Die nächtliche Gastro-Wüste

Zahlreiche Betriebe sorgen in der Stadt Bern für kulinarische Vielfältigkeit. Zu später Stunde reduziert sich das Angebot aber drastisch.

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Christian Zellweger@@chzellweger

Wer in Bern noch unterwegs ist, wenn es vom Münsterturm zwölf schlägt, sollte keinen Hunger mehr haben – oder sich beeilen. Denn unter der Woche gibt es in der Stadt spätestens um halb Eins nichts mehr in den Magen.

Am Gesetz liegt das nicht: Für Take-Aways, die nicht unter das Gastgewerbegesetz fallen, ist zwar auf jeden Fall spätestens um halb Eins Schluss. Wenn aber ein Betrieb die entsprechenden Auflagen erfüllt, erhält er eine generelle Überzeitenbewilligung. Damit könnte er rund um die Uhr geöffnet haben. Für die Betriebe im Bahnhof Bern ist die Situation leicht anders – und noch liberaler: Auf dem Gelände der SBB können sie, im Rahmen des Bundesgesetzes, ihre Öffnungszeiten selbst bestimmen.

Bedürfnis zu gering

Der Rockgarden im Bahnhof Bern nutzt diese Möglichkeit zumindest am Wochenende und bietet rund um die Uhr warmes Essen an. «Dieses Angebot wird am Wochenende von den Gästen sehr gut verdankt», sagt Geschäftsführer Moreno Pedrazzoli. Unter der Woche wäre dieser Betrieb aber nicht tragbar. Der Grund dafür ist simpel: Es gibt schlicht zu wenig Gäste, die das Bedürfnis haben, sich mitten in der Nacht zu verpflegen.

Eine Einschätzung, die auch der Präsident städtischen Sektion von Gastro Bern, Hans Traffelet, teilt: «Wenn das Bedürfnis gross genug wäre, würde sicher einer unserer Wirte auch in der Nacht warmes Essen anbieten». Grund für das mangelnde Angebot ist also schlicht die schwache Nachfrage. «Wir sind halt in Bern und nicht in Zürich», sagt Pedrazzoli.

Kein ungestillter Hunger am Wochenende

Und so bleibt dem Nachtwanderer von Sonntag bis Mittwoch also bis auf weiteres nichts anderes übrig, als sich zu Hause selbst zu versorgen. Besser als der einsame Heimkehrer zu später Stunde haben es die zahlreichen Nachtschwärmer am Wochenende. Jeweils ab Donnerstag bleiben die Küchentüren zumindest in einigen Lokalen auch spät in der Nacht geöffnet.

Das Angebot ist dann hauptsächlich salzig und fettig – abgestimmt auf ausgehungertes Clubvolk. Der Klassiker unter dieses Lokalen ist das Kebab-Restaurant «Pronto» an der Aarbergergasse. An der Genfergasse gibt es Fast Food beim Burger King und auch Konkurrent McDonalds hat fast durchgehend geöffnet. Neben dem Rockgarden ist im Bahnhof auch der Stand des Brezelkönigs fast die ganze Nacht lang geöffnet.

Das Angebot wird grösser

Dieses Angebot am Wochenende wird in den nächsten Monaten sogar noch grösser. So planen die Betreiber des Kapitels eine Crêperie, die an den Wochenenden auch in der Nacht offen sein soll. Aus einer Kollaboration des ehemaligen Liquid-Betreibers Matthias Flückiger und des Fassbar-Chefs André Brechbühl entsteht Ende Januar das «Driisg Euf» an der Genfergasse. Bis morgens um halb Vier wollen die beiden hier unter anderem Piadinas anbieten.

DerBund.ch/Newsnet

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