Eine Mini-Golf-Anlage in vier Tagen

Seit Mittwochmorgen kämpfen in Bern 900 junge Berufsleute um den Titel an den Schweizer Berufsmeisterschaften.

900 Teilnehmer kämpfen an den Berufsmeisterschaften um die Titel.
Video: Noah Fend, Christian Zellweger

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Zahlreiche Lehrpersonen zählen auf dem Guisanplatz ihre Gruppen durch. Massenweise strömen Schulklassen dann durch das grosse, gelbe Eingangstor in das Bernexpo-Areal. In den Zelten und Hallen hinter dem Eingangszaun wird bereits gehämmert, gehobelt, geschweisst und gemistet. Seit Mittwochmorgen um 9 Uhr sind an den «Swiss Skills» die Schweizer Berufsmeisterschaften im Gang. 135 Berufe aus 79 Berufsverbänden präsentieren sich bis am Sonntag der Öffentlichkeit, 75 von ihnen tragen in diesen Tagen auch ihre nationalen Berufsmeisterschaften aus.

Ein Grossteil der Berufe kann zudem von den Besuchern selbst ausprobiert werden. Dieser Grossanlass - der grösste seiner Art weltweit - lockt viele Besucher an. Über 120'000 Tickets wurden bereits vor dem gestrigen Start verkauft. Es sind zu über der Hälfte auch Schulklassen aus der ganzen Schweiz, die den Anlass gemeinsam besuchen, als Teil der Berufsbildung. Um die über 60'000 Schüler nach Bern zu bringen, werden 40 Extrazüge der SBB eingesetzt.

Von Strassenbau zum Melkwettbewerb

Mitten im Wettbewerb befanden sich am Vormittag beispielsweise die zwölf qualifizierten Strassenbauer. Die jungen Männer haben bis am Samstagnachmittag um 15 Uhr Zeit, um eine Minigolf-Anlage aus dem Boden zu stampfen. In einem Zelt wurde dazu tonnenweise Erde aufgeschüttet und plattgewalzt. Alles Weitere ist nun Sache der jungen Bauarbeiter. «Beurteilt werden sie von Experten, die nicht nur auf das Endresultat, sondern auch auf den Arbeitsprozess und die Sicherheit achten», sagt der Chefexperte der Strassenbauer, Werner Portmann. Gleich hinter den Strassenbauern wird eifrig geschweisst.

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Die Schweisser befinden sich in den letzten Minuten ihres ersten Wettkampfs. Dennoch fliegen an einigen Arbeitsplätzen noch die Funken. Währenddessen tritt in der Halle nebenan ein junger Landwirt zum Melkwettkampf an. Zwei Experten stehen dabei und beobachten akribisch jeden Handgriff, während sich der Landwirt die Handschuhe überzieht und die Melkmaschine vorbereitet. «Das Einhalten der Hygienevorschriften ist sehr wichtig. Milch gehört zu den heikelsten Lebensmitteln und darf keinesfalls verunreinigt sein», erklärt Experte Mechler, der den Teilnehmer bewertet. Auch der Umgang mit dem Tier ist ein Teil der Bewertung.

Grossanlass mit modernster Technik

Die temporäre Fabrik, die aus insgesamt 15 Hallen auf dem Gelände der Bernexpo aufgebaut wurde, kostet die Veranstalter 16,5 Millionen Franken. Ein Grossteil davon stammt von der öffentlichen Hand, namentlich von Bund, dem Kanton und der Stadt Bern. Die einzelnen Stände werden von den entsprechenden Berufsverbänden selbst finanziert. Einzelne davon wenden nochmals bis zu einer Million Franken auf für das Einrichten ihres Schauplatzes. Zusammen geben die Verbände nochmals 15 bis 20 Millionen Franken aus.

Beim Kampf um den Titel des Schweizermeisters ist kein Aufwand zu gross. Viele Berufsverbände transportierten tonnenschwere Maschinen und modernste Technik nach Bern, um auf dem Laufsteg der Lehrberufe zu glänzen. Die Landmaschinenmechaniker etwa schrauben an einem riesigen Mähdrescher und an echten Baggern. Die Polymechaniker arbeiten an grossen Fräsen und die Bootsbauer an einem Schiffsmotor. 1100 Scheinwerfer und 30 Kilometer Kabel sorgen dafür, dass die Lehrlinge im besten Licht dastehen. Die Swiss-Skills-Fabrik erstreckt sich über eine Fläche in der Grösse von 14 Fussballfeldern.

Berner Pionierarbeit

Zuletzt fanden solche zentralisierte Schweizer Berufsmeisterschaften 2014 statt. Bereits das zweite Mal finden sie nun in Bern statt. Reto Wyss, Regierungsrat des Kantons Luzern und Präsident der Swiss-Skills-Stiftung, windet den Organisatoren ein Kränzchen: «Bern hat als Austragungsort der Swiss Skills 2014 Pionierarbeit geleistet und sich einen tollen Ruf erarbeitet». Und auch dieses Jahr «passt hier sehr viel zusammen», so Wyss bei der Eröffnung am Mittwochmorgen. Für die nächste Austragung 2022 hat Bern dennoch bereits jetzt eine Konkurrentin. Auch Stadt und Kanton St. Gallen haben Interesse angemeldet, Gastgeberin der Swiss Skills 2022 zu sein.

(Der Bund)

Erstellt: 12.09.2018, 12:04 Uhr

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