Die Stadt Bern befürchtet Pendlersturm auf Kitas

Weil jetzt auch der Kanton Kita-Gutscheine einführt, befürchtet die Stadt Bern einen Engpass bei den Betreuungsplätzen.

Sollten sich die bösen Vorahnungen bestätigen, dürfte der Kleine bald mehr «Gspönli» um sich haben.

Sollten sich die bösen Vorahnungen bestätigen, dürfte der Kleine bald mehr «Gspönli» um sich haben. Bild: Julian Stratenschulte (Symbolbild)/Keystone

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Ab 2020 will der Kanton Bern Kita-Plätze nur noch mit Betreuungsgutscheinen finanzieren. Dies hat der Regierungsrat vor einem Jahr beschlossen. Nun legt er die Eckwerte vor, wie er den Plan umsetzen will. Gemeinden erhalten vom Kanton nur noch Geld für Gutscheine, aber keine direkten Subventionen für Kitas mehr. Die Gutscheine werden im ganzen Kanton gültig sein. So wird es Eltern möglich, ihr Kind zum Beispiel am Arbeits- statt am Wohnort betreuen zu lassen.

Vor allem für die Stadt Bern birgt diese Neuerung ein gewisses Risiko, wie der Leiter des städtischen Jugendamts, Alex Haller sagt. Wenn Pendler für ihre Kinder in Bern einen Betreuungsplatz suchten, werde das Angebot an Kita-Plätzen hier erneut knapp, befürchtet er. Seit der Einführung der Betreuungsgutscheine in der Stadt Bern haben sich Angebot und Nachfrage gut eingependelt. Im Moment sei die Nachfrage an Kita-Plätzen gedeckt, sagt Haller. Lange Wartelisten gebe es keine mehr. Aber eine gesteigerte Nachfrage könnte gemäss Marktlogik zu einer Verknappung und zu höheren Preisen führen. «Das ist eine Gefahr, mit der wir rechnen.» Denn neu sollen die Kitas in ihrer Preisgestaltung völlig frei sein.

Bisher gab der Kanton vor, wie viel eine Kita für einen Platz verlangen durfte, der mit einem Gutschein verbilligt wird: 116 Franken pro Tag, ohne Essenspauschale. Eine Kita benötige aber durchschnittlich 118 Franken pro Kind und Betreuungstag, um ihre Betriebskosten zu decken, sagt Haller. Wenn die Kitas in ihrer Preisgestaltung frei werden, ist es wahrscheinlich, dass sie die Preise ihren Kosten einerseits und der Nachfrage andererseits anpassen.

Wie die Stadt auf einen möglichen Anstieg der Kita-Tarife reagieren wird, ist noch offen. Haller rechnet aber damit, dass die Stadt nach Möglichkeit die Eltern finanziell unterstützen würde. Schon heute zahlt die Stadt allen Eltern zusätzlich zum Gutschein einen Fixbeitrag von neun Franken pro Kind und Tag, um die Differenz zwischen maximalem Gutschein von 100 Franken und dem effektiven Kita-Tarif zu verringern.

Mehr Geld vom Kanton

Immerhin wird die Stadt vom Kanton mehr Geld für die Betreuungsgutscheine erhalten als bisher. Heute kann sie nicht für alle ausgestellten Gutscheine den kantonalen Anteil zurückfordern. Rund 600 Gutscheine habe sie jährlich aus der eigenen Tasche finanziert, sagt Haller. Künftig wird der Kanton alle ausgestellten Gutscheine zu rund 80 Prozent rückvergüten. Laut Haller sind das rund 1800 Gutscheine pro Jahr.

Die Gemeinden begrüssen den Systemwechsel, wie Daniel Bichsel (SVP) Gemeindepräsident von Zollikofen und Präsident des bernischen Gemeindeverbands (VBG) sagt. Die Lösung bringe sowohl für die Eltern wie für die Gemeinden mehr Flexibilität. Er glaubt aber nicht, dass deswegen das Angebot in den Berner Kitas knapp wird.

Weniger Geld für Schulkinder

Für den Kanton wird der Systemwechsel mehr Ausgaben für die Kinderbetreuung bedeuten. Aufgrund von Hochrechnungen erwartet Esther Christen von der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) Mehrausgaben von bis zu 15 Millionen Franken. Allerdings müsse der Systemwechsel kostenneutral umgesetzt werden. Darum wird bei der Betreuung von Kindergartenkindern gespart. Für sie gilt in Kitas ein tieferer Betreuungsschlüssel als für Vorschulkinder. «Mit dieser Massnahme sparen wir viel ein», sagt Christen. Sollte dies nicht reichen, habe die GEF weitere Sparmassnahmen in der Hinterhand. So könnte etwa der Wert der Gutscheine oder das maximal erlaubte Einkommen tiefer werden. (Der Bund)

Erstellt: 14.11.2017, 06:49 Uhr

So funktioniert es

Wie bis anhin entscheidet die Gemeinde, ob und in welchem Ausmass sie die familienexterne Kinderbetreuung unterstützt. Gemeinden, die eine Kita subventioniert haben, werden künftig Gutscheine ausstellen. Die Anzahl können sie aber begrenzen. Für Eltern gilt: Wer als Paar mindestens 120 Prozent arbeitet, hat Anrecht auf externe Kinderbetreuung. Sobald das Kind den Kindergarten besucht, gilt der Anspruch erst ab 140 Prozent. Für Alleinerziehende gilt ein Arbeitspensum von 20 Prozent (für Kindergarten-Kinder 40 Prozent).

Der Gutschein hat einen Wert von maximal 100 Franken pro Kind und Kita-Tag oder 8.50 Franken pro Stunde in einer Tagesfamilie. Für die Differenz zum Kita-Tarif müssen die Eltern selber aufkommen. Wie hoch diese ausfallen wird, lässt sich heute nicht sagen. Denn die Kitas können ihre Preise künftig frei gestalten. Im Gegenzug sind die Eltern in der Wahl der Kita frei. Mit steigendem Einkommen sinkt der Wert des Gutscheins. Die Grenze liegt bei 160'000 Franken pro Jahr.

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