«Die legendärste Meisterfeier, die es je gab»

Am Pfingstsonntag fand die lang ersehnte Meisterfeier von YB statt: Ein Tag voll dröhnender Musik, beissendem Rauch und überglücklichen Fans.

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«C'est la nuit de triomphe» dröhnt es abends von der Bühne im Stade de Suisse. Der YB-Meistersong bringt die gelbschwarze Masse auf dem Platz zum Singen und Tanzen. Es ist soweit, nach 32 Jahren gibt es in Bern wieder einmal eine Fussballmeisterfeier. Es scheint fast so, als würden die Fans und die Spieler das erst jetzt richtig realisieren: Die Party ist in vollem Gang.

Einige Stunden zuvor: Es ist 13:30 Uhr. Der Bundesplatz füllt sich immer mehr. Tausende strömen auf den Platz, doch die Kapazität ist begrenzt: Ab zirka 25'000 wird der Platz dicht gemacht, sagte Sicherheitsdirektor der Stadt Bern Reto Nause im Vorfeld. Die Spieler sind noch nicht da, aber Jöggi Rihs – der Bruder des kürzlich verstorbenen YB-Patrons Andy Rihs – zeigt sich kurz am Café Federal, die Menge jubelt ihm frenetisch zu. Er geniesst es sichtlich.

Eine ganze Stadt im Meisterrausch

Alle Alters- und Gesellschaftsschichten scheinen vertreten. Ein Vater mittleren Alters mit seinem 10-jährigen Sohn, Jugendliche, ältere Herren und Frauen. Ultras, Modefans, Leute die einfach heute mitfeiern wollen. «Die Gefühle sind nicht mehr dieselben, wie vor drei Wochen», sagt Steffan mit YB-Leibchen und Bier in der Hand. Aber er freue sich trotzdem auf einen tollen Abend. Er war selbst im Stadion und stürmte wie tausende auf das Feld, als am Ende des Spiels gegen Luzern klar war, dass YB Meister war.

Kurz nach 14 Uhr kommen diejenigen, die diese Feier erst möglich gemacht haben: Die Spieler und ihr Staff. Jeder wird einzeln aufgerufen, am grössten sind die Jubel bei den Fanlieblingen Hoarau, von Bergen, Wölfli. Jeder Spieler macht dabei die Welle. Vereinzelt zünden Ultras Rauchpetarden, einige Eltern verlassen deswegen den Platz für kurze Zeit. Sie lassen sich die Party aber nicht verderben: Etwas abseits würdigen sie die Spieler. Der Höhepunkt ist die Pokalpräsentation, der ganze Platz bebt in diesem Moment. «Meister, Schweizer Meister», grölt die Menge.

Einige verlassen den Platz um 16 Uhr in Richtung Stade de Suisse – zunächst noch vereinzelt, dann immer zahlreicher. Die Spieler gehen nicht zu Fuss, sie besteigen einen Party-Lastwagen. Dort können sie sich von den zehntausenden Fans feiern lassen, die Musik läuft weiter, jeder Spieler lächelt, Wölfli blickt zufrieden in die Menge und zieht genüsslich an seiner Zigarre.

Der harte Kern übernimmt

Als die Spieler an der Zytglogge ankommen, hüllen Ultras die Meisterfahrzeuge in beissenden Rauch, der YB-Schal nützt nun vielen als Atemschutz. Ob Fan oder nicht, hier bleibt eindeutig kein Auge trocken, die Euphorie ist ansteckend: Eine ganze Stadt ist im YB-Fieber. Viele Fans stehen auf den historischen Brunnen und singen zu Siegerliedern wie «We are the champions».

Als der ganze Tross um etwa 17 Uhr in der unteren Kramgasse ankommt, übernimmt der harte Kern der Fans das Zepter. Sie formieren sich mit riesigen Transparenten und singen Fangesänge. Geschlossen marschieren sie über die Nydeggbrücke. Dort bleiben sie stehen, richten sich gegen den Aargauerstalden. «Young» rufen sie, ein «Boys» erhallt von den Fans von oben zurück. Auch die Polizisten «youngboysen» mit: Das Fahrzeug hat mehrere Kleber und einen YB-Schal auf der Windschutzscheibe.

Musikalische Leckerbissen

Der Fan-Umzug bewegt sich zielstrebig in Richtung Stadion. Dort angekommen gibt es nach der Eingangskontrolle etwas Luft: 40'000 hätten Platz 30'000 sind zunächst da. Das Prozedere wiederholt sich: Die Spieler und das Staff werden erneut aufgerufen und gewürdigt. Der Ansager steckt die Erwartungen hoch: «Das wird die legendärste Meisterfeier, die je stattgefunden hat.»

Musikalisch ist die Meisterfeier ein Leckerbissen: Zunächst startet Oli Kehrli mit hübschen Chansons, die alle YB gewidmet sind. Dann taucht Wurzel 5 aus dem Nichts auf und feiert die Stadt Bern. Auch Manillio gibt eine Ehrenrunde, bevor die Spieler die Bühne nochmals einnehmen. Eine News darf Steve von Bergen exklusiv ankünden: «Ich habe meinen Vertrag um ein Jahr verlängert», ruft er den Feiernden zu. Die nächste Band sind Lo und Leduc.

Auch Züri West präsentieren sich noch live auf der Bühne und singen das Lied «Pünktli» extra für «Andi und Alex, die heute leider nicht hier sein können», sagt der Sänger Kuno Lauener. Er meint damit Andy Rihs, YB-Patron und Alexander Tschäppat, der ehemalige Stadtpräsident, die beide vor kurzem verstorben sind. Als die Berner Mundartrocker um 20 Uhr YB ihr Herz schenken, lichten sich die Reihen schon wieder. Für viele geht die Feier aber munter weiter – es ist schliesslich Freinacht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.05.2018, 23:21 Uhr

Laute, aber friedliche Feier

Laut aber friedlich sei die Feier gewesen, so die Bilanz der Kantonspolizei Bern, man habe sich dementsprechend im Hintergrund halten können, wie es auf Anfrage heisst. Vereinzelt seien Sprayereien festgestellt worden, Anwohner hätten zudem Fans gemeldet, welche im öffentlichen Raum urinierten.

Ein Thema waren auch die zahlreichen Pyrofackeln, die auf dem Bundesplatz, während dem Umzug und auch im Stadion gezündet worden waren. Das Zünden von solchen Fackeln in einer Menschenmenge ist eigentlich verboten. Ein Eingreifen in der Menge wäre aber «nicht verhältnismässig» gewesen.

Im Laufe der Feierlichkeiten seien fünf Personen im Zusammenhang mit Pyro-Material kontrolliert worden. Zu weiteren Massnahmen könne man noch keine Angaben machen.(zec)

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