Frühförderung wird in der Stadt Bern zum Regelangebot

Das Frühförderungsprojekt Primano ist so erfolgreich, dass es zum gesamtstädtischen Regelangebot werden soll.

Gute Erfahrungen mit Frühförderung: Das Projekt Primano in Bern. Bild: Valérie Chételat

Gute Erfahrungen mit Frühförderung: Das Projekt Primano in Bern. Bild: Valérie Chételat

(Bild: Valérie Chételat (Archivbild))

Bessere Startchancen in der Schule dank Frühförderung: Kinder aus benachteiligten Familien können in der Stadt Bern seit 2007 am freiwilligen Programm Primano teilnehmen. Was in einzelnen Quartieren klein als Pilotprojekt begann, soll nun in der ganzen Stadt zum Regelangebot werden.

Die Berner Stadtregierung möchte Primano ab 2017 als gesamtstädtisches Regelangebot weiterführen, wie Bildungsdirektorin Franziska Teuscher am Montag vor den Medien in Bern erläuterte. Denn: Primano hat sich bewährt und ist erfolgreich.

«Die Wirkungen von Primano sind in der Schuleingangsstufe spürbar», betonte auch Annemarie Tschumper, Co-Leiterin des Gesundheitsdienstes der Stadt Bern.

Nicht nur motorisch und sprachlich sind die Primano-Kinder besser entwickelt, «sie sind auch sozial und emotional reifer, können dem Unterricht aufmerksamer folgen und sind seltener aggressiv», ist Tschumper überzeugt.

Gute Noten

Mit dieser Feststellung ist Tschumper nicht allein: bereits 2012 stellte eine Studie der Universität Bern dem Projekt gute Noten aus. Primano verbessere die alltäglichen, sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kinder, kamen die Studienverfasser zum Schluss.

«Das Geld, das in die Frühförderung investiert wird, zahlt sich später für die Gesellschaft aus», betonte Teuscher am Montag. Gut integrierte Kinder hätten es in der Schule leichter, fänden besser eine Lehrstelle und seien später weniger abhängig von der Sozialhilfe.

Steigende Kinderzahlen, zunehmende materielle Not in unteren Einkommensschichten und immer mehr Flüchtlingsfamilien sind nach Ansicht der Stadt Bern Signale dafür, dass der Bedarf nach Frühförderung weiter zunehmen wird.

Hausbesuche, Spielgruppen und Vernetzung

Mit Primano hat die Stadt Bern seinerzeit Pionierarbeit geleistet. Mittlerweile kennen 23 Schweizer Gemeinden solche Projekte.

Hausbesucherinnen unterstützen Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder. Diese steigen mit anderthalb bis zwei Jahren ins Programm ein. Geschulte Mütter gehen als Hausbesucherinnen in die Familien und bringen ein Spiel mit, das das Kind in seinen nächsten Entwicklungsschritten unterstützt.

Das Spielmaterial bleibt in den Familien, was angesichts der oft sehr knappen Familienbudgets sehr geschätzt werde, wie Primano-Leiterin Mona Baumann ausführte.

Das Team der Hausbesucherinnen ist sprachlich und kulturell vielfältig zusammengesetzt. Ziel sei es, die Eltern in ihren Erziehungskompetenzen zu stärken.

Zusätzlich zu den Hausbesuchen stehen Eltern und Kindern vierzehntägliche Gruppentreffen offen. Dort werden unter anderem Erziehungsfragen besprochen oder interessante Orte im Quartier aufgesucht, etwa Spielplätze oder Bibliotheken. Damit soll der Aktionsradius für Familien, die nicht selten isoliert leben, erweitert werden.

Nach dem Hausbesuchsprogramm gehen Kinder in Spielgruppen, Kindertagesstätten oder ähnliche Institutionen. Diese bieten Fördermodule für Kinder aus bildungsfernen Milieus an. Und einschlägige Institutionen werden vernetzt, so dass Probleme möglichst früh erkannt werden.

mis/sda

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