Familienwohnungen, Dachgärten und ein Asylzentrum

Am Samstag haben sich Lorrainebewohner versammelt, um über die Zukunft des Centralwegareals zu diskutieren. Es kamen überraschende Ideen zum Vorschein – neben Wohnungen ziehen sie etwa ein Asylzentrum in Betracht.

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Familienwohnungen mit Dachgärten und Gehegen für Hühner und Schweine, ein Jugendzentrum, ein Gemeinschaftsgarten, ein Quartierladen: Geht es nach den Bewohnerinnen und Bewohnern der Lorraine, dürfte die übersichtliche Parzelle am Centralweg gut und gerne die Grösse der Allmend haben.

120 Menschen aus dem Quartier haben sich am späten Samstagnachmittag in der Aula der Gewerbeschule eingefunden, um ihre Ideen für die Zukunft der Baubrache zusammenzutragen. Der Verein «Hier baut das Quartier» hatte am Rande der «Tour de Lorraine» zur Quartierversammlung geladen. Das Ziel: ein Bauprojekt «von unten» zu entwickeln, eines, das in den Augen der Initianten besser ins Quartier passt als das Wohnbauprojekt «Baumzimmer», welches die Stadt für den Centralweg vorgesehen hatte.

Ein Mittel gegen Verteuerung

An Einfällen mangelte es nicht. Das Blockhaus, welches in den vergangenen Wochen nach den Plänen des Ostschweizer Architekten Huldi Hug auf der Brache erbaut wurde und als Inspiration für günstige Wohnformen dienen soll (siehe Box), hat seine Wirkung offenbar nicht verfehlt. In kleinen Arbeitsgruppen formulierten die Anwesenden ihre Wünsche: Bezahlbaren Wohnraum forderten sie, möglichst genossenschaftlich organisiert, aber auch die Möglichkeit, das seit 2009 brachliegende Areal weiterhin als Zentrum für das Quartier zu nutzen.

Einige der mehrheitlich jungen Quartierbewohner brachten darüber hinaus eine gänzlich neue Idee ins Spiel. Am Centralweg solle ein Asylzentrum entstehen. Entweder im Rahmen einer Zwischennutzung, oder auch als fixe Lösung. Dahinter steckt ein sozialer Gedanke – aber nicht nur: «Für die Stadt könnte es ein Leuchtturmprojekt sein, und für uns eine Möglichkeit, die voranschreitende Aufwertung und Verteuerung des Quartiers abzubremsen», sagte die Referentin. Dieser Vorschlag stiess auf offene Ohren: Neben dem Anliegen, Wohnraum und öffentlichen Raum zu schaffen, erhielt er den grössten Zuspruch aus dem Publikum.

«Die Brache ist nicht einfach frei»

Während im Quartier gearbeitet wird, ist das ursprüngliche Bauprojekt der Stadt blockiert: Der Stadtrat hat im September seinen positiven Kreditentscheid zum Bau der «Baumzimmer» aufgehoben. Dagegen ist nun eine Beschwerde der FDP hängig – der Entscheid liegt beim Regierungsstatthalteramt.

Die Stadt hat die Quartierbewohnerinnen und bewohner nicht gebeten, die Köpfe zusammenzustecken und Projekte zu erarbeiten. Entsprechend zurückhaltend äussert sich der zuständige Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP) zum Vorpreschen des Quartiers: «Das kommt etwas spät. Die Planung der Stadt ist schon sehr weit fortgeschritten, zahlreiche Expertisen wurden gemacht, etliche Gremien haben sich damit befasst. Die Brache ist nicht einfach frei verfügbar», sagt er auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. Sobald entschieden sei, wie es um das Dossier ‹Baumzimmer› rechtlich bestellt ist, werde die Stadt das Zepter in die Hand nehmen. Gute Ideen zur Zwischennutzung aus dem Quartier seien aber stets willkommen.

Nina Wieland, Mitglied des Vorstands von «Hier baut das Quartier», lässt sich durch das fehlende Mandat nicht beirren: «Durch unser Engagement wollen wir in erster Linie aufzeigen, dass es alternative Möglichkeiten zur Gestaltung des Centralwegs gibt.» Die Quartierbewohner werden nun ihre Ideen an einer nächsten Quartierversammlung am 22. Februar weiter ausarbeiten.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.01.2014, 07:41 Uhr

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Ausstellung am Centralweg

Noch bis am 18. April ist am Centralweg eine Ausstellung zum Thema preisgünstiger Wohnraum zu sehen. Auf dem Platz steht der Prototyp eines «kostengünstigen, modularen und nachhaltigen Wohnkörpers», mit dem der Architekt Huldi Hug den Kölner Architektur-Wettbewerb für tiefpreisiges Bauen Rachel gewonnen hat. Er soll nicht nur Ausstellungspavillon sein, sondern auch Architekturbüro: Zur Verfügung stehen den kreativen Gästen Arealpläne mit Bauklötzen zum Nachbauen des Wunschprojekts. Finanziert wird das Projekt über wemakeit.ch.

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