Eingesperrt, angekettet – und mit Köpfchen und etwas Mut zurück in die Freiheit

Die «Adventure Rooms» sind die Idee eines Berner Tüftlers. Weltweit eröffnen neue Standorte, im Juni auch am Waisenhausplatz.

Der Countdown läuft: Ein Stunde haben die Teilnehmer Zeit, um sich aus Gabriel Palacios Adventure Room zu befreien.

Der Countdown läuft: Ein Stunde haben die Teilnehmer Zeit, um sich aus Gabriel Palacios Adventure Room zu befreien. Bild: Franziska Scheidegger

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Im Sommer 2012 wurde Gabriel Palacios an einem Musikfestival in Ungarn in einen Lastwagen eingesperrt und musste Logikrätsel lösen, um wieder freizukommen. Weit gefehlt, wer dahinter sadistische Machenschaften vermutet: Aus dem Spiel entwickelte Palacios die Idee der «Adventure Rooms», ein kniffliger Rätselspass, bei dem sich die Teilnehmer binnen einer Stunde aus einem Keller befreien müssen. In Handschellen gekettet starten sie in einem Raum, umgeben von Zahlencodes, Schlössern, Schlüsseln und Hinweisen. Nur wer richtig kombiniert, sein logisches Denken ankurbelt und mit Neugierde alle Gegenstände untersucht, gelangt in die weiteren Spielphasen und gewinnt den Wettlauf gegen die Zeit. «Nur etwa ein Drittel der Teilnehmer schafft es, alle Rätsel zu lösen», sagt Palacios.

Nummer eins bei Tripadvisor

Der Physiklehrer durchforstet Brockenstuben, modifiziert Möbelstücke und überlegt sich «bei allerlei Objekten, ob ich sie in ein Rätsel integrieren kann». Dazu gehören Schränke und Plüschtiere, aber auch eine Infrarotkamera oder eine 3-D-Brille. Seit Januar 2013 gibt es die Adventure Rooms in der Länggasse, ab Juni mietet Palacios sein Unternehmen in ein Kellergewölbe am Waisenhausplatz ein. «Für die neuen Spiele brauche ich mehr Platz, auch für die Kundschaft ist der Keller in der Länggasse zu klein.»

Die Kundschaft, das waren zunächst Palacios Schüler aus dem Gymnasium Hofwil, welche die Rätsel testen durften. Kaum hatte er sein Unternehmen bei Tripadvisor, einer Touristikwebsite mit Erfahrungsberichten, eingetragen, kamen Touristen aus aller Welt. Diese lösen die Rätsel sehr unterschiedlich: «Je nach der Kultur in den Herkunftsländern trauen sich die Teilnehmer kaum, Gegenstände überhaupt anzufassen», sagt er. Andere scheuten hingegen nicht davor zurück, die teure Infrarotkamera als Hammer zu verwenden. «Ich sah mich gezwungen, gewisse Objekte mit einem schwarzen Kreuz zu markieren.» Damit werde signalisiert, welche Gegenstände nicht zum Spiel gehörten. Heute sind die Adventure Rooms bei Tripadvisor auf Platz eins der Sehenswürdigkeiten in Bern – vor dem Bundeshaus, dem Münster oder dem Bärengraben.

Idee weltweit vermarktet

Als Franchisen verkauft Palacios seine Idee über den ganzen Globus. «Es kommen wöchentlich neue Anfragen aus den verschiedensten Ländern.» Wer seinen eigenen Rätselkeller eröffnen will, bezahlt 10'000 Franken Grundgebühren, ein Honorar von 9,5 Prozent und muss mit Anfangsinvestitionen von 9000 rechnen. Gerade kam Palacios aus Athen zurück, übers Wochenende war er in Chur. Neben der Länggasse gibt es Adventure Rooms auch in Luzern, zweimal in Kanada, dreimal in den USA. Er steht in Kontakt mit Interessenten aus Paris, Florenz, Köln, Tallinn, Moskau und Jakarta.

Wann immer möglich reist der Geschäftsführer selbst an die geplanten Standorte. Dort nimmt er die Räumlichkeiten unter die Lupe, bespricht die Rätsel, gibt Tipps zur Durchführung der Spiele oder zu den administrativen Abläufen. Dann erst erhält der Franchisenehmer das registrierte Adventure Rooms-Logo.

Zwei komplett neue Spiele

Palacios hätte mit seinem Unternehmen genug zu tun. Auf den Lehrberuf wolle er aber nicht verzichten, «das lässt mein Herz nicht zu». Nach wie vor unterrichtet er in einem kleinen Pensum am Gymnasium Hofwil. «Ich wollte ursprünglich das Unternehmen aufbauen und wieder mehr unterrichten, sobald alles läuft.» Nun sehe es aber eher so aus, als folgten auf jede aufgebaute Franchise drei weitere. «Zum Glück werde ich von meinem Bruder dabei unterstützt. Wir führen das Unternehmen seit letztem Sommer gemeinsam.» Der eine erprobt die Rätsel, der andere regelt das Finanzielle.

Im Kellergewölbe am Waisenhausplatz stehen Palacios 120 Quadratmeter für die Umsetzung seiner Ideen zur Verfügung. «Ich habe nach Orten gesucht, die Charakter haben und abenteuerlich aussehen», sagt er. Für die neuen Räumlichkeiten habe er zwei komplett neue Spiele entwickelt. Wie diese aussehen, will Palacios nicht verraten. «Die Kernelemente sind aber in allen Rätseln enthalten.» So beginnt man in Handschellen und sucht anschliessend nach Schlüsseln und Codes, um den Weg nach draussen zu finden. Einen Hinweis dürfe er aber bekannt geben: «Kürzlich führte eine Firma einen Teamevent bei uns durch.» Nun stehe er mit den Vertretern in Kontakt. «Mit deren Produkten lässt sich sicher etwas austüfteln.» Es handelt sich um eine Ventilatorenfirma. (Der Bund)

Erstellt: 28.04.2014, 08:19 Uhr

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