojekte nur bis zu einer Steigung von 70 Promille. Die Behörde stützt sich dabei auf die Eisenbahnverordnung. Ausnahmen sind für Bauvorhaben an bereits bestehenden Linien vorgesehen.

Es läge aber durchaus mehr drin. Im nationalen Vergleich ist Bern topografisch eher flach, was die Streckenführung der Trams angeht. «Technisch können die Tram-Modelle, wie sie in Bern zum Einsatz kommen, auch steilere Streckenabschnitte bewältigen», sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer. So überwindet etwa das 6er-Tram in Zürich Richtung Zoo eine Steigung von über 80 Promille.

Rekord in Lissabon

Gar flach wirkt Bern sodann im internationalen Vergleich: Eine der steilsten Strecken verläuft im Nachbarland Österreich. Die Steigung auf der Tramlinie in Linz auf den Pöstlingberg beträgt fast durchgehend 105 Promille. Extrem steil wird es dann in Portugal: Die «Carreira 28E dos Eléctricos de Lisboa», eine Tramlinie durch Lissabon, legt gar einen Rekordanstieg von 135 Promille zurück. Das ist mehr als das doppelte der beiden Berner Rekordhänge.

Unfall mit glimpflichem Ausgang

Auch wenn die Berner Streckenverhältnisse eher bescheiden ausfallen, was die Steigung angeht: Sie können gefährlich werden. Das zeigte sich im Jahre 1966. Am 15. April kam es auf der Strecke Fischermätteli Richtung Stadt, damals noch die Linie Nr. 5, zu einem spektakulären Unfall. Der Tramführer erlitt just auf der abfallenden Strecke bei der Brunnmattstrasse einen Ohnmachtsanfall, sodass er nicht mehr bremsen konnte. Mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde brauste das Tram an der Haltestelle Cäcilienstrasse vorbei.

Danach sprang der Anhänger in der leichten Linkskurve vor der Haltestelle Brunnhof aus den Schienen, schlug mit dem Wagenheck gegen eine Mauer, wurde dabei vom Motorwagen getrennt und kam erst im Flachen zum Stillstand. Sieben Personen wurden dabei verletzt. Die Geschichte ging einigermassen glimpflich aus. In der NZZ hiess es damals: «Bei stärkerem Verkehr hätte der Unfall zu einer wahren Katastrophe führen können.» (Der Bund)

Erstellt: 04.04.2018, 21:05 Uhr

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