«Die Tablets werden das Buch nicht verdrängen»

Tablets im Unterricht sind heute unerlässlich. Aber mindestens so wichtig wie die Ausstattung der Schulen sei die Vorbereitung der Lehrpersonen, sagt eine Expertin.

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Tablets würden nicht als Spass-, sondern als Lernmedium eingesetzt. (Symbolbild/Archiv)

(Bild: Keystone Gaëtan Bally)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

In jedem Schweizer Haushalt werden heute digitale Geräte genutzt. «Durch die blosse Nutzung von Smartphones oder Computern erlangt man aber noch keine Medienkompetenz», sagt Doreen Prasse, Dozentin am Institut für Medien und Schule der Pädagogischen Hochschule Schwyz. Es sei vor allem auch Aufgabe der Schule, Kindern und Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Geräten zu vermitteln.

«Interessanter, spannender»

Das Institut für Medien und Schule der PH Schwyz evaluiert im Auftrag von Samsung Schweiz den Einsatz von Tablets über drei Jahre (2015–2018) an 14 Schulen der Kantone Bern, Solothurn und Schwyz. Die erste Zwischenbilanz ist laut der Professorin mehrheitlich positiv ausgefallen.

Natürlich gebe es ein gewisses «Ablenkungspotenzial», mit dem ein Umgang gefunden werden müsse. Aber beim Einsatz von Tablets sei der Lerngewinn für die Schülerinnen und Schüler grösser. «Der Unterricht wird als interessanter, anschaulicher und spannender empfunden», sagt Prasse.

Die Tablets würden nicht als Spass-, sondern als Lernmedium eingesetzt. Gerade in der Unterstufe und in der Sonderpädagogik eröffne das Tablet mit dem grossen Touchscreen neue Möglichkeiten. Der Einsatz sei etwa für Lernspiele, aber auch für Film- und Tonaufnahmen im Sprachunterricht sinnvoll.

Vernetzt mit den Gspänlis

Ab der 3. oder 4. Klasse sei der Einsatz persönlicher Geräte sinnvoll. Dies sei aber auch eine soziale Frage. «Wichtig ist, dass alle Kinder gleichberechtigten Zugang zu den Geräten haben», sagt Prasse.

In diesem Alter könnten die Kinder das Tablet mit nach Hause nehmen, um damit Hausaufgaben zu erledigen oder sich mit den Schulgspänli für Gruppenprojekte wie zum Beispiel das Erfinden einer Geschichte zu vernetzen.

Über Anwenderkenntnisse hinaus

Anwenderkenntnisse allein reichen heutzutage aber nicht mehr aus. So sieht der Lehrplan 21 ab der 5. Klasse auch die Vermittlung von grundlegendem Informatikwissen vor. Laut Prasse geht es dabei nicht darum, aus den Schülern Programmierer zu machen. Aber sie könnten durch die Aneignung von Informatikwissen lernen, wie Computer funktionieren. Dadurch wandelten sie sich von reinen Konsumenten zu Produzenten digitaler Medien, sagt Prasse.

Die Bedürfnisse der Wirtschaft dürften dabei aber nicht im Vordergrund stehen. «Es geht um eine breite Medienbildung, die letztlich die Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe darstellt», sagt Prasse

Keine Gefahr fürs Lesen

Allfällige Ängste vor dem Ende des Buchzeitalters hält die Pädagogin für übertrieben. «An unserer Projektschule kommt das Tablet nur in 10 bis 15 Prozent der Unterrichtszeit zum Einsatz.» Das Gerät werde für spezifische Bedürfnisse eingesetzt. «Die Tablets werden das Buch nicht verdrängen.»

Es habe bisher noch keine Studie erwiesen, dass die Nutzung digitaler Medien die Lesefreudigkeit beeinträchtige oder die Lesekompetenz vermindere. Die Jugendlichen informierten sich im Internet eher über News und Lifestyle und kommunizierten vermehrt online. «Es werden aber auch weiterhin Krimis unter der Bettdecke gelesen», sagt Prasse.

Zentrale Rolle der Lehrperson

Tablets eröffnen also zahlreiche neue Möglichkeiten des interaktiven und sozialen Lernens. Ob die Kinder diese auch nutzen können, hänge aber von der Lehrperson ab. «Die Lehrkräfte müssen kompetent sein, und sie brauchen Zeit, Unterrichtszenarien für ihre Klassen zu entwickeln.»

Ausstattungsinitiativen seien ein Problem, wenn die Schulen darauf nicht vorbereitet seien und keine Begleitforschung stattfinde. «Sind die Lehrpersonen überfordert, reduziert sich der Tablet-Einsatz auf die Nutzung einzelner Apps», sagt Prasse.

Der Bund

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