Duell der Berner Leihvelos

Wie bewähren sich die E-Bikes des neu gestarteten Anbieters Smide im Vergleich zu Publibike? Der «Bund» macht den Test.

Ein E-Bike von Publibike (vorne) und eines von Smide (hinten).

Ein E-Bike von Publibike (vorne) und eines von Smide (hinten). Bild: nfe

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Am Donnerstag erhielt der Veloverleihanbieter Publibike in Bern einen Konkurrenten. Die Zürcher Firma Smide hat ihre ersten 50 E-Bikes in der Stadt verteilt. Smide wird seinen Bestand in den kommenden Monaten sukzessive erhöhen. Im März sollen in der Stadt Bern 200 E-Bikes verfügbar sein, im Herbst 2019 dann gar 300. Doch worin unterscheiden sich die beiden Anbieter? Und welche Fahrräder sind besser? Der «Bund» hat sie im Selbstversuch in sechs Kategorien getestet.

1. Welche Velos sind näher? Auf der Website oder auf der Publibike-App sind alle Stationen auf einer Karte eingezeichnet. Ist man im Zentrum, befindet sich die nächste Station meist in der Nähe. Ebenfalls auf der App ist der aktuelle Fahrradbestand an jeder Station einzusehen. Bei der Suche nach Publibike-Velos geht kaum Zeit verloren. Smide setzt auf ein «Free-Floating-System». Es gibt keine festen Stationen. Die E-Bikes von Smide kann man in einer grossen Zone innerhalb der Stadt Bern auf jedem beliebigen öffentlichen Parkplatz abstellen. Die Fahrräder sollen sich durch die Nutzer selbst verteilen.

Während man bei Publibike sicher sein kann, dass die nächstgelegene Station schnell erreichbar ist, muss man bei Smide Glück haben. Das nächste E-Bike könnte gleichermassen direkt vor der Haustür wie in beträchtlicher Entfernung stehen. Die Chance, schneller ein Publibike als ein Smide-Velo zu finden, ist aber gross. Insbesondere solange Smide in Bern nur 50 Velos betreibt.

2. Womit ist man schneller unterwegs?
Sitzt man einmal im Sattel, sind die Unterschiede in der Beschleunigung dann beträchtlich. Die Smide-Boliden mit maximalem Antrieb beschleunigen innert wenigen Sekunden auf 35 Stundenkilometer. Tritt man dann noch ein wenig in die Pedalen, erreicht man rasch über 40. Die Beschleunigung der E-Bikes von Publibike ohne Gangschaltung ist wesentlich bescheidener. Wer Zeit hat, zum nächsten Smide-Velo zu gehen, der fährt damit seinem Ziel deutlich schneller entgegen.

3. Welches Velo passt besser?
Bei beiden Velos ist die Sattelhöhe mit einem einfachen Handgriff verstellbar. Auch verfügen beide über Velokörbe, die Platz bieten für einen grösseren Rucksack oder eine Einkaufstasche. Smide sticht jedoch heraus mit einer extra angebrachten Smartphone-Halterung am Lenker und einem Display im Rahmen, der die aktuelle Geschwindigkeit und die Stärke des elektrischen Antriebs sowie die verbleibende Reichweite anzeigt. Ausserdem verfügt das Smide-Velo über rund 24 Gänge. Während die Beine auf demPublibike-Rad schon durchdrehen, schaltet man auf dem E-Bike von Smide bequem noch ein paar Gänge höher. Dieser Punkt geht an Smide.

4. Wie teuer sind die Leihvelos?
Pro Zeiteinheit ist Smide teurer als Publibike. Publibike verrechnet bei E-Bikes 4.50 für die erste halbe Stunde, während bei Smide bereits die ersten 20 Minuten 5 Franken kosten. Keinen Preisunterschied gibt es hingegen bei Tagesabos. Bei beiden Anbietern erhält man für 40 Franken ein Velo für 24 Stunden. Tagesabonnenten gehen besser zu Smide. Für denselben Preis gibts da mehr. Für gemütlichere Kurzstrecken geht der Punkt an Publibike.

5. Wie einfach lassen sich die Velos entsperren?
Beide Systeme präsentieren sich sehr benutzerfreundlich. Die Registrierung ist einfach und geht zügig. Das Entsperren eines Publibikes ist dennoch etwas umständlicher als bei Smide. Die offene App muss nahe ans Schloss gehalten werden. Gleichzeitig hat man einen Knopf zu drücken. Das Schloss springt nicht immer gleich auf, sondern bedarf teilweise etwas Nachhilfe. Dafür kann man auch mit dem Swiss-Pass, also ohne App, die Velos freischalten.

Die Smide-E-Bikes sind physisch gar nicht abgeschlossen. Mit einem Klick auf dem Smartphone loggt man sich im System ein und startet den Motor des E-Bikes. Ein weiterer Pluspunkt bei Smide: Verfügbare Velos kann man für 10 Minuten reservieren. Bei Publibike gibt es diese Option nicht. Das letzte verfügbare E-Bike an einer Station kann einem vor der Nase weggeschnappt werden.

6. Wie sicher ist man unterwegs?
Punkto Sicherheit steht unentschieden. Die langsameren Publibikes sind per se weniger gefährlich. Die schnellen und gefährlicheren Smide-Velos sind dafür mit einem Rückspiegel und Helm ausgestattet. Dieser ist für die Nutzer Pflicht. Smide-Velos kann ausserdem nur nutzen, wer einen Führerschein besitzt und sich im Strassenverkehr auskennt.

Fazit
Insgesamt punktet Smide vor allem bei der Geschwindigkeit und im technischen Bereich. Keine physischen Schlösser und ein starker Antrieb machen das Benützen einfach. Smide ist für längere Strecken die bessere Wahl. Man ist schnell und flexibel unterwegs. Innerhalb der Zone ist das Abstellen zudem praktischer, weil es nicht an bestimmte Stationen gebunden ist.

Publibike hingegen ist in der Stadt momentan viel präsenter. Die vielen Velos stehen immer an den gleichen Orten und sind da verlässlich zu jeder Zeit zu finden. Für kurze Strecken ist Publibike Smide deshalb wohl überlegen. Man verliert kaum Zeit bei der Suche nach einem Velo und ist damit einigermassen zügig unterwegs.

Welches System sagt Ihnen besser zu? Lassen Sie es uns wissen, unten in der Kommentarspalte.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.09.2018, 17:44 Uhr

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