Firma für Business-Apartments hat die Alkoholverwaltung gekauft

Die Glandon Apartments hat Erfahrung im Kauf von Immobilien zwecks Umbau in Business-Apartments. Die Quartierkommission übt heftige Kritik.

Wo früher die Alkoholverwaltung beheimatet war, ziehen vielleicht schon bald solvente Geschäftsleute ein.

Wo früher die Alkoholverwaltung beheimatet war, ziehen vielleicht schon bald solvente Geschäftsleute ein. Bild: Adrian Moser

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Das Berner Länggass-Quartier boomt: Verkehrsberuhigte Strassen und trendige Lokale in zentrumsnaher Lage ziehen auch die Anbieter von Business-Apartments an – so etwa die Starimo AG aus dem luzernischen Meggen. Sie ist die neue Eigentümerin der Gebäulichkeiten der Eidgenössischen Alkoholverwaltung. Hinter der Firma mit dem unbekannten Namen steckt die Glandon Apartments AG. Die Postadressen sind identisch, der Verwaltungsrat ist es weitgehend. Schriftliche Anfragen an die Starimo AG sind an die Adresse «welcome@glandon.ch» zu schicken.

Zum Kaufpreis will man sich dort allerdings nicht äussern. Er dürfte aber mehr als 35 Millionen Franken betragen haben. Der Bund als vorheriger Eigentümer hatte einen Richtpreis in dieser Höhe vorgegeben und hat das Gebäude nun an den Meistbietenden verkauft. Die Stadt Bern hätte die zwei Gebäude mit knapp 9000 Quadratmetern Nettogeschossfläche gerne erworben, um die Büros in Wohnungen umzubauen. Sie konnte aber nur 18 Millionen Franken bieten und hatte das Nachsehen (der «Bund» berichtete).

Bisher eher ein Altstadt-Problem

Auch zur geplanten Nutzung gibt man sich bei der Glandon Apartments zugeknöpft. Die «Abklärungs- und Planungsphase» werde voraussichtlich noch bis in den Spätherbst dauern. «Danach werden wir gerne weitere Informationen liefern», hält die Firma fest. Die Glandon Apartments AG bietet «qualitativ hochstehende Apartments» für kurzfristige Mieten in sechs Städten der Deutschschweiz an. In Bern wurden etwa an der Rathausgasse 57 oder über dem Restaurant Kirchenfeld Business-Apartments eingerichtet.

Ein Logis mit anderthalb Zimmern kostet dort plus/minus 2000 Franken pro Monat. Dreizimmerwohnungen sind für 4500 Franken zu haben – wöchentliche Reinigung inklusive. In der Altstadt sorgt die Umwandlung von Mietshäusern in Business-Apartments und Airbnb immer wieder für Aufsehen. So beklagen die Vereinigten Altstadtleiste etwa die Verdrängung klassischen Wohnraums und die Anonymisierung des Quartierlebens. Der Gemeinderat ist zurzeit daran, aufgrund eines Vorstosses ein Inventar von Zweitwohnungen in der Altstadt zu erstellen. Über allfällige Gegenmassnahmen soll aber erst bei der Revision der Bauordnung befunden werden.

«Schade fürs Quartier»

In den Aussenquartieren war das Problem bisher noch nicht virulent. Steigende Mietzinse sind aber auch in Quartieren wie der Länggasse oder dem Breitenrain ein Thema. Ärger wird vor allem dann laut, wenn Bund oder Kanton Büroliegenschaften zu Marktpreisen verkaufen. Der für die Alkoholverwaltung erzielte Verkaufspreis von über 35 Millionen Franken könne «nur für spekulative Zwecke bezahlt werden», sagte der Stadtberner Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) im letzten Frühjahr.

Der Gemeinderat hatte einst erfolglos versucht, von Bund und Kanton ein Vorkaufsrecht für Liegenschaften auf Stadtgebiet zu erwirken. Aebersold war gestern ferienhalber nicht erreichbar.

Kritik an der mangelnden Kooperation zwischen Bund, Kanton und Gemeinde übt auch Daniel Blumer, Geschäftsführer der Quartierkommission Länggasse (QLä). Falls in die Alkoholverwaltung tatsächlich Business-Apartments eingebaut würden, sei die Stadt die Verliererin auf der ganzen Linie. «Sie hat weder gute Steuerzahler noch eine gute Stadtentwicklung.» Die meist kurzfristige Nutzung solcher Apartments trage auch nichts zum Quartierleben bei. «Schade fürs Quartier», sagt Blumer. (Der Bund)

Erstellt: 10.08.2017, 06:56 Uhr

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