Es wird eng

Kurze Episoden aus dem Leben auf dem Festivalhügel.

Auf dem Gurten hats nicht immer Platz.

Auf dem Gurten hats nicht immer Platz. Bild: Sam Konrad

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Wer auch immer den Begriff Dichtestress erfunden hat, seine wortschöpferische Eingebung muss ihn am Gurtenfestival heimgesucht haben. Schliesslich ist der Gurten altbekannt als Mutter aller Platzängste. Hier wird das unangenehme Gefühl der Enge zelebriert. Der Gurten ist also quasi das Rütli der Klaustrophobie. Auch in diesem Jahr wurde auf dem Festivalgelände wieder ein eng geknüpfter Menschenteppich ausgerollt. Gefühlt bleibt so jedem Besucher exakt so viel Bewegungsfreiraum, um sich mit fest angelegten Armen und eingezogenem Bauch einmal um die eigene Achse zu drehen. Deshalb sehe ich das Gurtenfestival als eine Art Freiluft-Pendant zum jährlichen Gotthard-Stau zu Ostern.

Solange man sich damit begnügt, sich nicht von der Stelle zu rühren, ist der Gurten noch ganz erträglich. Doch sobald sich die Bedürfnisse des menschlichen Körpers bemerkbar machen, lässt sich ein Minimum an Bewegung nicht verhindern. Zum Beispiel, um Essen zu kaufen. Also reihte ich mich in eine kolossale Schlange ein in der Hoffnung, an deren Ende, das mit blossem Auge nicht erkennbar war, auf Nahrung zu stossen. Schon als ich die Hoffnung beinahe aufgegeben hatte, vor Festivalende bedient zu werden, fand ich mich plötzlich vor einer Kasse wieder. Mit dem Hungertod ringend, schafften es meine schon völlig entkräfteten Arme, drei Fünfliber auf die Theke zu hieven, um dafür eine ausgetrocknete Pizza entgegenzunehmen, die nur unter lauten Quitschgeräuschen durch meinen völlig dehydrierten Körper in Richtung Magen rutschte.

Danach stand ich für Zigaretten an. Als ich an der Reihe war, hatte mein Körper die Nikotinsucht aber längst überwunden. Dann wollte ich mir ein weiteres Bier holen, beim Zapfhahn angelangt, war ich aber längst wieder nüchtern. Was passiert ist, als ich bei den Toiletten angestanden habe, behalte ich für mich. (Der Bund)

Erstellt: 14.07.2017, 08:17 Uhr

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