Ex-Stapi Tschäppät will Alpines Museum mit einem Kniff retten

Das Alpine Museum könnte künftig nicht mehr als Museum definiert werden, sondern als Netzwerk. Dadurch soll es gerettet werden.

Die Existenz des Alpinen Museums könnte durch eine Einstufung als Netzwerk und nicht mehr als Museum langfristig gesichert werden.

Die Existenz des Alpinen Museums könnte durch eine Einstufung als Netzwerk und nicht mehr als Museum langfristig gesichert werden. Bild: Adrian Moser

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Die Hiobsbotschaft traf das Alpine Museum in Bern Mitte Juli mit der Wucht eines Felssturzes: Das Bundesamt für Kultur (BAK) wolle das Museum ab 2019 nur noch mit 250'000 Franken pro Jahr finanzieren – statt wie bisher mit rund einer Million. Die Aufregung war gross. Doch nun verzichtet der Stiftungsrat des Alpinen Museums darauf, die Kürzung auf rechtlichem Weg anzufechten. «Wir kommen zum Schluss, dass der Weg über das Bundesverwaltungsgericht keine genügende und vor allem keine nachhaltige Finanzierungsperspektive bietet», sagt der Museumsdirektor Beat Hächler gegenüber SRF.

Das Museum legt also keinen Rekurs gegen die BAK-Verfügung ein. Stattdessen soll der Hebel bei der Politik angesetzt werden. Diesen koordiniert der Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler: Er leitet eine überparteiliche Gruppe von rund einem Dutzend Parlamentarierinnen und Parlamentariern, darunter sind der SP-Nationalrat und Ex-Stapi Alexander Tschäppät und der Walliser CVP-Nationalrat Thomas Egger. Gemeinsam wollen sie die Existenz des Museums langfristig mit einem Kniff sichern. Es soll künftig vom BAK als Netzwerk und nicht mehr als Museum eingestuft werden.

Damit wäre es in der gleichen Kategorie wie die Fotostiftung in Winterthur, das Schweizer Tanzarchiv und der Verein Verband der Museen der Schweiz. «Wir suchen nun das Gespräch mit dem BAK», so Engler. Fruchte das Gespräch nicht, werde man direkt auf den zuständigen Bundesrat Alain Berset (SP) zugehen. «Das Alpine Museum kann man nicht mit dem Zentrum Paul Klee oder dem Verkehrshaus in den gleichen Topf werfen», sagt Engler. Sondern eher mit einer Institution aus der Netzwerk-Kategorie, denn die Kulturvermittlung sei beim Alpinen Museum besonders stark ausgeprägt.

Die Kulturförderungsverordnung definiert als Netzwerke Zusammenschlüsse von Institutionen, die sich im Verbund für die Bewahrung, Erschliessung oder Vermittlung des kulturellen Erbes einsetzen.

Was Netzwerk bedeutet, ist unklar

Was würde es für das Alpine Museum bedeuten, wenn es künftig als Netzwerk definiert würde? Das sei schwer zu sagen, sagte Hächler am Mittwoch, auch weil die Begriffe Museum oder Netzwerk nicht scharf definiert seien. Er nennt den jetzigen vorgeschlagenen Rettungsplan der Politiker «interessant». In den letzten Monaten war auch diskutiert worden, ob das Museum um die Anerkennung als Bundesmuseum kämpfen soll.

Dann wäre der Bund alleiniger Geldgeber des Museums, wie das etwa beim Landesmuseum Zürich der Fall ist. «Dies ist für uns aber nicht optimal, da das Museum über eine breite Trägerschaft verfügt», sagt Hächler. Kanton, Stadt Bern und Private hätten nach dem BAK-Entscheid einmal mehr bekräftigt, dass sie hinter der Institution stünden, so Hächler. Den nun eingeschlagenen Weg lasse die Stiftungsstruktur zu.

«Keine Berner Institution»

Dennoch wäre das Überleben auch bei der Definition als Netzwerk nicht hundertprozentig gesichert, denn auch dann müsste das BAK darüber entscheiden, wie hoch die finanzielle Unterstützung ausfallen soll. Knapp eine Million vom Bund, das wünscht sich Museumsdirektor Hächler weiterhin.

Besonders wichtig sei ihm aber, dass man der Institution eine längerfristig tragende Lösung anbiete, sagt er. Hächler findet, diese Million sei berechtigt: «Das Alpine Museum ist nämlich keine Berner Institution.» Sie habe schweizweite Ausstrahlung, deshalb müsse sich auch der Bund an ihr finanziell beteiligen. (Der Bund)

Erstellt: 05.10.2017, 06:55 Uhr

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