Die Turnhalle-Küche wird arabisch

Mittags, abends, im Sommer und im Winter: Sami Daher richtet in der Turnhalle im Progr nun fix eine Pittaria ein. Liebhabern der arabischen Küche und «Lonely Planet»-Autoren ist er längst ein Begriff.

Sami Daher litt unter Heimweh. Als Gegenmittel schickte er sich an, die perfekte Falafel zuzubereiten. Künftig produziert er die Kichererbsenbällchen in der Turnhalle-Küche.

Sami Daher litt unter Heimweh. Als Gegenmittel schickte er sich an, die perfekte Falafel zuzubereiten. Künftig produziert er die Kichererbsenbällchen in der Turnhalle-Küche. Bild: Adrian Moser

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Seit Monaten sind die Herdplatten in der Küche der Café Bar Turnhalle kalt geblieben. Das 2013 eingeführte Kochkonzept ging zum Ende nicht mehr auf, zu wenige Gäste zeigten Interesse am Mittagsbetrieb mit den in Schälchen servierten Speisen. Im Dezember haben die Turnhalle-Betreiber den Küchenbetrieb eingestellt. Doch künftig sollen die Besucher nicht mehr hungrig nach Hause gehen.

Ab 20. April kehrt Pitta-König Sami Daher in die Turnhalle zurück, um seine arabischen Speisen anzubieten. Bereits in den Sommersaisons 2011 und 2012 hatte er mit seiner Pittaria in einem Stand im Progr-Innenhof gastiert, wo er sich mit gefüllten Fladenbroten einen Namen machte. Doch jetzt zieht er fest ein. «Ich wünschte mir immer ein dauerhaftes Lokal in Bern, nun habe ich ein Lokal im Lokal gefunden», so Daher, der seit 17 Jahren einen Take-away in Solothurn führt. Aktuell richtet er sich in der neuen Küche ein. Hier wird er als Wirt und Küchenchef amten.

Tahini und 40 Kilo Chutney

Die einfachen Gerichte, die Daher in der Kompaktversion als gefülltes Fladenbrot reicht, sind delikat. Frisch zubereitete Falafeln, gebratene Fischfilets oder Lammspiesse, Salat als Begleitung, Saucen als Akzente. 40 Kilo Chutney aus Apfel, Kürbis, Ingwer, Aprikosen, was die Erntekörbe gerade hergeben, bereitet Daher jeden Monat allein für seinen Betrieb in Solothurn zu. Das Chutney ist sein Markenzeichen. Für die Liebhaber der arabischen Küche hält er auch Hummus oder natürlich Tahini bereit, jene herbe Sesampaste, die im konzentrierten Zustand von solcher Bitterkeit ist, dass sie die Schleimhäute betäubt.

An seinem Konzept will Daher in der Turnhalle nur wenig ändern. Die Gäste holen ihre Speisen, ganz Take-away, an der Bar. Es wird Mezze- und Pitta-Teller geben. Und anstelle der Salate warme Beilagen. Schliesslich sollen sich die Gäste auch an einem kalten Winterabend in der Pittaria verköstigen. Die Herausforderung, im Winter ohne die Gäste im Innenhof auskommen zu müssen, schreckt Daher nicht. «Ich vertraue auf mein Produkt.»

Wirbel um den Schnellimbiss

Im Kosmos der Take-away-Gastronomie ist Sami Daher ein Weltenbürger. In Buchform, bequem im Handgepäck, hat er schon zahllose Landesgrenzen überschritten. Schlagen Touristen ihren «Lonely Planet Switzerland» auf, finden sie den Beizer gleich zweimal: Einmal als «Author’s Choice» und einmal unter den «Top Five of Switzerland». In der Pittaria von Sami Daher im beschaulichen Solothurn sei formidabel Falafel essen, heisst es. Das «überragende» Essen und die familiäre Atmosphäre haben es der «Lonely-Planet»-Redaktion seit mehreren Editionen angetan.

So ein Wirbel um einen Schnellimbiss? Sami Daher kann mit gastronomischen Blasiertheiten nichts anfangen. «Wenn das Essen authentisch und gut ist, spielt es keine Rolle, ob es in einem Sternerestaurant oder in einem Take-away serviert wird», sagt er. Und er hat keinen Zweifel daran, dass sein Produkt gut ist. Er gewann einst den Swiss Gastro Award in der Kategorie Take-away, täglich verkauft er in seinem winzigen Geschäft in Solothurn 150 gefüllte Brote. «Kebab hat es überall, doch gute Falafeln findet man selten», sagt er. Bevor Sami Daher dank Falafeln Karriere machte oder «aus der Magermilch Rahm wurde», wie man laut Daher im Arabischen sagen würde, waren die frittierten Kichererbsenbällchen sein Hobby – und seine Medizin.

Hilfestellungen aus Nazareth

1980, als er der Liebe wegen in die Schweiz kommt, arbeitet er erst mal als Psychiatriepfleger. Als Palästinenser ist er mit Entwurzelung vertraut, doch in der Schweiz plagt ihn das Heimweh. Am Wochenende kocht er nach, was seine Mutter in der Küche der Nazarether Altstadtwohnung für ihn und seine Geschwister herrichtete. Sobald der Nachttarif gilt, telefoniert er nach Israel, um seinem kulinarischen Vorbild die wichtigsten Kniffe abzuringen. Welche Kichererbsen eignen sich am besten für die Falafelmasse? Wie viel Kreuzkümmel ist verträglich? Wie braun soll die Kruste sein?

Daher feilt er, bis er zufrieden ist. Seine damalige Frau hält ihn vorerst für verrückt, als er die Anstellung kündigt und einen Take-away eröffnet. «Ich war wirklich naiv. Doch damit konnte ich mir in der Fremde ein Stück Heimat schaffen.» Heute ist er sogar der Meinung, dass seine Falafeln die seiner Mutter überflügelt haben.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.04.2015, 11:22 Uhr

Öffnungszeiten

Bereits hat die Café-Bar Turnhalle die Aussenbar eröffnet. Die Pittaria wird am Montag, den 20. April, eingeweiht.

Öffnungszeiten:

Mo–Fr 11.30 bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 21.30 Uhr.

www.turnhalle.ch


www.pittaria.ch

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