Eispickel statt Handyhüllen in der Berner Markthalle

Der Zürcher Outdoor-Händler Transa eröffnet in der Markthalle einen der grössten Outdoor-Läden der Schweiz. Die Rückkehr zum alten Konzept ist damit vom Tisch.

Der Flaggschiff-Laden im Zürich mit seiner Kletterwand ist das Vorbild für die Transa-Filiale in der Markthalle.

Der Flaggschiff-Laden im Zürich mit seiner Kletterwand ist das Vorbild für die Transa-Filiale in der Markthalle.

(Bild: Jonny Schai (zvg))

Mischa Stünzi

Dem einen oder der anderen dürfte die Neuigkeit das Herz brechen: In der Berner Markthalle wird es definitiv nicht zum Revival des beliebten Gastro-Konzepts kommen. Stattdessen folgt auf den Media-Markt, der seit längerem einen Nachmieter für den Standort sucht, der Outdoor-Händler Transa.

Die Zürcher wollen im Herbst 2019 in der Markthalle ihre dritte Berner Filiale eröffnen. Die Niederlassungen im Monbijou und in der Aarbergergasse blieben trotz des neuen Standorts bis auf weiteres bestehen, teilte das Unternehmen am Mittwoch auf Anfrage mit.

Kletterwand sorgt für Erlebnisse

Mit insgesamt 3500 Quadratmetern Verkaufsfläche wird die Filiale in der Markthalle etwa gleich gross wie der Flaggschiff-Laden an der Europaallee in Zürich. Dieser ist nicht nur in Sachen Grösse das Vorbild für das neue Geschäft. Auch das Konzept wird jenem von Zürich ähneln, wie Transa-Sprecherin Sasa Löpfe gegenüber der Nachrichtenagentur SDA bestätigte. Zwar kommuniziert Transa noch keine Details, was in Bern geplant ist – dafür sei es noch zu früh –, doch dürften in der Markthalle wie in Zürich Unterhaltung und Erlebnis grossgeschrieben werden. So steht in Zürich etwa eine meterhoche Kletterwand.

Der im Jahr 2012 eröffnete Flaggschiff-Laden ist ein Erfolg. Er sei für die Hälfte des gesamten Umsatzes verantwortlich, schrieb die Zeitung WOZ schon zwei Jahre nach der Einweihung. Dass dieser Erfolg der Grund dafür ist, dass Transa das Zürcher Konzept nun in Bern kopiert, will Löpfe nicht bestätigen. In erster Linie gehe es darum, in Bern die gesamte Produktpalette und Beratungskompetenz anbieten zu können. Zudem sei das Unternehmen schon seit 1982 in Bern präsent, weshalb die Stadt einen hohen Stellenwert habe in der Transa-Kultur.

Zudem sieht Transa-Chef Daniel Humbel Bern als wichtigen Standort, um Kunden aus der Westschweiz zu gewinnen. Transa rechne mit Kunden aus dem ganzen Kanton Bern, dem Wallis und der Romandie, wird er im Communiqué zitiert. In der Westschweiz ist das Unternehmen, das aktuell zehn Niederlassungen betreibt, nicht präsent.

Stapi ist nicht nur glücklich

Transa will die grosse Fläche nicht allein nutzen. Man suche drei bis vier Partner für den Laden. Insgesamt sollen diese rund 1000 Quadratmeter beanspruchen. In welchen Branchen Transa nach Partnern sucht, wollte Löpfe noch nicht sagen. Es seien verschiedene Gespräche am Laufen.

Keine Überraschung wäre es, wenn sich das Reisebüro Globetrotter in der Markthalle einmieten würde. Es hat sowohl an der Aarbergergasse als auch an der Europaallee bei Transa ein Büro und ist nicht nur langjähriger Partner, sondern auch Aktionär des Outdoor-Ausrüsters. Reisebürochef Dany Gehrig sagt dazu, die Zusammenarbeit mit Transa an der Europaallee laufe sehr gut. Globetrotter prüfe zurzeit alle Alternativen.

Laut Stadtpräsident Alec von Graffenried ist zudem eine Kaffee-Bar geplant. Er sieht darin eine kleine Reminiszenz an die alte Markthalle. «Das ist zwar kein Anknüpfen an die alte Markthalle, aber immerhin ein positiver Schritt», findet von Graffenried. Vielleicht bestehe ja sogar die Möglichkeit, das Konzept noch stärker in Richtung Markthalle weiterzuentwickeln. Der Gemeinderat würde das laut von Graffenried begrüssen.

Einerseits ist aus der Stellungnahme des Stapi Bedauern herauszuspüren, etwa wenn er sagt, der Gemeinderat habe die Schliessung der alten Markthalle immer bedauert und Bemühungen um eine Wiedereröffnung unterstützt. Andererseits wertet er den Schritt von Transa als positives Zeichen dafür, dass die Berner Innenstadt «auch in Zeiten des raschen Strukturwandels nach wie vor hochattraktiv bleibt». Und: Transa schafft in Bern immerhin rund 50 bis 60 neue Arbeitsplätze.

Outdoor-Markt boomt

Angefangen hat Transa vor 40 Jahren als Reiseveranstalter – organisiert als Verein; erst mit der Zeit verkaufte das Geschäft auch Kleidung und Ausrüstung – seit 1984 als Aktiengesellschaft. Heute profitiert Transa davon, dass der Sport- und Outdoor-Markt boomt. Sportbekleidung wird nicht mehr nur von Sportlern getragen, sondern gehört längst zum Alltag. Experten schätzen das weltweite Wachstum im Bereich Sport und Outdoor deshalb auf 9 Prozent pro Jahr, für die Schweiz rechnen sie immerhin mit knapp 5 Prozent. Besonders gross sei das Wachstum online.

Trotz Konkurrenz aus dem Internet konnte das Unternehmen offenbar Umsatz und Gewinn in den letzten Jahren steigern. Zwar gibt Transa keine detaillierten Zahlen bekannt. Löpfe sagt aber, Transa könne bei allen Zahlen «eine gesunde Entwicklung verzeichnen».

Der Flaggschiff-Laden in Zürich mit seiner Kletterwand ist das Vorbild für die Transa-Filiale in der Markthalle. Foto: Jonny Schai (zvg)

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