«Es ist höchste Zeit, dass das Hochfeld geschlossen wird»

Dagobert Onigkeit hat sich jahrelang als Freiwilliger für die Asylsuchenden im Hochfeld engagiert. Die Schliessung des Zentrums sei bitter nötig, sagt er.

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Sie haben die «prekären Verhältnisse» im Asylzentrum Hochfeld jahrelang angeprangert. Jetzt hat der Gemeinderat die Schliessung auf Ende Mai bekanntgegeben. Was löst das bei Ihnen aus?
Dagobert OnigkeitZuallererst: grosse Erleichterung. Das Hochfeld war 2012 als Notunterkunft eröffnet worden, geplant waren sechs Monate Betriebszeit. Daraus sind vier Jahre geworden, während derer psychisch angeschlagene Kriegsflüchtlinge in einem Keller leben mussten. Es ist höchste Zeit, dass das Zentrum geschlossen wird.

Anfang Mai wird nun das Zieglerspital als Bundesasylzentrum eröffnet. Es hat Tageslicht, eigene Bereiche für unbegleitete minderjährige Asylsuchende und Familien sind geplant. Was hat das für einen Einfluss auf die Lebensqualität?
In der Tendenz sind die Voraussetzungen im Zieglerspital sicher besser als im Hochfeld, was eine menschenwürdige Unterbringung angeht. Dennoch werden damit nicht alle Probleme gelöst.

Inwiefern?
Auch die Reglemente für Bundesasylzentren müssten angepasst werden. Müssen wir in der Schweiz Asylsuchende, die nichts verbrochen haben, wie Häftlinge behandeln? Sie werden in Lagern untergebracht, müssen ihre Handys abgeben und strenge Ausgangssperren beachten. Diese Halbgefangenschaft für Asylsuchende ist und bleibt stossend.

Sie hatten die Betreiberfirma des Hochfeld, die ORS AG, immer wieder scharf kritisiert. Das Bundesasylzentrum im Zieglerspital wird nun von derselben Firma betrieben. Was heisst das für die Flüchtlinge?
Meine Hoffnung ist, dass sich ihre Situation verbessert. Wenn wir im Hochfeld Missstände anmeldeten, wie etwa das ungelöste Konfliktpotenzial unter den Bewohnern, die dreckige Infrastruktur oder die fehlende Nachtruhe, dann fanden wir bei der kantonalen Sicherheitsdirektion und dem Migrationsamt selten Gehör. Jetzt wird das anders: Als Bundesasylzentrum ist das Zieglerspital dem Staatssekretariat für Migration und damit an den Bund angegliedert. Die Kontrolle durch die Aufsichtsbehörde wird straffer und enger.

Werden Sie sich im Bundesasylzentrum Zieglerspital auch als freiwilliger Helfer melden?
Das habe ich vor. Noch immer melden sich bei mir sehr häufig Leute, die sich für Flüchtlinge engagieren möchten. Ich bin gespannt, inwiefern diese freiwilligen Helfer im Zieglerspital tatsächlich gefragt sein werden. Das wird sich weisen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.03.2016, 12:25 Uhr

Zur Person

Dagobert Onigkeit ist Anwohner der Länggasse und gründete die Organisation «Menschlicher Umgang mit Flüchtlingen» (MUF). Immer wieder trat er als Kritiker der Wohnumstände im Durchgangszentrum Hochfeld in Erscheinung. In seiner Funktion als freiwilliger Helfer wurde ihm zeitweise ein Hausverbot auferlegt, welches er aber erfolgreich bekämpfte.

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