Feuerwehrkaserne wird zur urbanen Gärtnerei

Im Innenhof der Alten Feuerwehr Viktoria wird gegärtnert und nach Selbstversorgung gestrebt.

Im Hof wird für Löscher-Gäste und Schmetterlinge gegärtnert.

Im Hof wird für Löscher-Gäste und Schmetterlinge gegärtnert. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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«Wir sind nicht mehr junges Gemüse, freuen uns aber über solches sehr», steht auf einem Schild, das in einer mit Erde gefüllten Palettkiste voller Grünzeug steckt. Gehegt und gepflegt wird das Gemüsebeet in Palettrahmen von zwei Senioren, die Urban Gardening im Innenhof der Alten Feuerwehr Viktoria betreiben. Das Projekt des Vereins Alte Feuerwehr Viktoria (AFV) umfasst mittlerweile 65 solcher Mini-Schrebergärten und wird dieses Jahr erstmals von der Stadt unterstützt. Die Umwandlung des Innenhofs zur «Stadtoase», wie es in der Medienmitteilung heisst, wurde gestern an einer Medienorientierung präsentiert. Das Ergebnis ist ganz im Sinn der Legislaturziele des Berner Gemeinderates: urbanes Gärtnern durch die Stadtbevölkerung auf halböffentlichem Boden.

Selbstversorgung zwischen Beton

«Die Unterstützung der Stadt bei der Aufwertung des Platzes war notwendig», sagte Ursula Wyss gestern an der Medienkonferenz. Nach mehrmaligen Versuchen, den öden Teerplatz des Innenhofs attraktiv zu begrünen, ersuchte der Verein Alte Feuerwehr Viktoria schliesslich Stadtgrün Bern als Projektpartner. Nun liefert die Stadt Pflanzenkisten samt Erde für alle Gartenbegeisterten. Gegen eine kleine Gebühr kann man eine solche Palettkiste für eine Saison mieten und bewirtschaften. Im hinteren Teil des Hofs gärtnern einzelne Leute aus dem Quartier, im vorderen Teil Kollektive wie der Kindergarten Spitalacker und das Restaurant Löscher. Dabei soll es aber nicht nur um ein bisschen ‹blüemele› gehen, sondern auch um Selbstversorgung. «Von ein paar Paletten könnte eine Familie Gemüse für eine ganze Saison beziehen», sagt Walter Glauser von Stadtgrün Bern. Mike Kaden vom Elektroladen Heicho, der seine Räumlichkeiten auch an der Gotthelfstrasse 31 hat, bewirtschaftet den allgemeinen Gartenteil. Als Dünger braucht er den Kot der Mehlwürmer, die im Keller der Feuerwehrkaserne gezüchtet werden. Die Ernte wird dann grösstenteils in die Küche des Löschers weitergegeben. Die Rüstabfälle landen dann wieder bei den Würmern als Futter.

Von Bienen und Schmetterlingen

Neben dem Urban Gardening soll in der «Stadtoase» die einheimische Tierwelt gefördert werden. In einem eigens dafür angeschafften, immerhin 100-jährigen Boot wurde ein Beet mit Futterpflanzen für Schmetterlinge angelegt. Damit soll das Insekt als Farbtupfer zwischen die grauen Steinfassaden gelockt werden. Auf dem Dach eines Unterstands neben der Ölmühle «rohrohroh» siedelte das Berner Bienenkollektiv zudem ein Bienenvolk an. Ob zur Selbstversorgung mit Gemüse bald Berner Stadthonig kommt, bleibt offen.

Verhandlungen mit der Stadt

Noch ist unklar, wie es mit den Mietern weitergeht, die die Alte Feuerwehrkaserne im Moment zwischennutzen. Darüber wurde an der Medienkonferenz bewusst nicht orientiert. Manfred Leibundgut, Präsident des Vereins Alte Feuerwehr Viktoria, äusserte sich vorsichtig: «Wir müssen zuerst mit der Stadt weiterverhandeln.» Ende dieses Jahres werde wenn möglich darüber orientiert, ob der Löscher und die anderen 27 Projekte sich für längere Zeit in der Alten Feuerwehrkaserne einrichten könnten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.08.2017, 20:22 Uhr

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