Alkoholverwaltung geht an den Meistbietenden

Wer das Prunkstück an der Länggassstrasse erwirbt, ist noch unklar. Die Stadt wollte auf dem Areal Wohnungen bauen – konnte aber beim Bieten nicht mithalten.

Die Eidgenössische Alkoholverwaltung zieht von Bern nach Delsberg.

Die Eidgenössische Alkoholverwaltung zieht von Bern nach Delsberg.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Die Länggassstrasse wird bald verkehrsberuhigt. Als Folge davon werden an der heutigen Verkehrsachse die Mietzinse in die Höhe schiessen. Der Zeitpunkt für einen Verkauf der Eidgenössischen Alkoholverwaltung an den Meistbietenden ist aus Verkäufersicht also günstig. Der Bund will das Jugendstilgebäude und den benachbarten Neubau samt Postfiliale loswerden, weil die Alkoholverwaltung reorganisiert und bis Ende 2018 ausziehen wird. Da die Verhandlungen mit einem potenziellen Käufer kurz vor dem Abschluss stünden, würden aber weder zum Verkaufspreis noch zum Käufer Angaben gemacht, sagt eine Sprecherin der Alkoholverwaltung. Die beiden Gebäude wurden Ende letzten Jahres zu einem Ausgangspreis von 35 Millionen Franken ausgeschrieben (der «Bund» berichtete). Der Detailhändler Coop hatte damals sein Interesse signalisiert – schliesslich hat er aber auf die Unterbreitung eines Angebots verzichtet, wie ein Coop-Sprecher auf Anfrage erklärt.

«Nur für spekulative Zwecke»

Interesse an der zentral gelegenen Immobilie hatte aber die Stadt Bern. Sie wollte auf dem Areal einen Umbau der Bürogebäude in Wohnungen prüfen. «Wir haben 18 Millionen Franken geboten», sagt Finanzdirektor Michael Aebersold (SP). Der ursprünglich verlangte Ausgangspreis von 35 Millionen Franken liege ausserhalb der Summe, die für einen Anbieter der öffentlichen Hand noch realistisch sei. «35 Millionen können nur für spekulative Zwecke bezahlt werden», sagt Aebersold. Die Stadt hat zwar noch keine offizielle Absage erhalten. Dem Vernehmen nach liegt der Verkaufspreis nun aber deutlich höher als die von der Stadt gebotene Summe.

Heftige Kritik aus dem Quartier

Im Quartier löst der Zahlenpoker Unmut aus. Der Verkauf an den Meistbietenden ist aus der Sicht der Quartierentwicklung «unverständlich und letztlich verantwortungslos», sagt Daniel Blumer, Geschäftsführer der Quartierkommission Länggasse (QLä). Er kritisiert am Verkauf vor allem das fehlende Verantwortungsbewusstsein der öffentlichen Hand, das darin zum Ausdruck komme: Zurzeit werde manch ein Areal von Bund und Kanton auf den Markt geworfen, sagt Blumer. Angesichts der Zinsflaute im Wertschriftenbereich sei es auch kein Problem, Käufer für Liegenschaften zu finden. «Das Geld kann im Moment fast nur noch in Immobilien parkiert werden.» Der Verkauf der Alkoholverwaltung an den Meistbietenden ist für Blumer ein Paradebeispiel für diese Mechanismen. Damit lasse der Bund eine Möglichkeit zur Steuerung der Quartierentwicklung in der Länggasse aber nicht zu. «Der Bund fährt zwar kurzfristig einen schönen Profit ein», sagt Blumer.

Die Interessen des Quartiers blieben aber auf der Strecke. «Wir können nur hoffen, dass nicht eine Firma aus Übersee den Zuschlag erhalten hat, die das Gebäude leer stehen lässt, wie das beim Swisscom-Tower im Osten Berns der Fall ist», sagt Blumer.

Post pocht auf ihren Mietvertrag

Sorgen macht man sich in der Quartierkommission insbesondere auch um die Zukunft der Postfiliale. Zumindest in dieser Hinsicht gibt es aber Zeichen der Entwarnung. Die Post habe einen gültigen Mietvertrag mit längerer Kündigungsfrist, sagt Post-Sprecher Markus Werner. «Wir gehen davon aus, dass wir bleiben können.»

Der Bund

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