Fankhausers Familientradition

Fankhauser Margrit will es ihrer Schwester gleichtun und Schwingkönigin werden. Schon jetzt ist sie Vorbild für die nächste Generation.

Fankhauser Margrit (links) und Nichte Diana posieren in der Stube auf dem (gross)elterlichen Hof.

Fankhauser Margrit (links) und Nichte Diana posieren in der Stube auf dem (gross)elterlichen Hof.

(Bild: Manuel Zingg)

Schon bald steht ein Chacheli Kaffee, ein Teller mit Schlüferli und einer mit Hobelkäse und Brot auf dem Stubentisch. Hier oben, auf Grosshorben ob Eggiwil, geht es noch urchig zu und her. So wuchsen auch die sechs Fankhauser-Kinder nicht mit neumodischen Sportarten, sondern traditionell mit dem Schwingen auf. Die fein säuberlich aufgereihten Glocken und die mit Schnitzereien verzierten Stabellen rund um den Tisch zeugen von den Erfolgen des Vaters, der auch die Mädchen in diese Sportart einführte, obwohl das Frauenschwingen vergleichsweise jung ist.

Vor dem Bauernhaus, auf dem Bödeli neben dem Brunnen, griff sie schon früh mit ihren Geschwistern zusammen; mit 13 Jahren bestritt Fankhauser Margrit ihr erstes Schwingfest. Heuer will sie nun endlich werden, was ihre Schwester vor zehn Jahren zum zweiten Mal hintereinander wurde: Königin. Gerade 25 geworden, ist sie im besten Alter. Neben der Arbeit bei der Spitex, der Zweitausbildung zur Fachangestellten Gesundheit, die sie nach der Bäcker-Konditor-Lehre und der Bäuerinnen-Schule vor zwei Jahren begonnen hat, und neben der Mithilfe auf dem elterlichen Hof trainiert sie hart für ihr Ziel: im Winter im Kraftraum in Langnau, im Sommer im Schwingkeller in Thun. «Das Training ist super», schwärmt Fankhauser von den Einheiten mit den Frauen. Manchmal seien sie bis zu acht, im Moment häufig jedoch bloss zu zweit. Trainingspartnerin Enz Katja sei «eine ganz Schlanke», berichtet Fankhauser, die auch nicht gerade aussieht wie ein weiblicher Stucki Christian. Das Simulieren der grösseren Masse, auf die sie im Ernstkampf zuweilen treffen, ist dadurch schwierig. Denn auch Trainer Tschanz Richard sei ein Schmaler.

Zwischendurch trainieren die Frauen deshalb mit den Männern. «Sie haben uns das angeboten, beantworten auch Fragen oder schauen Schwünge mit uns an», sagt Fankhauser, welche die Unterschiede vor allem in der Explosivität und der Aggressivität sieht. «Aber auch bei uns ist es nicht mehr so ein Geknorze, wie es das früher noch war.» Die Frauen seien ebenfalls athletischer geworden, hätten sich in technischer Hinsicht verbessert. «Me schrisst nümme eifach nume anenang ume.»

Konkurrentin ist vierfache Königin

Der wohl grösste Brocken, der sich Fankhauser auf dem Weg zum Titel in den Weg stellt, ist Kunz Brigitte. Die Trubschachenerin, die für Steinhuserberg im Kanton Luzern antritt, gewann die Jahreswertung von 2006 bis 2008 drei Mal in Folge und auch im letzten Jahr. An den beiden bisherigen Festen in diesem Jahr mussten sie gegeneinander anschwingen. In Oberbühl bei Huttwil verpasste Fankhauser am Ende den Kranz, während Kunz gewann. In Muotathal waren die Rollen dann vertauscht.

Zum nächsten Aufeinandertreffen kommt es wohl schon an diesem Sonntag in Ittigen. Dort rechnen die Organisatoren mit mehreren Hundert Zuschauern. Neben der Erreichbarkeit des Platzes spielt auch das Wetter eine Rolle. Wer aber jeweils vor Ort ist, der sei begeistert. Es gebe sogar welche, die an jedes Fest reisten, weiss Fankhauser. Dass sie weder in den Genuss der wertvollen Preise kommen, die den Männern alle drei Jahre am Eidgenössischen winken, noch vor so grosser Kulisse auftreten können, macht Fankhauser nichts aus. «Das sind deren zwei grosse Tage», sagt sie. Sie glaubt nicht, dass das Frauenschwingen je auf dieser Bühne auftreten wird.

Der Titel ist trotzdem ihr Ziel. Sollte es in diesem Jahr nicht klappen, nimmt Fankhauser im nächsten Jahr einen neuen Anlauf. «2012 will ich noch weitermachen, wenn die Gesundheit mitspielt. Danach sehe ich weiter.» Muss sie die Zwilchhosen an den Nagel hängen, bevor sie das Ziel erreicht hat, so ist für den Nachwuchs aus dem Hause Fankhauser bereits gesorgt: Nichte Diana, im Waadtland daheim, aber gerade bei den Grosseltern in den Ferien, sei «voller Eifer» dabei. Sie trainiert mit den Buben und ist noch das letzte Jahr bei den Mädchen startberechtigt. Oft fährt sie mit ihrer Tante an die Feste. Obwohl diese noch auf den Titel wartet, ist für die bald 15-Jährige klar, wer ihr Vorbild ist: «D Gritle.»

Der Bund

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